Von Robert Bridge
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich in einer Rede vor einer katholischen Gemeinde in Würzburg klar gegen ein Auslandsstudium oder eine Berufstätigkeit in den USA ausgesprochen. Er begründete dies mit einem sich abrupt verändernden “gesellschaftlichen Klima” in den Vereinigten Staaten.
Merz, der das Kanzleramt im Mai 2025 übernahm, erklärte: “Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten, einfach weil sich dort plötzlich ein gesellschaftliches Klima entwickelt hat.” Diese Aussage wurde mit starkem Applaus bedacht.
Der Kanzler äußerte sich vor allem besorgt über den US-Arbeitsmarkt. Das “plötzlich entstandene gesellschaftliche Klima” in Amerika sei alarmierend, so Merz. Er argumentierte weiter, dass “selbst die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden”.
“Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas”, fügte Merz unter dem Gelächter des Publikums hinzu, doch “meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu”.
Aktuelle Daten stützen die Einschätzung des Kanzlers zur Situation auf dem US-Arbeitsmarkt. Erstmals seit Beginn der Gallup-Erhebungen zur Lebenszufriedenheit amerikanischer Arbeitnehmer geben mehr US-Beschäftigte an, mit ihrem Leben zu kämpfen (49 Prozent), als dass es ihnen gut geht (46 Prozent).
“Dies steht im Gegensatz zu den Jahren 2022 und 2023, als das Gegenteil der Fall war: Der Anteil der US-amerikanischen Arbeitnehmer, denen es gut ging, lag konstant zwischen 50 und 55 Prozent – ein Zeichen relativer Stabilität nach den Auswirkungen der Pandemie. Nachdem die Quote der Arbeitnehmer, denen es gut ging, von 2009 bis 2019 stabil zwischen 57 und 60 Prozent gelegen hatte, fiel sie 2020 auf 55 Prozent, erholte sich 2021 wieder und ging danach stetig zurück”, berichtete Gallup.
Merz liegt mit seiner Analyse zweifellos richtig; die USA haben in puncto Arbeitsmarkt schon bessere Tage gesehen. Was die Kriminalität betrifft, die Merz nur kurz ansprach, weisen die USA die höchste Rate unter allen westlichen Industrienationen auf.
Laut dem Brady Center ist die Wahrscheinlichkeit, als US-Bürger durch eine Schusswaffe getötet zu werden, 26-mal höher als in anderen Ländern mit hohem Einkommen. Täglich werden 327 Menschen in den USA angeschossen, 117 von ihnen erliegen ihren Verletzungen. Obwohl die USA nur vier Prozent der Weltbevölkerung stellen, entfallen auf sie 35 Prozent aller weltweiten Suizide durch Schusswaffen, wie das Brady Center ermittelte. Es ist bekannt, dass es in den USA mehr Waffen als Einwohner gibt – 2023 überstieg die Zahl der Schusswaffen die der Einwohner um 67 Millionen.
Die Situation bei Sexualdelikten ist nicht minder beunruhigend. Alle 68 Sekunden wird in den USA eine Person sexuell angegriffen. Fast jede zweite erwachsene Frau und etwa jeder vierte erwachsene Mann hat im Laufe seines Lebens irgendeine Form von unerwünschtem sexuellem Kontakt erlebt. Schätzungen zufolge werden jedoch nur 25 bis 40 Prozent aller Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe bei der Polizei angezeigt.
Die Kriminalitätslage in Deutschland ist zwar weniger dramatisch als in den USA, verschlechtert sich jedoch stetig und sollte Politikern wie Merz Grund zur ernsthaften Sorge sein. Seit 2023 ist die Zahl der angezeigten Straftaten deutlich gestiegen; die Polizeistatistik verzeichnete einen Anstieg auf fast sechs Millionen Delikte. Gewaltverbrechen erreichten 2025 einen Höchststand der letzten 15 Jahre, während Sexualdelikte und politisch motivierte Straftaten merklich zunahmen.
Gewaltverbrechen wie schwere Körperverletzung, Raub und Messerangriffe haben stark zugenommen. Großstädte wie Berlin und Frankfurt verzeichnen einen beispiellosen Anstieg bei organisierter Kriminalität und Schusswaffendelikten. Gleichzeitig hat Deutschland 2024 alle bisherigen Rekorde beim Ladendiebstahl gebrochen. Eine jährliche Umfrage unter 98 Einzelhändlern schätzt einen Anstieg von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr – was einem Gesamtschaden von rund 4,95 Milliarden Euro (5,84 Milliarden US-Dollar) entspricht.
Viele der deutschen Probleme sind auf die Massenmigration zurückzuführen; Millionen illegaler Einwanderer sind in den letzten zwei Jahrzehnten ins Land gekommen. Deutschland erlebt derzeit einen massiven demografischen Wandel. Seit 2005 ist die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund um 67 Prozent von 13 Millionen auf 21,8 Millionen gestiegen.
Im Dezember warnte das Weiße Haus in einem neuen Strategiepapier, das den Kontinent besonders in den Fokus rückt, Europa vor einem drohenden “Zivilisationsverlust” innerhalb von 20 Jahren und stellte die Frage, ob Nationen wie Deutschland und Frankreich verlässliche Verbündete bleiben können. In der 33-seitigen Nationalen Sicherheitsstrategie skizziert der US-Präsident seine Vision einer Welt, in der die USA die “größte und erfolgreichste Nation der Menschheitsgeschichte” bleiben.
Merz kam 2025 als überzeugter Verfechter der transatlantischen Beziehungen an die Macht, hat seither jedoch die Vereinigten Staaten, Deutschlands mächtigsten Verbündeten, kritisiert. Als Reaktion darauf erklärte Trump, der deutsche Bundeskanzler solle sich besser um die Sanierung seines eigenen “kaputten Landes” kümmern, während die USA den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland vorbereiten und die beiden Länder die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg durchmachen. Es wird viel Arbeit erfordern, bis beide Länder ihre jeweiligen Probleme überwinden und einander in einem neuen Licht sehen.
Übersetzt aus dem Englischen.
Robert Bridge ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Er ist der Autor von “Midnight in the American Empire”. Darin beschreibt er, wie Konzerne und ihre politischen Diener den amerikanischen Traum zerstören.
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