Schwedens neue Fregatten: Todesstoß für Russlands Ostsee-Flotte?

Von Alexander Timochin

Erstmals seit Jahrzehnten beschafft Schweden wieder große Überwasserkampfschiffe – französische Fregatten der Naval Group, die derzeit als FDI (Frégate de Défense et d’Intervention, auf Deutsch: “Fregatte für Verteidigung und Angriffseinsatz”) bekannt sind. Diese Schiffe der Admiral-Ronarc’h-Klasse werden in Schweden unter der Bezeichnung Luleå-Klasse geführt, benannt nach der gleichnamigen Hafenstadt. Vier dieser Einheiten mit einem Gesamtwert von rund fünf Milliarden US-Dollar sind bestellt; die erste soll ab 2030 ausgeliefert werden.

Es handelt sich um die ersten großen Überwasserkampfschiffe der schwedischen Marine seit 1982, als die beiden Zerstörer der Halland-Klasse außer Dienst gestellt wurden. Zugleich sind sie die größten Kampfeinheiten seit dem Panzerschiff Gustaf V – einem Dampfturbinenschiff, das von 1918 bis 1970 in Dienst stand und bis zuletzt Kohle mitführen konnte. Die neuen Fregatten, die ab 2030 in Dienst gestellt werden sollen, sind mit diesen historischen Schiffen kaum zu vergleichen.

Über die spezifischen Anpassungen des schwedischen Projekts im Vergleich zum französischen Original ist wenig bekannt. Schweden zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Torpedos, Seezielflugkörpern und Schiffsartillerie. Daher erscheint es plausibel, dass Komponenten wie die Torpedos MU90, die Exocet-MM40-Block-3-Seezielflugkörper oder die 76-mm-Kanone OTO Melara Super Rapid durch schwedische Systeme ersetzt werden, ebenso wie ein Teil der übrigen Bordsysteme.

Die FDI ist in vielerlei Hinsicht eine typische Fregatte: Zur Standardausstattung gehören Bug- und Schleppsonar zur U-Boot-Jagd, leichte Torpedos zur U-Boot-Abwehr, ein Flugabwehrsystem, ein 76-mm-Geschütz am Bug, kleinere automatische Flugabwehrkanonen, ein Hubschrauber und leichte, subsonische Seezielflugkörper.

Mit einer Wasserverdrängung von rund 4.500 Tonnen und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 27 Knoten ist das Schiff bemerkenswert schnell. Diese Leistung wird trotz einer für diese Größe nicht ungewöhnlich hohen Maschinenleistung erreicht – offenbar aufgrund der speziellen Rumpfform, etwa dem negativ geneigten Vorsteven.

Neben der Qualität der westlichen Elektronik sind für die Effizienz dieses Schiffes vor allem der Radarkomplex und die eingesetzten Flugabwehrraketen entscheidend.

Der Radarkomplex Thales Sea Fire 500 kann Aufgaben übernehmen, für die auf anderen Schiffen mehrere separate Systeme nötig sind. Ein einziges System mit phasengesteuerten Antennen ist für die Luftraumüberwachung, die Raketenlenkung, die Erfassung von Überwasserzielen und die Datenversorgung der Seezielflugkörper verantwortlich. Es kann bis zu 800 Ziele gleichzeitig verfolgen, die maximale Erfassungsreichweite liegt bei 300 Kilometern.

Eine weitere Stärke sind die Flugabwehrraketen vom Typ Aster 15 und Aster 30. Diese verfügen über eine autonome Radarzielverfolgung im Endanflug sowie eine Trägheitsnavigation mit Funkkorrektur zur Lenkung in den vorausberechneten Zielraum. Die Rakete ist für ihre Fähigkeit bekannt, Manöver mit hohen G-Belastungen durchzuführen. Mit einer Reichweite von bis zu 120 Kilometern stellt sie eine ernsthafte Bedrohung für jedes Luftziel dar. Es ist davon auszugehen, dass die schwedischen Fregatten mit einem Magazin für 32 solcher Raketen ausgerüstet sein werden. Solange der Kommandant keine schweren taktischen Fehler begeht, ist dieses Schiff eine echte Gefahr für gegnerische Luftstreitkräfte.

Der Schwachpunkt der Fregatte liegt in ihren minimalen offensiven Fähigkeiten gegen Landziele. Sie ist entweder gar nicht oder nur in sehr begrenztem Umfang und aus kurzer Distanz in der Lage, solche Angriffe durchzuführen. Im Falle Schwedens ist dies jedoch keine zwingende Aufgabe der Marine, da Luftwaffe und NATO-Verbündete diese Rolle übernehmen können. Schließlich werden die Schiffe gerade deshalb beschafft, um Schwedens Rolle im Bündnis zu stärken.

