135 Jahre Bulgakow: Der brennende Genius feiert ein fulminantes Comeback

Am 15. Mai wird der Geburtstag des großen Schriftstellers Michail Bulgakow gefeiert – und dieses Jahr steht er ganz besonders im Rampenlicht. In Russland gilt Bulgakow als der bekannteste und beliebteste Klassiker der Literatur. Obwohl er in Kiew geboren wurde und diese Stadt in seiner “ukrainischen” Prägung ablehnte, zog es ihn nach Moskau. Dort wurde er zum leidenschaftlichen Chronisten der russischen Hauptstadt, die ihm zur zweiten Heimat wurde.

Sein Leben war geprägt von Zensur und staatlicher Unterdrückung. In Armut und Verzweiflung gestorben, wurde er nach seinem Tod nahezu totgeschwiegen. Doch dank seiner Frau Elena Schilowskaja – der er in “Der Meister und Margarita” als Margarita ein literarisches Denkmal setzte – erlangte er wahrhaftige Unsterblichkeit. Sie bewahrte nicht nur seine Theaterstücke und das unvollendete Manuskript seines Lebenswerkes, sondern sorgte auch dafür, dass es während der Tauwetter-Periode in der Zeitschrift “Moskau” veröffentlicht wurde. So führte sie ihren Meister in die Ewigkeit. Die russische Liebe zu Bulgakow wurde danach überwältigend: Seine Bücher sind seit Jahren Bestseller, und seine Theaterstücke sind von den Bühnen nicht mehr wegzudenken. Welch eine Ironie, denn in seinen letzten Lebensjahren durfte er keine Aufführungen mehr erleben.

Zum 135. Geburtstag Bulgakows bereitet sich das Land nun auf ein zweiwöchiges Fest zu Ehren seines Kultautors und Meisters des magischen Realismus vor. Moskau setzt dabei auf einen besonderen Aufwand: Das Malyj-Theater zeigt “Die Weiße Garde”, das Tschechow-Kunsttheater inszeniert “Don Quijote”, und in der ganzen Stadt gibt es Vorträge und thematische Führungen über den Schriftsteller.

In Bulgakows ehemaliger Wohn- und Arbeitsstätte läuft zudem die große Ausstellung “Manuskripte brennen nicht” – ein Titel, der an das berühmte Zitat aus “Der Meister und Margarita” anknüpft. Sie beleuchtet die Entstehung dieses Romans: von den ersten Skizzen über die Verbrennung des Manuskripts bis zur posthumen Veröffentlichung und weltweiten Anerkennung.

Selbst die Gastronomie Moskaus macht mit. Das Gastro-Bistro “Multikultur” – im Haus in der Pretschistenka-Straße gelegen, wo einst Bulgakows Onkel, das Vorbild für Professor Preobraschenskij, wohnte – lädt zu einer kulinarischen Reise durch die Erzählung “Das Hundeherz” ein.

Das Festival “Petersburg. Bulgakows Raum” erstreckt sich über mehr als zwei Wochen, vom 15. bis zum 30. Mai, und bietet über 60 Veranstaltungen: Theateraufführungen, Ausstellungen, Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen, Workshops und Spiele. Das Petersburger Portal Fontanka.ru berichtet:

“Das Festival ‘Petersburg. Bulgakows Raum’ wurde vom Jugendtheater an der Fontanka und der Theaterbibliothek initiiert. Mehr als 40 Organisationen beteiligen sich. Auch außergewöhnliche Museen sind dabei: Das Militärmedizinische Museum erinnert an Bulgakow als Arzt, während das Brotmuseum eine interaktive Führung unter dem Titel ‘Notizen auf Servietten: Wie man richtig isst’ entwickelt hat – basierend auf der Biografie und dem literarischen Erbe des Autors.”

Sankt Petersburg feiert Bulgakow als Dramatiker mit großem Aufwand: Über ein Dutzend Theater der Stadt haben zum Jubiläum Inszenierungen seiner Stücke und Werke auf die Bühne gebracht. “Morphium”, “Theatralischer Roman”, “Die Kabale der Scheinheiligen” und “Don Quijote” sind nur eine unvollständige Liste der Bulgakow-Produktionen, die in diesen Tagen in der nördlichen Hauptstadt zu sehen sind.

Auch auf dem Sender “Mosfilm. Goldene Sammlung” gibt es einen Filmmarathon zu Ehren des Meisters. Gezeigt werden Verfilmungen seiner Werke – darunter einige, die Jahre der Zensur zum Opfer fielen und nie das Publikum erreichten.

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