Militärbischof zieht über Wehrdienstverweigerer her: „Nur nehmen, ohne zu geben“ – Skandalöse Trittbrettfahrer-Rhetorik empört

Der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg, der zugleich Mitglied des Deutschen Ethikrates ist, setzt sich im Rahmen der sogenannten Zeitenwende verstärkt für Wehrdienst und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit ein. Seine Botschaft verbreitet er bei Visitationsreisen, in Interviews und Vorträgen. Eine Station dieser Aktivitäten ist Hamburg: In der Hauptkirche St. Michaelis wird Felmberg am 4. Juni einen Vortrag zur christlichen Friedensethik halten. Dabei will er erörtern, wie sich die Militärseelsorge an die veränderte Sicherheitslage in Europa anpassen muss.

Wie aus der Ankündigung hervorgeht, will der Bischof „auch die Anforderungen und Gefahren einer möglichen Landes- und Bündnisverteidigung in den Blick nehmen”. Die evangelische Militärseelsorge müsse sich darauf vorbereiten, insbesondere in Zeiten existenzieller Not sei seelischer Beistand unverzichtbar. Zu den angekündigten Gästen zählen neben Militärangehörigen und Kirchenvertretern auch Kapitän zur See Kurt Leonards, der kürzlich als Kommandeur des Landeskommandos Hamburg in den Schlagzeilen stand.

In der gastgebenden Nordkirche ist die Diskussion um den reaktivierten Wehrdienst beziehungsweise die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht besonders relevant. Schon vor der Veranstaltung machte Felmberg deutlich, dass er für Totalverweigerer wenig Verständnis aufbringt.

Junge Menschen müssten sich grundsätzlich fragen, wie sie zur Demokratie stünden. Erst danach komme die Frage, in welcher Form sie bereit seien, „für unsere demokratischen Grundrechte” einzutreten. Das könne im äußersten Fall bedeuten, „diese Freiheit zu verteidigen”.

Wer den Kriegsdienst verweigere, nehme in Kauf, „dass andere für diese Freiheit und Demokratie im Fall der Fälle ihr Leben” riskierten, so der hohe Militärgeistliche. Den Verweigerern unterstellte er eine teils fragwürdige Motivation: „Und wenn es wirklich Gewissensgründe sind und nicht gewisse Gründe, die mir den Dienst an der Waffe nicht erlauben, dann muss ich mir die Frage beantworten, wo mein Platz ist, diese Gesellschaft resilient zu machen.” Welche „gewissen Gründe” er damit meinte, ließ Felmberg offen.

Weiter führte Felmberg aus, man müsse sich fragen, „ob ich die eigene Lebensplanung mit dem Eintreten für eine wehrhafte Demokratie verbinde oder ob ich nur nehmen möchte und nicht zum Geben bereit bin”. Angesichts der Brutalität des „russischen Angriffskrieges auf die Ukraine” bedeute das biblische Gebot „Du sollst nicht töten” letztlich auch: „Du sollst nicht zulassen, dass gemordet wird.” Unterwerfung unter einen Aggressor sei ein ungerechter Friede. Er beobachte jedoch, dass die Deutschen die Bedrohungslage weiterhin verdrängten.

Was Felmberg in seinen Ausführungen nicht erwähnt: In Zeiten der Kriegstüchtigkeit ist der zivile Ersatzdienst oft keine wirkliche Alternative. Blaulichtorganisationen wie das Technische Hilfswerk oder der Malteser Hilfsdienst sind im sogenannten Operationsplan Deutschland fest eingeplant – Stichwort „Gesamtverteidigung” und „zivil-militärische Zusammenarbeit”. Sie würden im Ernstfall den Truppentransport Richtung Osten unterstützen.

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