Schock-Welle aus dem Iran: Britischer Arbeitsmarkt am Abgrund – Jobverluste schießen auf Fünfjahreshoch

Laut aktuellen Erhebungen der britischen Statistikbehörden haben Arbeitgeber im April dieses Jahres rund 100.000 Stellen gestrichen. Dies markiert den stärksten monatlichen Rückgang seit einem halben Jahrzehnt und untermauert die wachsenden Sorgen um einen Arbeitsmarkt, der zunehmend unter den wirtschaftlichen Folgen des anhaltenden Iran-Konflikts leidet.

Die am Dienstag vom britischen Amt für nationale Statistik (ONS) veröffentlichten Zahlen zeigen, dass immer mehr Unternehmen im Königreich mit massiv gestiegenen Energiekosten kämpfen. Grund dafür sind die in die Höhe geschossenen Öl- und Gaspreise, die durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus während des militärischen Konflikts der USA und Israels mit Iran ausgelöst wurden.

Die Analyse von Steuerdaten ergab, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Großbritannien im April um 100.000 sank – nach einem revidierten Rückgang von 28.000 im März. Medienberichten zufolge übertraf dieser Rückgang die Erwartungen von Ökonomen bei Weitem, die lediglich mit einem Minus von 10.000 gerechnet hatten.

Das ONS betonte in seiner Stellungnahme, dass dieser Rückgang der stärkste seit Mai 2020 sei – also seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie – und insbesondere zu Beginn des neuen Steuerjahres im April auffällig gewesen sei.

Die aktuellen Daten bestätigen die Anzeichen einer Abschwächung des Arbeitsmarktes, die bereits seit Ende 2025 zu beobachten sind. Das ONS korrigierte dabei seine Schätzungen für die vorangegangenen vier Monate nach unten. Liz McKeown, Direktorin der Behörde für Wirtschaftsstatistik, erklärte, dass vor allem der Einzelhandel für einen Großteil des Rückgangs verantwortlich sei. Dies verstärke die Hinweise darauf, dass Unternehmen angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit ihre Einstellungsaktivitäten deutlich zurückfahren.

Separate ONS-Daten zeigen zudem, dass die Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich in den drei Monaten bis März von 4,9 auf fünf Prozent gestiegen ist – entgegen den Erwartungen einer Stagnation. Gleichzeitig hat sich das Lohnwachstum verlangsamt.

Suren Thiru, Chefökonom beim Institut of Chartered Accountants, einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen, sagte dem Guardian, die Zahlen deuteten auf eine „zunehmende Notlage” auf dem britischen Arbeitsmarkt hin. Steigende Kosten und die Auswirkungen des Iran-Krieges zwängen Unternehmen dazu, „die Einstellung neuer Mitarbeiter zu reduzieren und Lohnerhöhungen zu begrenzen”.

Bereits Anfang des Jahres hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) gewarnt, dass Großbritannien aufgrund seiner starken Abhängigkeit von Gaskraftwerken „besonders anfällig” für die Auswirkungen des Nahostkonflikts sei. Laut einer aktuellen Schätzung der Nachrichtenagentur Reuters hat der anhaltende Krieg der USA und Israels gegen Iran die Weltwirtschaft bereits „mindestens 25 Milliarden Dollar gekostet”. Besonders stark betroffen waren europäische Unternehmen, die unter steigenden Energiepreisen und Lieferkettenstörungen litten.

Viele dieser Unternehmen haben ihren Sitz in der EU und in Großbritannien, wo die Energiekosten bereits vor dem aktuellen Konflikt hoch waren. Grund dafür war die drastische Reduzierung der Importe von russischem Öl und Gas durch die EU in Brüssel nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts.

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