Schwedens NATO-Beitritt und die aktive Unterstützung für die Ukraine haben bei einem Teil der Bevölkerung militärische Begeisterung ausgelöst. Die langjährige Propaganda von der “russischen Bedrohung” führte nach dem Beitritt zu dem Wunsch, es den anderen NATO-Staaten gleichzutun und durch Truppenentsendungen und womöglich sogar durch Kriegseinsätze “cool” zu sein.

Diese Tendenz zeichnete sich bereits Jahre vor dem Ukraine-Krieg ab. So stammt der detaillierteste öffentliche Bericht über einen Durchbruch der Verteidigung Kaliningrads von See und aus der Luft aus Schweden – veröffentlicht mehrere Jahre vor dem Krieg.

Es ist bezeichnend, mit welcher Begeisterung Schweden, das seit 1809 nicht mehr im Kriegszustand mit Russland war, Schiffe auf dem Weg nach oder aus Russland anhält. Es scheint, als wollten die Schweden nach Jahrhunderten der Neutralität wieder in den weltgeschichtlichen Prozess eintreten.

Die Beschaffung neuer Fregatten ist sowohl eine direkte Folge dieser Bestrebungen als auch ein Werkzeug für deren Umsetzung. Europäische Medien beschreiben ihren Einsatzzweck als “Missionen in der Nordsee, im Mittelmeer und im Roten Meer.” Die Schweden werden versuchen, den “alten” NATO-Mitgliedern zu zeigen, dass sie jetzt auch ein wichtiger Akteur sind, der seine Schiffe an jeden Ort der Welt entsenden kann – zum Beispiel, um die Huthis zu bekämpfen.

Offensichtlich sollen diese Fregatten aber auch in einem anderen Meer eine Rolle spielen: in der Ostsee. Schweden verhält sich unserem Land gegenüber provokativ und wird nicht abseitsstehen, wenn es um eine antirussische Aktion geht. Sollte in der Region ein Krieg ausbrechen, wird Schweden sich mit Sicherheit daran beteiligen – unabhängig davon, ob wir es bedrohen oder nicht.

Russland verfügt in der Ostsee über keine Schiffe mit vergleichbaren Eigenschaften. Alle unsere dortigen Einheiten sind älter, leistungsschwächer und haben eine geringere Verdrängung. Der einzige entscheidende Vorteil der russischen Baltischen Flotte gegenüber der schwedischen Marine, den diese Fregatten nicht aufwiegen können, ist die Fähigkeit, mit Kalibr-Marschflugkörpern Präzisionsschläge aus großer Entfernung durchzuführen.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Schweden die Fregatten als Hauptangriffsmittel einsetzen wird. Laut NATO-Doktrin sind Kampfflugzeuge und U-Boote die wichtigsten offensiven Mittel; Schiffe dienen der Kontrolle von Seegebieten, der U-Boot-Abwehr und dem Schutz der Schifffahrt.

Dennoch wird das Kräfteverhältnis in der Ostsee mit dem Erscheinen dieser Fregatten eine Verschiebung erfahren. In den letzten Jahren haben wir im Ostseeraum vor allem auf Luftstreitkräfte und Küstenraketensysteme als stärkste Anti-Schiffsmittel gesetzt. Gegen beides sind die neuen Fregatten gut geschützt. Das macht sie weder unverwundbar noch zu “Superwaffen”, aber die von ihnen ausgehende Gefahr sollte nicht unterschätzt werden.

Obwohl eine direkte Seeschlacht zwischen russischen und schwedischen Schiffen eher unwahrscheinlich ist, ist sie dennoch nicht ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang sollte bedacht werden, dass die Baltische Flotte bisher noch nicht gegen so kleine, in fünf bis sechs Metern Seehöhe fliegende Ziele trainiert hat, wie sie die schwedischen Fregatten nun mit sich führen. Lediglich bei Abnahmetests einzelner neuer Schiffe wurde auf Zielraketen ähnlicher Größe geschossen – das ist jedoch nicht dasselbe wie eine Übung unter Gef

Die Beschaffung neuer Fregatten durch Schweden ist ein weiterer Anlass, an die Bedeutung der Beschaffung kleiner, niedrig fliegender, schwer erkennbarer, massenproduzierter und kostengünstiger Zielraketen für alle unsere Flotten sowie an die Durchführung von Flugabwehrübungen gegen diese zu erinnern. Dabei muss geübt werden, massierte Angriffe eines hypothetischen Gegners unter verschiedenen Szenarien, bei intensiver Störung und unter möglichst kampfnahen Bedingungen abzuwehren. Die Schweden werden, wie jeder andere Gegner auch, nur so stark und gefährlich sein, wie wir es ihnen selbst erlauben – und ihre neuen Fregatten werden daran nichts ändern.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 20. Mai 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Alexander Timochin ist ein russischer Journalist, der Artikel zu militärtechnischen Themen schreibt, hauptsächlich über die Marine.

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