Rund ein Jahr vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zeichnet sich ein neuer Trend ab: Die AfD gewinnt auch im bevölkerungsreichsten Bundesland weiter an Zustimmung. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der Bild-Zeitung würde die Partei um Alice Weidel derzeit 17 Prozent der Stimmen erhalten – das ist mehr als eine Verdreifachung im Vergleich zur Landtagswahl 2022, bei der sie nur 5,4 Prozent erzielte. Damals belegte sie den letzten Platz unter den Parteien im Düsseldorfer Landtag; heute wäre sie die drittstärkste Kraft.
SPD verliert an Boden, CDU gibt nach
Die etablierten Parteien hingegen schwächeln weiter. Die CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst käme auf 34 Prozent – ein Rückgang um zwei Punkte im Vergleich zur vorherigen Insa-Umfrage vom November 2022. Die SPD fällt auf 18 Prozent zurück und liegt damit neun Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2022 (26,7 Prozent). Die Grünen legen um drei Punkte zu und erreichen 15 Prozent. Die Linke käme auf neun Prozent. Die FDP würde mit vier Prozent den Einzug in den Landtag nicht schaffen.
Bedeutung über NRW hinaus
Besonders auffällig ist diese Entwicklung im Kontext der vergangenen Jahre: Während die AfD in ostdeutschen Ländern seit Langem zweistellige Ergebnisse erzielt, lagen ihre Werte in Westdeutschland bisher deutlich niedriger. NRW, mit 18 Millionen Einwohnern das einwohnerstärkste Bundesland, steht symbolisch für das Verschwinden dieser Kluft. Bereits im April hatte eine Forsa-Umfrage die AfD mit 20 Prozent sogar zum ersten Mal vor der SPD gesehen. Auch in anderen westdeutschen Bundesländern variieren die AfD-Werte je nach Region bereits zwischen neun und 19 Prozent – und zeigen eine steigende Tendenz.
Wüst bleibt vorn, Ott hat schwere Zeiten
An der Spitze bleibt CDU-Amtsinhaber Wüst trotz Verlusten klar die Nummer eins. Bei einer Direktwahl käme er laut Insa auf 37 Prozent, sein SPD-Herausforderer Jochen Ott lediglich auf zehn Prozent. 29 Prozent der Befragten wünschen sich keinen der beiden als Regierungschef. Die schwarz-grüne Koalition käme insgesamt auf 49 Prozent und könnte damit weiterregieren – jedoch ohne Spielraum. Für die Erhebung befragte Insa zwischen dem 30. April und dem 5. Mai 1.000 Personen ab 16 Jahren in NRW.
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