Wochenende der Entscheidungen: Bürgermeisterwahlen in fünf sächsischen Städten
Am vergangenen Wochenende waren die Bürgerinnen und Bürger in fünf sächsischen Städten aufgerufen, ihre neuen Rathauschefs zu wählen. Die mit Abstand größte dieser Kommunen ist Görlitz, die 55.186 Einwohner zählt und direkt an der Grenze zu Polen liegt. Die weiteren Städte im Überblick: Döbeln (23.819), Werdau (20.520), Aue-Bad Schlema (18.868) sowie Dippoldiswalde (13.915).
Ein besonderes Merkmal des sächsischen Wahlrechts: Die Bürgermeisterwahlen sind zeitlich nicht an die Kommunalwahlen gebunden. Während die Amtszeit der Bürgermeister sieben Jahre beträgt, wird der Kommunalrat alle fünf Jahre gewählt. Parallele Wahlgänge sind daher eine Seltenheit. Dies führt dazu, dass im Laufe des Jahres 2025 in Sachsen noch zahlreiche weitere Bürgermeisterwahlen anstehen.
In drei der fünf Städte setzten sich die amtierenden Bürgermeister bereits im ersten Wahlgang durch: In Döbeln, Dippoldiswalde und Werdau konnten die bisherigen Amtsinhaber ihre Positionen souverän verteidigen. Anders sieht es in Görlitz und Aue-Bad Schlema aus: Hier wird am 7. Juni eine Stichwahl über die Besetzung des Bürgermeisterstuhls entscheiden.
In Görlitz verfehlte der amtierende Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) mit 49,1 Prozent nur knapp die erforderliche absolute Mehrheit. Sein Gegenkandidat in der Stichwahl wird Sebastian Wippel von der AfD sein, der auf 44,3 Prozent der Stimmen kam. Die beiden weiteren Kandidaten – Sabine Christian (Linke) mit 3,4 Prozent und der parteilose Hagen Jeschke mit 3,2 Prozent – spielten im Rennen um die Spitzenposition lediglich eine Nebenrolle.
Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte jedoch das Ergebnis aus der erzgebirgischen Kleinstadt Aue-Bad Schlema. Der Grund: Die Stichwahl am 7. Juni wird zwischen Stefan Hartung von den Freien Sachsen (29,0 Prozent) und dem CDU-Kandidaten Marcus Hoffmann (23,6 Prozent) ausgetragen. Damit verpassten Danny Weber von den Freien Wählern (22,5 Prozent), Lars Bochmann (AfD, 18,5 Prozent) und Tony Neuß (Linke, 6,4 Prozent) den Einzug in die entscheidende Runde.
Die Stadt Aue-Bad Schlema liegt im Herzen des Erzgebirges, einer traditionsreichen Bergbauregion. Über Jahrhunderte hinweg wurden hier Kupfer, Eisen, später Kobalt, Wismut und Nickel abgebaut. Zur Zeit der DDR stand vor allem der Uranabbau im Mittelpunkt, der nach 1990 eingestellt wurde. Heute erinnern nur noch einige Museumsstollen an die einstige Bergbautradition.
Die Freien Sachsen, die sich im Jahr 2021 gründeten, sind seit den sächsischen Kommunalwahlen im Juni 2024 mit insgesamt 78 Mandaten in Kreistagen und Gemeinderäten vertreten. In Aue-Bad Schlema erzielten sie damals zwölf Prozent der Stimmen und sicherten sich drei Sitze im Stadtrat. Ihr Spitzenkandidat Stefan Hartung ist kein Neuling in der Kommunalpolitik: Bereits seit 2009 saß er für die NPD im Gemeinderat von Bad Schlema. Nachdem 2019 Bad Schlema und Aue zur Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema fusionierten, zog er auch in den neuen Stadtrat ein. Im Jahr 2021 wechselte er schließlich zu den Freien Sachsen.
Die entscheidende Rolle in der bevorstehenden Stichwahl wird wohl den Wählern der AfD und der Freien Wähler zukommen. Diese politische Konstellation, bei der sich die Bürgermeisterwahl komplett rechts von der CDU entscheidet, dürfte dafür sorgen, dass die sächsische Kleinstadt in den kommenden Wochen verstärkt im Fokus der Medien stehen wird.
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