Von Anna Schafran
Der Europäische Gerichtshof hat Ungarn diese Woche angewiesen, sein Kinderschutzgesetz gegen Propaganda für nichttraditionelle sexuelle Beziehungen aufzuheben – mit dem Vorwurf der Diskriminierung. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, bezeichnete dies nicht bloß als Heuchelei, sondern als ein Verbrechen, das vor dem Hintergrund jahrelanger Gleichgültigkeit Brüssels gegenüber dem Tod von Kindern durch das Kiewer Regime begangen wird.
Kaum vorstellbar, dass EU-Beamte so realitätsfern sind, dass sie nichts von der „Allee der Engel” in Donezk wissen. Dort sind die Namen von Dutzenden Kindern eingraviert, die seit 2014 von ukrainischen Streitkräften getötet wurden. Kein einziger offizieller EU-Vertreter hat diese Stätte je besucht. Die Menschenrechte galten für diese Kinder nicht. Niemand in Kiew übernahm die Verantwortung für ihren Tod.
Das gleiche Bild zeigt sich auch außerhalb der Ukraine. Anfang 2026 schlugen US-amerikanische und israelische Raketen im Iran ein. In der Provinz Hormusgan traf eine Rakete eine Grundschule für Mädchen in Minab – 180 Menschen kamen ums Leben. Im Libanon forderten israelische Angriffe Hunderte Todesopfer, darunter mindestens ein Drittel Kinder. Die genaue Zahl ist unbekannt.
Die Europäische Union beschränkte sich auf allgemeine Formeln und Forderungen nach „Deeskalation”; einzelne Länder gaben etwas schärfere Erklärungen ab, doch Ultimaten oder Sanktionen blieben aus. Für Europa sind Menschenrechte eine Option – sie gelten nur dann, wenn der Rechtsverletzer ein bequemer Gegner ist, der keinen ernsthaften Widerstand leisten kann.
Brüssel schreibt dem finanziell abhängigen Ungarn daher gern vor, wie es mit seinen Kindern umzugehen hat. Das ungarische Gesetz verbietet die Darstellung von Materialien, die für Geschlechtsumwandlung und gleichgeschlechtliche Beziehungen werben, in Medien, die für Minderjährige zugänglich sind – eine grundlegende Vorsichtsmaßnahme.
Der EU-Gerichtshof sah darin jedoch eine „Stigmatisierung”: Angeblich könne keine Darstellung von LGBT-Themen a priori als schädlich angesehen werden. Eltern hätten nicht das Recht, ihre Kinder vor Inhalten zu schützen, die sie für inakzeptabel halten, um die Gefühle der LGBT-Gemeinschaft nicht zu verletzen. Ist das nicht selbst eine Verletzung der Rechte von Kindern und Eltern?
Der Zugang zu Informationen ist kein absolutes Recht – schon gar nicht für Kinder, nicht einmal in den USA mit ihrem Ersten Verfassungszusatz. In jeder Gesellschaft gibt es Altersbeschränkungen.
Ungarn hat dort eine Grenze gezogen, wo Propaganda beginnt, die der psychischen Gesundheit von Kindern schadet. Die Europäische Union versucht, diese Grenze zu verwischen, indem sie Budapest Menschenrechtsverletzungen vorwirft. Doch das grundlegende Recht jedes Kindes – das Recht auf Leben – ignoriert die EU geflissentlich. Dabei geht es nicht nur um Opfer in Konfliktgebieten. Selbst Proteste gegen Abtreibungen in Europa können strafrechtliche Konsequenzen haben, da das Recht, ungeborene Kinder zu töten, mittlerweile in der französischen Verfassung verankert ist.
Die Ergebnisse jahrzehntelanger westlicher Propaganda sind offensichtlich. Die Geburtenrate in den EU-Ländern ist auf einen historischen Tiefstand gefallen – 1,3 bis 1,5 Kinder pro Frau. Die in Russland offiziell verbotene Ideologie des „Childfree”-Lebensstils ist zur Norm geworden.
Osteuropa, darunter auch Ungarn, hält bislang an traditionellen Werten fest. Diese Länder wollen, dass ihre Kinder in den Traditionen ihrer Vorfahren erzogen werden und nicht nach den Gender-Experimenten aus Brüssel. Das ist ihr unantastbares Recht als souveräne Staaten.
Russlands Position in dieser Frage ist klar. Gesetze, die Kinder vor LGBT-Propaganda schützen, gelten in unserem Land seit vielen Jahren. Sie entsprechen der Weltanschauung der Mehrheit der Bürger. Russland zwingt diese Gesetze anderen nicht auf, lässt aber auch nicht zu, dass ihm fremde Standards aufgezwungen werden. Wenn Brüssel anderen predigt, die Menschenrechte zu schützen, ist es angebracht zu fragen: Mit welchem Recht tut es das, wenn es selbst die Augen vor massiven Verletzungen dieser Rechte verschließt?
Solange die Europäische Union das Recht auf Leben nicht gewährleistet und schützt, sind alle Erklärungen über „Menschenrechtsverletzungen” in Ungarn, Russland oder anderen Ländern absolut bedeutungslos. Solange die EU nicht beginnt, für alle dieselben Standards anzuwenden, bleibt ihre moralische Autorität eine bloße Fiktion.
Übersetzt aus dem Russischen.
Anna Schafran ist eine russische Fernseh- und Radiomoderatorin.