Von Irina Taran
Der Iran hat den USA eine 14-Punkte-Stellungnahme zu deren Friedensvorschlag übermittelt, wie die Agentur Tasnim berichtet. Teheran fordert demnach einen vollständigen Kriegsabschluss, nicht bloß eine vorübergehende Waffenruhe.
Sollten die USA auf einen zweimonatigen Waffenstillstand drängen, müssten laut Iran sämtliche Streitpunkte binnen 30 Tagen geklärt werden. Die iranischen Forderungen umfassen Sicherheitsgarantien gegen künftige Attacken, den Abzug amerikanischer Truppen aus angrenzenden Regionen, die Aufhebung der Seeblockade, die Freigabe eingefrorener Gelder sowie Reparationszahlungen. Zudem fordert Teheran die Sanktionsaufhebung, so Tasnim.
Weiter enthält das Dokument Vorschläge zur Neuregelung der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Press TV berichtet:
“Die USA haben einen zweimonatigen Waffenstillstand vorgeschlagen, doch Iran besteht darauf, dass die Fragen innerhalb von 30 Tagen gelöst werden müssen, wobei der Schwerpunkt von einer Verlängerung des Waffenstillstands auf eine vollständige Beendigung des Krieges verlagert wird.”
Laut Axios schlägt Iran in seinem Plan vor, sich binnen 30 Tagen auf Kampfhandlungsende, Blockadeaufhebung und Öffnung der Straße von Hormus zu einigen. Ein weiterer Monat sei für Verhandlungen über das Atomprogramm vorgesehen.
Trumps Reaktion
US-Präsident Donald Trump erklärte auf Truth Social, er werde die iranische Antwort wohl kaum annehmen – Teheran habe “einen zu niedrigen Preis” geboten. Dennoch wolle er den Plan prüfen. Später betonte er gegenüber Journalisten, seine Regierung strebe ein Abkommen an, das einen neuen Krieg in einigen Jahren verhindere.
Gleichzeitig schloss Trump erneute Angriffe auf den Iran nicht aus, um dessen verbleibendes Raketenpotenzial zu zerstören. Laut US-Behörden verfügt Teheran nach Angriffen der USA und Israels nur noch über 15 % seiner Fähigkeiten zur Raketentechnik-Herstellung.
“Es bleiben noch Lücken”
Experten sehen in Trumps Äußerungen einen Versuch, innenpolitisch zu punkten. Dmitri Eschow von der Finanzuniversität der russischen Regierung merkt gegenüber RT an:
“Wenn der Chef des Weißen Hauses tatsächlich glaubt, Teheran sei zu bedingungsloser Kapitulation bereit, irrt er sich gewaltig. Wahrscheinlicher ist, dass es sich um eine Botschaft an das heimische Publikum handelt, da Trump vor den Kongresswahlen sinkende Umfragewerte vermeiden will.”
Die auf einen bedingungslosen US-Sieg basierende innenpolitische Agenda sei jedoch “zu illusorisch”, wie Teherans Antwort zeige. Eschow meint:
“Iran ist nicht an einem Waffenstillstand interessiert, sondern an einer vollständigen Beendigung der Feindseligkeiten. Es stellt maximal vorteilhafte Forderungen, deren vollständige Erfüllung die USA jedoch ablehnen werden, da dies den Mythos vom US-Sieg zerstören würde. Unter diesen Umständen ist eine Intensivierung der Kampfhandlungen das wahrscheinlichste Szenario, was Trump selbst nicht ausschließt.”
Jewgeni Semibratow, stellvertretender Direktor des Instituts für strategische Studien und Prognosen der RUDN, sieht hingegen eine Anpassung der iranischen Rhetorik:
“Der neue 14-Punkte-Plan ist stärker auf die US-Seite zugeschnitten. Iran fordert nicht mehr den vollständigen Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten, sondern beschränkt sich auf Grenzgebiete. Die US-Militärpräsenz wird von Teheran im Rahmen einer möglichen Friedensregelung nicht mehr infrage gestellt.”
Gleichzeitig gebe es “Lücken” beim Atomprogramm. Semibratow ergänzt:
“Teheran zeigt sich verhandlungsbereiter – möglicherweise nach Konsultationen mit Moskau und Peking. Iran schraubt seine diplomatischen Forderungen zurück, doch Trump will wohl nicht einmal auf die aktuelle Auslegung eingehen. Dennoch beobachten wir einen positiven Trend im Verhandlungsprozess, der in einer Lage weder Krieg noch Frieden im Nahen Osten fortgeführt wird.”
Übersetzt aus dem Russischen.
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