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Die Bundesrepublik zeigt weiterhin festes Interesse an Mittelstreckenwaffen. Während der damalige US-Präsident Donald Trump die von den Vorgängerregierungen in Washington und Berlin beschlossene Stationierung amerikanischer Raketen und Marschflugkörper ablehnte, drängt Verteidigungsminister Boris Pistorius nun auf den Kauf dieser Systeme. Der SPD-Politiker plant daher einen Besuch in Washington, um die Angelegenheit voranzutreiben, wie die britische Zeitung Financial Times (FT) berichtet.
Bereits im Juli des Vorjahres hatte Deutschland versucht, von den USA Typhon-Abschussrampen und Tomahawk-Marschflugkörper zu erwerben. Ziel war es, eine Fähigkeitslücke zu schließen, die bis zur Fertigstellung eigener europäischer Entwicklungen für Raketen und Marschflugkörper mittlerer Reichweite besteht. Konkret geht es um Waffen für sogenannte „Deep Precision Strikes” mit einer Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern.
Laut Medienberichten beabsichtigte Pistorius damals, drei bodengestützte Typhon-Startsysteme für 220 Millionen Euro sowie bis zu 400 Tomahawk-Lenkwaffen des Typs Block Vb für über eine Milliarde Euro zu beschaffen. Die Block-Vb-Variante zeichnet sich vor allem durch ihre Fähigkeit zur Bekämpfung befestigter Ziele aus. Nach den Plänen der Bundeswehr sollten die Tomahawks nicht nur landgestützt stationiert, sondern auch der Deutschen Marine zur Verfügung gestellt werden.
Doch daraus wurde nichts. Auf Pistorius’ Anfrage gab es bisher keine Antwort aus Washington. Formal hatte das Bundesverteidigungsministerium im Rahmen des Foreign Military Sales (FMS) ein sogenanntes „Letter of Request” eingereicht. Eine positive Antwort in Form eines „Letters of Offer and Acceptance” blieb jedoch aus.
Es ist also an der Zeit, nachzuhaken. Laut FT möchte Boris Pistorius mit seiner Reise in die US-Hauptstadt die Lieferung der gewünschten Waffen vorantreiben. Weder das Weiße Haus, das US-Verteidigungsministerium noch das Bundesverteidigungsministerium reagierten jedoch auf eine entsprechende Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters.
Unbestätigten Quellen der FT zufolge hängt Pistorius’ Kurzbesuch in Washington davon ab, ob ein Treffen mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zustande kommt. Die Beziehungen zwischen der Trump-Regierung und der Merz-Regierung hatten sich abgekühlt, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz das Vorgehen der USA im Iran-Krieg kritisiert hatte.
Die Zurückhaltung der USA bei der Übergabe der Tomahawks dürfte jedoch nicht nur auf das gespannte Verhältnis zur aktuellen Bundesregierung zurückzuführen sein. Medienberichten zufolge waren die US-Bestände an Tomahawks bereits vor dem Krieg gegen den Iran knapp.
Anfang Februar 2026 schloss die US-Regierung daher einen Vertrag mit dem Hersteller Raytheon, um die Jahresproduktion für die USA auf 1.000 Exemplare zu steigern. Im Iran-Krieg soll das US-Militär jedoch ein Vielfaches dieser jährlichen Produktionsmenge an Marschflugkörpern verbraucht haben.
Die deutsche Anfrage nach 400 Tomahawk-Marschflugkörpern kommt da wohl ungelegen, selbst wenn die US-Rüstungsindustrie daran verdienen könnte. Hinzu kommt, dass auch Japan 400 Tomahawks bestellt hat – allerdings die Basisvariante und nicht den von Deutschland bevorzugten Typ. Auch diese Lieferung hat sich bereits verzögert.
Die von Deutschland gewünschte Variante ist ohnehin noch nicht einsatzbereit. Die US Navy, die diesen Typ ebenfalls bestellt hat, rechnet mit einer Auslieferung in den Jahren 2028 und 2029.
Quellen der FT zufolge wären die Deutschen bereit, einen Aufpreis für die Lieferung der Marschflugkörper zu zahlen. Allerdings musste Kanzler Merz kürzlich selbst einräumen, dass die USA derzeit nicht genügend Bestände für den eigenen Bedarf hätten.
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