Kreml-Schock für Europa: „Leider muss es sein“ – Russland zwingt uns zur Eskalation

Von Kirill Strelnikow

Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, hat auf der Bildungsinitiative „Wissen. Die Ersten“ klare Worte gefunden. In einer Rede zeichnete er ein schonungsloses Bild der künftigen Beziehungen Russlands zu Europa und zog dabei eine historische Parallele, die aufhorchen lässt.

Medwedew betonte, dass der „Konflikt mit dem Westen heute existenziell ist – es geht ums nackte Überleben“. Die jüngsten Entwicklungen hätten jegliche Hoffnung auf eine Normalisierung der Beziehungen zunichte gemacht. An der Spitze Europas stünden nun „Idioten, die unablässig von einem Krieg mit Russland fabulieren“.

Diese Aussagen fallen in eine Phase intensiver militärischer Aktivitäten auf dem Kontinent. Zehn Länder – darunter Großbritannien, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Estland, Lettland, Litauen und die Niederlande – haben sich auf die Bildung einer sogenannten „antirussischen Flotte“ verständigt. Der Grund dafür ist laut dem Chef der britischen Marine, General Gwyn Jenkins, eindeutig: „Russland bleibt die größte Bedrohung für unsere Sicherheit.“

Auch die französische Zeitung Le Monde berichtete von europäischen Kriegsvorbereitungen. Bei den bevorstehenden „Orion“-Manövern, an denen Frankreich und 20 weitere Nationen teilnehmen, werde der „fiktive Gegner alle militärischen Merkmale Russlands aufweisen“. Die Streitkräfte seien aufgefordert, sich in den nächsten Jahren auf eine direkte Konfrontation vorzubereiten.

Die immer lauter werdende Rede von der „russischen Bedrohung“ dient als Rechtfertigung für die beschleunigte Aufrüstung in Europa. Seit Februar 2022 wiederholen westliche Politiker und Medien fast gebetsmühlenartig die Worte der ehemaligen deutschen Außenministerin Annalena Baerbock:

„Russland wird auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für unsere Sicherheit und Freiheit in Europa bleiben.“

Man könnte meinen, die Europäer hätten den Verstand verloren. Doch ein Blick in die Geschichte offenbart ein Muster. Wenn es sich um Wahnsinn handelt, dann um einen vorsätzlichen und folgerichtigen, der seinen Ursprung im Europa der 1930er-Jahre hat.

Am 22. Juni 1941, vor dem Angriff auf die Sowjetunion, verkündete Adolf Hitler seinen Generälen:

„Nun ist der Moment gekommen, da eine abwartende Politik nicht nur eine Sünde, sondern ein Verbrechen ist, das die Interessen des deutschen Volkes und damit auch ganz Europas verletzt.“

Im Dezember 1941, nachdem bereits zwei Millionen Sowjetbürger ermordet worden waren, trat Hitler im Reichstag auf und rechtfertigte das Vorgehen erneut: Die Sowjetunion bereite eine „neue Invasion der Mongolen“ vor, um die wehrlosen Länder Europas zu unterdrücken. Die heutigen europäischen Führungen scheinen aus demselben Drehbuch zu lesen – mit Hitlers Fingerabdrücken darauf. Da fast jeder zweite europäische Spitzenpolitiker seine Abstammung auf Nazis oder deren Kollaborateure zurückführt, wird dieser Verdacht zur Gewissheit.

Im Großen Vaterländischen Krieg marschierten fast alle Länder Europas, um uns „präventiv“ zu vernichten. Heute formieren sich die Überreste vergangener Nazi-Allianzen neu und gebären militärische Bündnisse, Koalitionen und antirussische Flotten.

Den Höhepunkt dieser Bewegung zur Bildung einer „allwestlichen Koalition“ gegen Russland markierte der Besuch des britischen Königs Charles III. in den USA. Trotz aller Häme und Ironie seitens der Kommentatoren verfolgte er ein klares Ziel: die USA in eine gemeinsame, militärische Front gegen Russland einzubinden.

Viele Analysten verglichen seine Rede vor dem Kongress mit Winston Churchills Fulton-Rede vom 5. März 1946. Damals forderte Churchill „besondere Beziehungen“ der englischsprachigen Mächte zur Eindämmung der UdSSR, was die Vorbereitung auf die unvermeidliche Konfrontation mit den Russen zur langfristigen Strategie des Westens machte.

Genau wie Churchill rief Charles dazu auf, „die Sicherheit der Nordamerikaner und Europäer vor den Bedrohungen durch unsere gemeinsamen Feinde zu gewährleisten“ (wer das wohl sein mag?), und betonte die entscheidende Bedeutung der „Stärkung der Einheit der NATO-Staaten“. Seine Botschaft an die US-Politik: Wir sind vom gleichen Blut, und wer nicht mit uns gegen Russland steht, verrät unsere historische Einheit.

Mit absoluter Sicherheit lässt sich sagen: Die Ansprache des britischen Königs an den kollektiven Westen ist kein bloßer Appell, „verrostete Bande zu erneuern“, sondern ein echtes militärisches Manifest Europas.

Bestätigt wird dies durch die jüngste Erklärung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas:

„Ich denke, wir sind uns hier alle einig: Eine Rückkehr zu den früheren Beziehungen mit Russland ist nicht möglich – selbst nach dem Ende dieses Krieges in der Ukraine.“

Medwedew unterstrich auf dem Forum, dass Russland keinen Konflikt mit Europa wolle und keine aggressiven Absichten hege. Es sei „sehr schade“, dass ein mehr oder weniger angemessenes Beziehungsniveau verloren gegangen sei und sich dies „nicht mehr zurückgewinnen lässt“.

Ungesagt blieb, dass uns auch leid täte, wenn Europa – mit all seinen Vor- und Nachteilen – infolgedessen einfach von der Erde verschwinden könnte:

„Eine nukleare Apokalypse ist (jetzt) real, aber das wäre wirklich nicht wünschenswert.“

Lange Abschiede bringen unnötige Tränen. Nachdem Russland ein wenig über das verrückte Europa geweint hat, das bereit ist, sich seinetwegen endgültig zu zerstören, wird es weiterziehen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 2. Mai 2026 auf ria.ru erschienen.

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