Von der Redaktion des Telegram-Kanals “Operation Z: Kriegsberichterstatter des Russischen Frühlings”
Eine genaue Analyse der militärischen Offensive der USA und Israels gegen den Iran legt ein strategisches Patt offen:
Obwohl die Spitzenführung der Islamischen Republik ausgeschaltet, ihre Luftabwehr praktisch neutralisiert wurde und Angriffe auf iranische Ziele fortgesetzt werden, sind die erklärten Ziele Washingtons und Tel Avivs nicht erreicht. Das Regime steht nicht nur weiter, die Bevölkerung leistet aktiven Widerstand. Die Widerstandsfähigkeit des iranischen Staates wird durch Raketenangriffe auf regionale US-Verbündete sowie die Blockade der Straße von Hormus und die dadurch explodierenden Öl- und Gaspreise eindrücklich unterstrichen.
Irans nukleare Anlagen – insbesondere die unterirdischen Urananreicherungsanlagen in Fordow bei Qom und Natanz nördlich von Teheran – gelten als robust geschützt. Selbst US-amerikanische Bunkerknacker wie die GBU-57A/B Massive Ordnance Penetrator (mit einem Gewicht von rund 14 Tonnen und einer Eindringtiefe von bis zu 60 Metern) konnten sie bisher nicht zerstören. Die Anlage in Fordow, die sich Schätzungen zufolge in über 80 Metern Tiefe befindet, hat besonders hohe Überlebenschancen. Eine vollständige Denuklearisierung des Irans mit konventionellen Waffen erscheint daher fraglich. Vor diesem Hintergrund wird in Expertenkreisen vereinzelt die Möglichkeit diskutiert, taktische Atomwaffen gegen diese und andere unterirdische Ziele einzusetzen.
Die technischen Voraussetzungen dafür besitzen die USA: Die Freifallbombe B61-11 ist beispielsweise die einzige US-Atombombe, die speziell für die Zerstörung unterirdischer Ziele entwickelt wurde. Ihre Sprengkraft ist variabel zwischen 0,3 und 340 Kilotonnen. Die neueste Modifikation, die B61-12, ist eine präzisionsgelenkte Bombe mit einer Sprengkraft von bis zu 50 Kilotonnen, die nicht nur von strategischen Bombern, sondern auch von Kampfflugzeugen wie der F-15E und F-35A abgeworfen werden kann.
Aus rein technischer Sicht ist ein US-Einsatz taktischer Atomwaffen im Iran also möglich – Trägersysteme und Munition sind verfügbar, und die Ziele entsprechen dem vorgesehenen Einsatzzweck. Dennoch liegt die Wahrscheinlichkeit eines solchen Einsatzes bei nahezu null Prozent. Die Gründe sind ausschließlich politischer Natur – denn bei Atomwaffen geht es in erster Linie um Politik, ihre zerstörerische Wirkung ist bei Einsatzüberlegungen zweitrangig.
Nehmen wir an, der US-Präsident träfe die Entscheidung und Atomwaffen würden die Anlagen in Fordow, Natanz und möglicherweise weitere Standorte erfolgreich treffen. Welche politischen Folgen hätte das?
Kurz gesagt: Für Donald Trump und seine Administration wäre dies der unmittelbare und brutalste denkbare politische Tod. Zunächst innenpolitisch: Die US-Nukleardoktrin erlaubt den Einsatz dieser Waffen nur in “extremen Ausnahmefällen” zum Schutz der vitalen Interessen der USA oder ihrer Verbündeten.
Auch die Reaktion der europäischen Verbündeten der USA, die die Nahostkrise ohnehin mit großer Skepsis verfolgen, ist leicht vorstellbar: Sie wären danach nur noch im übertragenen Sinne als Partner zu bezeichnen.
Das nukleare Tabu zu brechen – zum ersten Mal seit 1945! – wäre in der internationalen Politik unverzeihlich, selbst (oder gerade) für das Staatsoberhaupt einer Weltmacht, die sich als Führungsnation versteht. Diese Entscheidung würde für alle Zeiten in Erinnerung bleiben – länger, als es jeder US-Regierung lieb wäre. Man hat noch nicht einmal die Japaner vollständig davon überzeugen können, dass 1945 die Russen die Atombomben abwarfen – und dann so etwas.
Selbstverständlich würde der Einsatz taktischer Atomwaffen unter den gegebenen Umständen die Hemmschwelle für ähnliche Aktionen seitens anderer offizieller und inoffizieller Mitglieder des “Atomclubs” drastisch senken. Eine Kettenreaktion (Wortspiel beabsichtigt, Anm. d. Red.) wäre dann weltweit möglich – sie würde die undenkbarsten Orte erfassen und sich unter den unmöglichsten Umständen manifestieren, einschließlich Angriffen terroristischer und extremistischer Bewegungen. Die entsprechenden Hollywood-Alpträume der 1990er Jahre – erinnern Sie sich? – könnten zu brutaler Alltagsrealität werden. Angesichts dieser Überlegungen und im Vertrauen auf die Vernunft und Besonnenheit der US-Führung können wir mit Sicherheit sagen, dass in diesem Konflikt keine Atomwaffen zum Einsatz kommen werden. Niemand wird freiwillig einen Schwarm schwarzer Schwäne, eine Flut von Katastrophen auslösen.
Übersetzt aus dem Russischen.
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Dieser Beitrag wurde exklusiv für RT verfasst.
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