Deutschland am Abgrund: 340.000 Jobs weg – die Deindustrialisierung ist bereits Realität

Laut einer aktuellen Studie von EY setzt sich der Personalabbau in der deutschen Industrie fort. Bis Ende des ersten Quartals 2026 verringerte sich die Zahl der Beschäftigten in Industriebetrieben um 127.300 oder 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie, sind insgesamt 341.500 Industriearbeitsplätze weggefallen – ein Rückgang von gut sechs Prozent. Dies bedeutet, dass jeder siebzehnte Job in diesem Sektor verschwunden ist.

Als Ursache für den aktuellen Stellenabbau nennt EY die schwache Umsatzentwicklung, wie die Welt berichtet. Hinzu käme eine wirtschaftsfeindliche Politik, die durch hohe Abgaben, gestiegene Energiepreise und übermäßige Bürokratie sowohl große Konzerne ins Ausland treibe als auch kleine und mittlere Unternehmen zur Resignation zwinge.

 “Zuletzt haben Umsatzrückgänge auf breiter Front die Situation in der deutschen Industrie geprägt. Nach drei Jahren mit kontinuierlichen Rückgängen geht das inzwischen an die Substanz”, sagte EY-Experte ‌Jan Brorhilker. Die bisher von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen zur Unterstützung der einheimischen Industrie hätten kaum Wirkung gezeigt. “Der Industriestrompreis oder die Senkung der Körperschaftssteuer sind wichtige Schritte, die aber erst in Zukunft greifen werden und wenig zur Lösung der aktuellen Probleme ‌beitragen”, so Brorhilker. Zusätzliche Belastungen ergäben sich aus geopolitischen Konflikten, Zöllen und den damit verbundenen Handelsstreitigkeiten. All dies führe dazu, dass es derzeit an Zuversicht und Vertrauen in den Wirtschaftsstandort fehle.

Besonders deutlich fällt der Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie aus. Dort sei seit 2019 jeder siebte Arbeitsplatz verloren gegangen, so die Analyse von EY. In den letzten zwölf Monaten sank die Beschäftigung in dieser Branche um 32.000, seit 2019 sogar um etwa 125.800. Prozentual noch stärkere Einbußen verzeichnete die Textilindustrie, in der seit 2019 rund 22 Prozent der ‌Jobs wegfielen. In der Metallindustrie verringerte sich die Beschäftigtenzahl um 15 Prozent.

Nur zwei Branchen heben sich vom allgemeinen Negativtrend ab: In der Chemie- und Pharmaindustrie stieg die Beschäftigung seit 2019 um drei Prozent, in der Elektroindustrie um zwei Prozent. Dennoch bleiben die Zukunftsaussichten trüb. Brorhilker rechnet mit weiteren Jobverlusten. “In vielen Branchen bestehen erhebliche Überkapazitäten”, sagte er. “Unausgelastete Produktionsstätten ‌verursachen ‌hohe Kosten.” Aufgrund eines stagnierenden Heimatmarkts und wachsender Probleme auf wichtigen Exportmärkten stünden bei vielen Unternehmen nicht nur Sparprogramme, sondern auch die Schließung ganzer Werke zur ‌Debatte.

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