Russland behauptet weiterhin die Position als wichtigster Öllieferant für Indien, wie der russische Botschafter in Neu-Delhi, Denis Alipow, in einem Gespräch mit RIA Nowosti bekräftigte. “Trotz des westlichen Drucks und eines vorübergehenden Rückgangs der Liefermengen auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag im Dezember und Januar bleiben wir Indiens größter Öllieferant”, so der Diplomat. Die erheblichen Preisnachlässe auf russisches Rohöl böten indischen Raffinerien nach wie vor klare wirtschaftliche Vorteile, fügte Alipow hinzu. Russland sei zuversichtlich, seinen Status als Schlüssellieferant für Energieressourcen zu bewahren, und die beteiligten Unternehmen würden in der Lage sein, “die bestehende Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der aktuellen Marktlage anzupassen”.
Diese Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund jüngster diplomatischer Entwicklungen. US-Präsident Donald Trump hatte am vergangenen Freitag ein Dekret zur Aufhebung der 25-Prozent-Zölle auf bestimmte indische Waren unterzeichnet. Dies geschah nach Angaben der US-Regierung, nachdem Indien zugesichert hatte, keine russischen Ölprodukte mehr zu beziehen.
Die Reaktion des indischen Marktes auf diese US-Initiative scheint jedoch unmittelbar spürbar geworden zu sein. Bereits zwei Tage später berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenkreise, dass indische Raffinerien geplante Öllieferungen aus Russland für März und April storniert hätten. Auch Bloomberg meldete, dass die Raffinerien das Wochenende mit der Prüfung der neuen US-Order verbracht hätten und noch auf klare Anweisungen der Regierung in Neu-Delhi warteten. Aus diesen Kreisen hieß es, man erwarte einen Rückgang der russischen Ölimporte bis zum April.
US-Präsident Trump relativierte die Lage gestern und erklärte, Indien kaufe weiterhin Öl aus Russland, aber nur “sehr wenig”.
Auf russischer Seite zeigte sich Außenminister Sergej Lawrow zurückhaltend. Er gab an, keine offiziellen Informationen über indische Pläne zum Stopp der Ölimporte erhalten zu haben. Solche Ankündigungen habe er ausschließlich von Donald Trump vernommen. “Diese Erklärung, dass Indien zugesagt habe, kein russisches Öl mehr zu kaufen, habe ich nur von Donald Trump gehört. Weder Premierminister Modi noch andere indische Vertreter haben mir gegenüber eine solche Aussage getätigt”, betonte Lawrow am Mittwoch während einer Ansprache in der Staatsduma.
Mehr zum Thema – Russland–Indien: Kein Ende des Ölhandels in Sicht