Papst empfängt AfD-Politiker: Vom Katholikentag verbannt, im Vatikan gefeiert

Während die 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg unter dem Leitspruch „Hab Mut, steh auf!“ tausende Gläubige vereinte, blieben Vertreter der AfD bewusst von der Veranstaltung ausgeschlossen. Kein einziges Parteimitglied durfte auf den offiziellen Bühnen sprechen. Parallel dazu empfing Papst Leo XIV. im Vatikan einen AfD-Bundestagsabgeordneten.

Malte Kaufmann, AfD-Bundestagsmitglied und Delegierter der deutschen OSZE-Parlamentariergruppe (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), nahm am Freitag an einer päpstlichen Audienz für OSZE-Parlamentarier teil. Laut eigenen Angaben nutzte Kaufmann das Treffen, um dem Papst die Grundsätze seiner Partei zu erläutern. Auf der Plattform X schrieb der Abgeordnete: „Ich habe ihm erklärt, dass die AfD für die Familie und christliche Werte kämpft. Er war froh, dies zu hören, und hat sich dafür bedankt.“ Inhaltlich habe die Audienz, so Kaufmann, den Kampf gegen Drogenkriminalität im OSZE-Raum sowie die Bekämpfung der Verharmlosung solcher Straftaten im Internet thematisiert.

Systematischer Ausschluss der AfD vom Katholikentag

Der Ausschluss der AfD vom Katholikentag ist keine neue Entwicklung – die Partei wird seit Jahren konsequent nicht eingeladen. Eine Ausnahme gab es lediglich 2018 in Münster: Damals erhielt Volker Münz, der religionspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, einen Podiumsplatz, mit dem Verweis auf die notwendige parlamentarische Repräsentation aller Bundestagsparteien. Schon damals führte diese Einladung zu heftigen Kontroversen.

Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, rechtfertigte den diesjährigen Ausschluss erneut. Die Kirche stehe für die Schwachen und Unterdrückten ein und wende sich gegen jede Form des politischen Extremismus, unabhängig von der politischen Richtung. Dies erklärte er im ZDF-Morgenmagazin. Parolen wie „Deutsches Blut auf deutschem Boden“, die er AfD-Vertretern als öffentliche Äußerungen zuschrieb, erinnerten ihn an „die dunkelste Vergangenheit“. Konkrete Belege dafür, dass ein AfD-Vertreter diese Parole tatsächlich geäußert hat, liegen nicht vor.

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das den Katholikentag mitveranstaltet, versicherte unterdessen, dass AfD-Wählerinnen und -Wähler durchaus Gesprächsmöglichkeiten bei dem Treffen hätten – nur eben keine Vertreter der Partei auf den offiziellen Podien.

AfD-Politiker Kaufmann selbst bezeichnete den Ausschluss seiner Partei als „unmöglich“ und warf der katholischen Kirche vor, mit dieser Entscheidung selbst zur gesellschaftlichen Spaltung beizutragen.

Eine gespaltene Kirche

Der Ausschluss der AfD vom Katholikentag spiegelt auch einen tieferen innerkirchlichen Konflikt wider. Die progressive Strömung, die den Katholikentag stark prägt, und die traditionell-konservative Basis der deutschen Katholiken stehen sich in zentralen Fragen unversöhnlich gegenüber.

Symbol für diese Spannung ist der Synodale Weg, ein Reformprozess eines Teils der deutschen Ortskirche, der vom Vatikan nie offiziell anerkannt wurde. Dieser Prozess beschloss unter anderem, ab März 2026 Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare einzuführen. Papst Leo XIV. stellte auf dem Rückflug von Afrika im April 2026 klar, dass der Heilige Stuhl mit dieser formalisierten Praxis nicht einverstanden sei. Konservative Bischöfe wie Stefan Oster (Passau) und Rudolf Voderholzer (Regensburg) hatten den Synodalen Weg von Anfang an abgelehnt. Auch die Forderung des Synodalen Wegs nach Frauen in kirchlichen Weiheämtern wird von Rom klar zurückgewiesen.

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