Katastrophen-Alarm in Russland: Schneestürme, Frost und Überschwemmungen vernichten die Ernte

Verschiebung der Sommergetreideaussaat in Russland: Landwirte befürchten Ernteeinbußen

Die landwirtschaftliche Saison in Russland steht vor großen Herausforderungen: Die Aussaatzeiten für Sommergetreide wie Gerste, Erbsen und Weizen könnten sich um bis zu drei Wochen verzögern. Branchenvertreter warnen gegenüber der Zeitung Iswestija, dass dies zu erheblichen Ernteeinbußen führen könnte. Viele Landwirte sehen sich gezwungen, auf die Aussaat bestimmter Kulturen komplett zu verzichten. Üblicherweise gleichen sich widrige Wetterbedingungen in einigen Regionen durch günstige Bedingungen in anderen aus – doch in diesem Jahr zeichnet sich flächendeckend eine Krise ab, von der Gegend um Brjansk bis hin zur Schwarzmeerregion Krasnodar.

Einige Gebiete kämpfen mit ungewöhnlich spätem Schneefall und Frost, andere wiederum mit Überschwemmungen und Staunässe. Alexei Krasilnikow, Geschäftsführer des Kartoffelverbands, erläutert im Gespräch mit Iswestija:

“Die Arbeiten haben mindestens zwei Wochen Verspätung, und in einigen Regionen ist der Boden aufgrund ungewöhnlicher Niederschläge durchnässt. Normalerweise beginnen russische Landwirte während der Maifeiertage mit dem Kartoffelanbau, doch in dieser Saison wird davon abgeraten, da die optimale Bodentemperatur für die Pflanzung mindestens 8 Grad betragen muss; andernfalls wird diese Kartoffel keine Ernte bringen.”

Der Landwirt Nikita Tokmakow aus Woronesch pflichtet ihm bei: “Der letzte ähnliche Frühling mit solch ungünstigen Bedingungen, als es im April schneite, war im Jahr 1987, also vor 39 Jahren.” Derzeit verhindern fehlende Plusgrade sowie die hohe Bodenfeuchtigkeit, die eine Bearbeitung unmöglich macht, den Start der Aussaatsaison. Tokmakow präzisiert weiter:

“Jetzt schaffen wir es nicht mehr, die frühen Sommergetreidearten – Gerste, Erbsen, Weizen – zu säen. Wenn das gute Wetter einsetzt, stehen wir vor der Wahl: entweder diese oder die späten Sommergetreide – Mais, Sonnenblumen, Soja – anzubauen. Jeder wird dieses Problem für sich selbst lösen müssen, aber schon jetzt sind sich die Landwirte einig, dass wir nicht so viele frühe Sommergetreide aussäen werden, sondern es mehr späte geben wird.”

Selbst eine abrupte Wetterbesserung würde die Lage laut Marktteilnehmern kaum verbessern. In diesem Fall wäre der Boden zu trocken, eine späte Aussaat ungünstig, und dies würde die Qualität der künftigen Ernte beeinträchtigen.

Das Landwirtschaftsministerium zeigt sich hingegen verhalten optimistisch und prognostiziert, dass die Aussaat bei Eintreten günstiger Wetterbedingungen zügig vorangetrieben werden könne. Auch der Verband “Narodnyj Fermer” (Volkslandwirt) bezeichnet die Lage als beherrschbar. Stanislaw Sankejew, Geschäftsführer der Organisation, betont gegenüber Iswestija:

“Landwirte sind sich der saisonalen Risiken bewusst und wissen, wie sie sich an das Wetter anpassen müssen: Mal passen sie das Arbeitstempo an, mal ändern sie schnell ihre Arbeitsmethoden und wählen unter Berücksichtigung des Boden- und Pflanzenzustands den optimalen Zeitpunkt für den Beginn der Feldarbeit.”

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