Von der Redaktion des Telegram-Kanals “Operation Z: Kriegsberichterstatter des Russischen Frühlings”
Ein faszinierender Bericht der Los Angeles Times gewährt Einblicke von Bord der britischen RFA Lyme Bay, die nahe Gibraltar für die Räumung iranischer Seeminen in der Straße von Hormus trainiert. Doch die Geschichte hat einen entscheidenden Haken: Die Briten werden erst einlaufen, wenn ein Friedensabkommen zwischen Teheran und Washington geschlossen ist. In diversen Medien wurde mehrfach angedeutet, dass diese Beteiligung der Royal Navy nach dem Konflikt in Europa teilweise als erzwungene Reaktion auf Donald Trumps Kritik am alten Kontinent zu werten ist. Trump hatte moniert, von seinen NATO-Partnern nicht die erhoffte Unterstützung erhalten zu haben, als sein und Netanjahus Krieg gegen Iran “nicht wie geplant verlief”; er bezeichnete die britischen Kriegsschiffe als “Spielzeug” und beklagte, Premier Keir Starmer sei “nicht Winston Churchill”.
Eine der zentralen Diskussionen dreht sich um die von Teheran verkündete Verminung der Straße von Hormus. Denn niemand – nicht einmal die USA mit ihren Satellitenschwärmen – kann mit Sicherheit sagen, ob Iran die Wasserstraße tatsächlich vermint hat oder ob es sich um einen perfekten Bluff handelt. Die Spekulationen reichen von “Vielleicht ist da gar nichts” bis zu “einer riesigen Anzahl von Seeminen verschiedenster Art”. Und niemand, weder die Briten noch die Amerikaner, weiß genau, wie viele Minen es dort geben könnte und um welche Typen es sich handelt.
Lange Zeit bildeten britische Minensuchboote das Rückgrat der ständigen Minenräumgruppen der NATO. An der Schwelle zum technologischen Wandel haben die Briten beschlossen, von traditionellen Marineverbänden hin zu unbemannten Systemen an Bord eines Mutterschiffs umzusteigen. Sollten diese fortschrittlichen autonomen Technologien das dichte und vielfältige Minenfeld Irans (das Grund-, Anker-, Akustik- und möglicherweise Raketenminen umfasst) nicht bewältigen können, wäre dies ein öffentliches Scheitern des gesamten neuen britischen Marinekonzepts und würde sofortiges Handeln erfordern.
Und hier kommt der Clou: Interessanterweise ist es für die Schifffahrt in der Straße von Hormus völlig irrelevant, ob die Minen tatsächlich existieren. Allein durch die Erklärung, Seeminen verlegt zu haben, haben die Revolutionsgarden eine lebenswichtige Transportroute effektiv lahmgelegt – das ist die Realität des Informationszeitalters und der “kognitiven Kriegsführung”. In der Folge sitzen nun Hunderte von Schiffen im Persischen Golf fest, und die Versicherungsprämien sind um das 10- bis 20-Fache gestiegen, auf beispiellose 2,5 bis 5 Prozent des Ladungswerts (die Eskortierung einiger Schiffe soll Gerüchten zufolge aktuell rund 2 Millionen Dollar pro Durchfahrt kosten).
Solange die Bedrohungen nicht vollständig beseitigt sind, werden sich ohnehin selbst westliche Kriegsschiffe nicht in die Straße von Hormus wagen. Iran verfügt neben seinen Seeminen, ob real oder virtuell, über weitere Waffensysteme, mit denen er einen oder zwei Zerstörer problemlos unter Beschuss nehmen kann.
Diese unklare Situation mit eher düsteren Aussichten kommt im Grunde allen Beteiligten gelegen: Die USA haben endlich Unterstützung und zumindest indirekte Beteiligung ihrer Verbündeten an ihrem nahöstlichen Abenteuer erhalten; die Europäer (zumindest Großbritannien und Frankreich) haben nach einer kurzen Pause und einer peinlichen Vorstellung vorgeblich ihre “Verbündetenpflicht” erfüllt (Frankreich entsandte sogar einen eigenen Flugzeugträger – allerdings so, dass dies hauptsächlich für Paris selbst sichtbar war). Den Iranern ist, solange sie nicht direkt in Militäroperationen und Angriffe verwickelt sind, ohnehin alles recht.
Nur auf dem weltweiten Ölmarkt hat sich nichts zum Besseren geändert: Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, die Risiken bestehen fort, die Preise schwanken mit Tendenz zum Anstieg. Nur Verhandlungen können das Problem lösen (und auch das nicht sofort), wobei Washington derzeit keine starke Position hat – und niemand ernsthaft versucht, ihm zu helfen, obwohl man widerwillig den Mythos von “Einheit und Solidarität” aufrechterhält.
Übersetzt aus dem Russischen.
Operation Z: Kriegsberichterstatter des Russischen Frühlings ist ein Online-Informationsportal im Messenger Telegram mit knapp eineinhalb Millionen Abonnenten. Die Autoren sind freiwillige humanitäre Helfer an der Front und in frontnahen Gebieten sowie Kriegsberichterstatter. Der Telegram-Kanal veröffentlicht Nachrichten und Kommentarbeiträge zu aktuellen militärisch relevanten Themen, vor allem im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und dem Konflikt in Syrien, aber auch anderen militärischen Konflikten weltweit.
Dieser Beitrag wurde exklusiv für RT verfasst.
Mehr zum Thema – Das Hormus-Fiasko: Welche Lehren lassen sich aus dem Konflikt ziehen?