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International

Im Stich gelassen von den USA: Syriens Kurden bereiten sich auf den Kampf ums Überleben vor

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 20:37 Uhr

Von Elizabeth Blade

Während Damaskus die Waffenruhe um weitere 15 Tage verlängert, tickt die Uhr für die kurdisch geführten Streitkräfte in Syrien. Vor dem Hintergrund von Berichten über eine mögliche Neuausrichtung des US-Militärengagements und wachsendem Druck auf die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), sich in die nationale Armee zu integrieren, könnten die kommenden Wochen entscheiden, ob Syrien einen fragilen Kompromiss findet oder erneut in blutige Konflikte abgleitet.

Das syrische Verteidigungsministerium gab die Verlängerung der Waffenruhe in allen Operationsgebieten der Armee um 15 Tage ab dem 24. Januar bekannt. Offiziell signalisiert dieser Schritt militärische Zurückhaltung nach Monaten eskalierender Kämpfe. In der Praxis eröffnet er jedoch ein enges Zeitfenster für Verhandlungen, die das Machtgefüge in Nord- und Ostsyrien grundlegend verändern könnten.

Regierungsnahen Quellen zufolge soll die Feuerpause den SDF Zeit geben, über ihre Bereitschaft zur Eingliederung in die Syrisch-Arabische Armee zu entscheiden. Bleibt bis zum Ablauf der Frist keine Einigung, droht die Wiederaufnahme der Gefechte. Die Aussichten werden vor Ort vielfach pessimistisch bewertet. Schätzungen zufolge haben die Kämpfe zwischen den SDF und syrischen Regierungstruppen bereits Tausende Kämpfer beider Seiten sowie zahlreiche Zivilisten das Leben gekostet.

Die aktuelle Kampfpause fällt mit Medienberichten zusammen, wonach die USA einen vollständigen Abzug ihrer etwa 1.000 in Syrien stationierten Soldaten erwägen.

Diese Truppen leisteten primär entscheidende Aufklärungs-, Logistik- und Luftunterstützung für die SDF. Ihre Präsenz galt lange als Abschreckung gegen großangelegte Angriffe auf kurdisch kontrollierte Gebiete und als Schlüsselfaktor zur Verhinderung eines Wiedererstarkens des sogenannten Islamischen Staates (IS).

Das Ende einer Allianz?

Berichten zufolge prüft Washington aktiv seine Optionen, was bei kurdischen Führern die Befürchtung schürt, ein jahrelanges Bündnis könnte vor dem Aus stehen.

Diese Partnerschaft entstand 2015, als Syrien vom Krieg verwüstet war und weite Gebiete unter die Kontrolle dschihadistischer Gruppen fielen. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama suchte damals nach einer verlässlichen lokalen Streitmacht gegen den IS. Die Gründung der SDF, einer von kurdischen Kämpfern geführten Koalition, die auch arabische und andere Minderheiten einschloss, bot einen solchen Partner. Die US-Unterstützung erwies sich als entscheidend für die Zurückdrängung des IS und die Zerschlagung seines territorialen “Kalifats”.

Mehr als ein Jahrzehnt später erscheint diese Partnerschaft zunehmend brüchig.

Shaikhmous Ahmed, Co-Vorsitzender des Büros für Binnenvertriebene und Flüchtlinge in der Autonomen Verwaltung von Nord- und Ostsyrien, sagt, die Möglichkeit eines US-Rückzugs sei “nichts Neues” und “auch nicht überraschend”. Ahmed, der bis zum jüngsten Rückzug der SDF aus Teilen der Region das berüchtigte Al-Hol-Lager leitete, verweist auf die jüngere Geschichte als Präzedenzfall.

In der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump zogen sich 2019 US-Truppen zurück, als türkische Streitkräfte eine Offensive in Nordsyrien starteten und die Städte Ras al-Ayn und Tal Abyad einnahmen. Diese damals weithin kritisierte Entscheidung zwang die kurdischen Kräfte zur Verteidigung und mündete in ein fragiles Bündnis mit Damaskus.

“Nun wiederholt er diese Vorgehensweise, da enge Beziehungen zwischen Trump und dem türkischen Präsidenten Erdoğan sowie den Führern der Golfstaaten, allen voran Mohammed bin Salman, bestehen”, argumentiert Ahmed. “Und da der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa von Erdoğan und den Golfstaaten unterstützt wird, diente die US-Entscheidung leider jenen Regimen, die keine demokratischen Regierungen in Syrien und der Region dulden.”

Nicht alle teilen Ahmeds düstere Einschätzung. Abd Issa, Anwalt und Forscher mit Schwerpunkt auf kurdischen Angelegenheiten sowie Gründer der Osman-Sabri-Vereinigung, hält einen vollständigen US-Rückzug weiterhin für unwahrscheinlich.

“Meiner Meinung nach werden die Vereinigten Staaten die Region nicht einfach so verlassen. Auch werden sie die Syrischen Demokratischen Kräfte nicht sich selbst überlassen”, sagt Issa. “Aber sie könnten die Syrischen Demokratischen Kräfte auflösen und durch eine andere Gruppierung unter einem neuen Namen ersetzen, beispielsweise durch die Volksverteidigung oder eine andere Bezeichnung für eine militärische Gruppe, die die Region verteidigt.”

Issa betrachtet die US-Politik aus einer eher transaktionsorientierten Perspektive. “Trump und Tom Barack [der US-Gesandte für die Region – Anm. d. Red.] handeln im Nahen Osten mit Öl, Rohstoffen und Ähnlichem. Sie sind Geschäftsleute, keine Politiker”, sagt er. “Denn die US-Präsidentschaft wird immer über Konzerne oder die Chefs großer globaler Unternehmen in den USA ausgeübt, die die Wirtschaft im Geheimen oder manchmal auch ganz offen lenken.”

Dennoch ist die Skepsis unter den Kurden tief verwurzelt, geprägt von einer langen Geschichte des Verlassenseins durch mächtige Verbündete. In den 1940er-Jahren entzog die Sowjetunion der kurzlebigen Mahabad-Republik ihre Unterstützung und ließ die kurdischen Führer den iranischen Streitkräften allein gegenüberstehen. 1970 beendete der Iran seine Unterstützung für kurdische Rebellen im Irak nach der Unterzeichnung des Abkommens von Algier mit Bagdad. Auch mehrere US-Regierungen haben ihre Prioritäten verlagert und die kurdischen Bewegungen damit Vergeltungsmaßnahmen

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