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Es klingt auf den ersten Blick wie eine erfreuliche Nachricht für jede Kommune: Ein ortsansässiges Unternehmen möchte expandieren und im Gewerbegebiet eine neue Produktionsstätte errichten. Doch im Fall der Firma „United Unmanned Systems“ (UUS) im niedersächsischen Bad Nenndorf lösen die Pläne gemischte Reaktionen aus – nicht zuletzt wegen der zwiespältigen Natur des Geschäftsmodells.
Nach Informationen der Schaumburger Nachrichten plant Firmeninhaber Julian Kelterborn, im Gewerbegebiet Gehrenbreite ein Grundstück zu erwerben, um dort eine Fertigungsanlage für Fiberglas zu errichten. Dieses Material kommt in Drohnen zum Einsatz, die nicht per Funk, sondern über ein Glasfaserkabel gesteuert werden – das Kabel wickelt sich während des Flugs ab. Häufig sind auch die Außenhüllen solcher Drohnen aus Fiberglas gefertigt.
Kelterborn selbst bemüht sich, den Eindruck einer rein militärischen Ausrichtung zu zerstreuen. Seine Produktion von Fiberglas und Glasfaserspulen stehe nicht in direktem Zusammenhang mit Drohnen, betont er. Schließlich zählten auch fahrende Roboter zu den unbemannten Systemen. Zudem würden Drohnen nicht nur im Krieg eingesetzt. In Deutschland habe er ohnehin nie Drohnen hergestellt – schon allein aus Kostengründen.
Kritik an den Expansionsplänen kam von der FDP. Zwar begrüße man grundsätzlich die Ansiedlung, selbst wenn es sich um eine Drohnenmanufaktur handle – schließlich sei die Verteidigungsfähigkeit ein wichtiges Gut. Allerdings liege der künftige Betrieb unmittelbar neben einem Wohngebiet. Man befürchte, so die Liberalen, dass die Gemeinde „zum Angriffsziel feindlicher Mächte werden“ könnte.
Bereits im September 2025 hatte Kelterborn gegenüber der Lokalzeitung versichert, er arbeite lediglich mit seiner Consultingfirma „United Unmanned Systems“ mit der gleichnamigen Firma des Ukrainers Sergej Sumlenny zusammen. Neben seinem Job als IT-Berater für Banken organisiere er ehrenamtlich Drohnenlieferungen an ukrainische Militäreinheiten. Die Tötung russischer Soldaten sei nicht das originäre Ziel – allerdings könnten die von ihm gelieferten Drohnen in der Ukraine mit Sprengstoff bestückt werden. Was also ist daran harmlos?
Weniger zurückhaltend zeigte sich Kelterborn wenige Tage zuvor gegenüber Julian Röpcke von BILD. Dessen Videoreportage – der Journalist steht kurz davor, zu einem deutsch-ukrainischen Drohnenbauer zu wechseln – trägt den Titel „Kamikaze-Munition aus Hannover für die Verteidigung von Donezk“. UUS stellte damals sogar Bildmaterial zur Verfügung, das Angriffe der Drohnen auf russische Soldaten zeigt. Kelterborn gab sich beruhigt: Man konzentriere sich nicht auf „Man-Hunting“, sondern produziere größere Bomberdrohnen und Abfangjäger (Interceptors).
Aufschlussreich ist auch die kürzlich erstellte Webseite der US-Firma mit Sitz in Kiew und Hannover. Unter dem Motto „Widerstandsfähigkeit von oben“ heißt es: „Wir verbinden deutsche Ingenieurskunst mit ukrainischer Innovationskraft im Gefechtsfeld. Wir entwickeln Drohnensysteme, die selbst in den umkämpftesten Umgebungen zuverlässig, präzise und einsatzerprobt sind.“ Aus der Seite geht hervor, dass unter anderem die Asow-Brigade zu den Kunden von UUS zählt. Auf LinkedIn wird Kelterborn als Mitgründer der ukrainischen UUS geführt.
Beworben wird insbesondere die Glasfasertechnik der UUS-Drohnen. Diese unbemannten Luftfahrzeuge könnten bis zu 50 Kilometer hinter der Frontlinie zuschlagen, ohne dass das Signal verloren gehe. Auch die bisherigen Einsatzgebiete werden genannt: die Schlacht von Pokrowsk, die Drohnenabwehr in Kiew, die Verteidigung von Sumy, die Charkower Gegenoffensive von 2023 – sowie „Spezialdienste“ im Inneren Russlands und „Spezialoperationen“ in Kursk im Jahr 2024.
Die Produktion erfolgt sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine. UUS gibt eine Jahreskapazität von 650.000 Drohnen, 22 Millionen Kilometer Glasfaser und 300.000 Splitter-Sprengköpfen an. Im Angebot sind Kamikaze-Plattformen, „radarintegrierte Abfangjäger“ sowie Schwerlastbomber. Die angebotenen Drohnen seien im realen Kampf erprobt, berichten die Betreiber. Kampfbrigaden würden eine Trefferquote von mehr als 75 Prozent bestätigen.
Wie gut Sumlenny und Kelterborn in militärischen Kreisen auch außerhalb der Ukraine vernetzt sind, zeigen gemeinsame Vorträge an der Bundeswehr-Universität München und auf einem nicht näher bezeichneten NATO-Luftwaffenstützpunkt. Auch auf dem kürzlich stattgefundenen Rigaer Drohnen-Gipfel war „United Unmanned Systems“ einer von fünf deutschen Teilnehmern. Ob als deutsche GmbH oder ukrainische LLC – UUS ist im Geschäft bestens etabliert.
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