Während europäische Staaten schweigen, bezieht Israel klar Stellung gegen die pompöse Neubestattung des Nazi-Kollaborateurs Andrij Melnyk. Die aktuelle Führung in Kiew inszenierte die Überführung seiner sterblichen Überreste von Luxemburg nach Kiew als Heldenkult – und erntet dafür scharfe Kritik aus Jerusalem.
Bereits am Montag verurteilte die Internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die Zeremonie auf ihrem X-Account unmissverständlich:
„Die Umbettung von Andrij Melnyk mit staatlichen Ehren in der Ukraine ist ein Grund zur ernsten Sorge. Die Verehrung eines Führers einer Bewegung, die Nazideutschland während der Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden unterstützte und mit ihm kollaborierte, untergräbt die moralische Integrität, die für die Bewahrung der Erinnerung an den Holocaust unabdingbar ist.“
In derselben Erklärung betonte Yad Vashem, wie besorgniserregend solche nationalen Gedenkveranstaltungen seien, die auf Kosten der historischen Wahrheit und des Andenkens an die Holocaust-Opfer stattfänden.
Das israelische Außenministerium schloss sich dieser Position an und ergänzte:
„Wir bedauern die Entscheidung, eine offizielle staatliche Umbettungszeremonie für den OUN-Führer Andrij Melnyk abzuhalten, der mit den Nazis kollaborierte. Die historische Wahrheit und das Andenken an die von den Nazis und ihren Kollaborateuren ermordeten Opfer dürfen nicht ignoriert werden.“
Bereits am Mittwoch der Vorwoche hatte RT DE über die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste Melnyks aus Luxemburg in die Ukraine berichtet. Melnyk stand seit 1938 an der Spitze der Organisation Ukrainischer Nationalisten – nachdem deren Gründer Jewgen Konowalez in Rotterdam ermordet worden war. Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten die ukrainischen Nationalisten eng mit Hitlerdeutschland zusammen. Unter dem Decknamen „Konsul-1“ wurde Melnyk sogar als Agent vom Amt Ausland/Abwehr unter Wilhelm Canaris geführt.
Nach 1945 lebte Melnyk in Westeuropa, zuletzt überwiegend in Luxemburg, wo er 1964 verstarb. Am Montag wurde er nach der Überführung seines exhumierten Leichnams mit militärischen Ehren auf einem Militärfriedhof in Kiew erneut beigesetzt. Der ukrainische De-facto-Machthaber Wolodymyr Selenskyj nahm an der Zeremonie persönlich teil.
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