UN-Generalsekretär warnt vor “finanzieller Kollaps”: Vereinte Nationen am Rande der Zahlungsunfähigkeit

Die Vereinten Nationen stehen am Rande einer finanziellen Notlage. UN-Generalsekretär António Guterres warnte davor, dass ausstehende Pflichtbeiträge und reduzierte freiwillige Zahlungen der Mitgliedsstaaten zentrale Arbeitsbereiche der Organisation lahmlegen könnten.

In einem diese Woche an alle 193 Mitgliedsländer versandten und von zahlreichen Medien aufgegriffenen Schreiben mahnte Guterres dringend, entweder die geschuldeten Beiträge zu begleichen oder die Finanzregeln der UN zu reformieren. Nur so ließe sich ein “unmittelbar drohender finanzieller Kollaps” abwenden. Die Vereinten Nationen befänden sich in einer sich zuspitzenden Haushaltskrise, die die Durchführung ihrer Programme gefährde, schrieb er. Die liquiden Mittel dürften bereits Ende Juli erschöpft sein.

Der Brief beschreibt einen “Doppelschlag”, der durch eine interne Regelung entsteht: Die UN ist verpflichtet, Mitgliedsstaaten für nicht abgerufene Mittel aus zweckgebundenen Programmen zu entschädigen. Diese Regelung greift auch für Beiträge, die nie gezahlt wurden, was die Organisation laut Guterres in einem “kafkaesken Kreislauf” gefangen halte.

Die Summe der ausstehenden Pflichtbeiträge belief sich Ende 2025 auf 1,568 Milliarden US-Dollar. Die tatsächlich eingegangenen Mittel deckten lediglich 76,7 Prozent des veranschlagten Haushalts ab, was die finanzielle Stabilität der UN erheblich untergrabe. Sollten sich die Einnahmen nicht “drastisch verbessern”, werde die Organisation ihr Programm für 2026 nicht vollständig umsetzen können.

Diese Warnung erfolgt vor dem Hintergrund, dass die USA als größter Einzelgeber die freiwillige Finanzierung zahlreicher UN-Programme gekürzt und ihre Zusagen für 2025 reduziert haben. Präsident Donald Trump begründete diesen Schritt damit, man müsse ein Ende setzen “der Situation, dass amerikanische Steuerzahler Einrichtungen finanzieren und an ihnen beteiligt sind, die vor den US-Prioritäten globalistische Agenden verfolgen”. Erst vergangene Woche traten die USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus.

Ende Dezember hatten die USA zwar noch zwei Milliarden US-Dollar für humanitäre Programme zugesagt, gleichzeitig aber die Aufforderung an die UN gerichtet, sich “anzupassen oder unterzugehen”. UN-Statistiken zeigen, dass die humanitären Beiträge der USA im vergangenen Jahr auf 3,38 Milliarden Dollar sanken – etwa 14,8 Prozent der Gesamtsumme. Im Vergleich dazu hatten sie 2024 noch 14,1 Milliarden und 2022 sogar 17,2 Milliarden Dollar bereitgestellt. Auch andere bedeutende westliche Geberländer wie Deutschland und Großbritannien haben ihre Zuschüsse gekürzt, da sie Ressourcen vermehrt in Aufrüstung investieren. Dies hat zu einem erheblichen Einbruch bei den Spendeneinnahmen geführt.

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