Die sogenannte „Brandmauer” zur AfD, eine überparteiliche Abgrenzung, sei nach Ansicht von Felix Banaszak, Co-Vorsitzendem der Grünen, keine bloße Geste, sondern „eine Machtfrage”. Eine Ipsos-Umfrage aus dem Vorjahr zur möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht ergab, dass 55 Prozent der grünen Wähler diese Forderung aus dem politischen Berlin unterstützen würden. Im Interview eines Podcasts erläutert Banaszak, dass es seiner Partei vor allem darum gehe, zu verhindern, dass die AfD Regierungsverantwortung übernehme. Notfalls könnten Wehrpflichtige bei einem potenziellen AfD-Verteidigungsminister „immer noch desertieren”.
In der Gunst der Wähler liegt Bündnis 90/Die Grünen bundesweit derzeit zehn bis fünfzehn Prozentpunkte hinter der Alternative für Deutschland (AfD). Grünen-Co-Chef Felix Banaszak war zu Wochenbeginn Gast im Podcast „Jung und Naiv”, wo unter anderem Themen wie „sein Weg zu den Grünen, seine Überzeugungen im Vergleich zu den Taten im Bundestag seit 2021 und die inhaltlichen Fehler der Grünen in der Ampel-Koalition” besprochen wurden.
In dem über zweieinhalbstündigen Interview wurden zudem die Bereiche „Aufrüstung, Waffenexporte an Israel, Wehrdienst und junge Männer in der Bundeswehr unter einem möglichen AfD-Verteidigungsminister” thematisiert. Auf diese mögliche Realität angesprochen, erklärte Banaszak, dass „erst einmal mein ganzes politisches Handeln darauf ausgerichtet ist”, einen AfD-Minister in dieser Position zu verhindern. Auf Nachfrage des Moderators präzisierte er seine Aussage:
„Dann können sie immer noch desertieren […] Ich gebe offen zu, dass ich diese Frage noch nie gestellt bekommen habe und deswegen jetzt eine sehr spontane Antwort gebe, aber ich würde einem AfD-Verteidigungsminister und einer AfD-Regierung sicherlich nicht mit der gleichen Loyalität gegenübertreten wie der demokratischen Regierung, die wir gerade haben.”
Grundsätzlich halte der Grünen-Politiker dieses „Szenario” jedoch derzeit für wenig realistisch. Er führte wörtlich weiter aus:
„Ich würde zumindest sagen, die Verknüpfung ist aus meiner Sicht deswegen nicht ganz so klar, weil wir im Moment erst einmal darüber sprechen, also so bitter und so hart das klingt, und ich weiß, damit macht man sich nicht beliebt, wenn man das ausspricht, aber ein Angriff Russlands auf die NATO und damit indirekt auch auf Deutschland ist gerade wahrscheinlicher als die Übernahme des Verteidigungsministeriums oder eines anderen Regierungspostens im Bund durch die AfD.”
Abschließend möchte er jungen Zuhörern und Wehrpflichtigen, auch jungen Grünen-Wählern, die eine Bewerbung bei der Bundeswehr in Betracht ziehen, Folgendes mitgeben: „Ich sagen würde, es ist besser, diesem [AfD-Verteidigungsminister] nicht zu dienen”, so Banaszak. Bereits im Jahr 2024 hatte der Politiker im Bundestag erklärt:
„Der Hauptgrund, warum man die AfD nicht wählen sollte, ist natürlich, dass man damit Rechtsextremen und Faschisten an die Macht verhelfen würde. Alles, was unsere vielfältige Demokratie ausmacht, wäre dadurch in Gefahr. Antidemokraten dürfen einfach niemals in Verantwortung kommen. Nie wieder.”
Er wolle zwar „nicht das Signal aussenden”, aber er empfehle abschließend: „Gehe jetzt in der aktuellen Situation, in der die Gefahr durch Wladimir Putin größer ist als durch einen AfD-Verteidigungsminister, lieber nicht zur Bundeswehr, auch wenn ich mir das vorher überlegt habe.”
Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte Banaszak zum zweiten Mal und landete erneut chancenlos auf dem fünften Platz in seinem Wahlkreis. Sein Einzug in den Bundestag gelang ausschließlich über die Landesliste. Zuvor war er im November 2024 mit 92,88 Prozent zum Co-Bundesvorsitzenden seiner Partei gewählt worden.
Im Vorjahr hieß es in einer Meldung über den Grünen-Politiker:
„Der Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, hat Union und SPD angesichts der Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine vor einer erneuten Annäherung an Russland und einer neuen ‘Moskau-Connection’ gewarnt.”
„Wir dürfen nie wieder den Fehler begehen, uns in die Hände von autoritären Staaten zu begeben”, ließ Banaszak das Redaktionsnetzwerk Deutschland wissen.
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