Armenien sucht neue Exportmärkte: Unterstützung für Landwirte angesichts russischer Importbeschränkungen
Im Zuge eines Handelskonflikts mit Russland plant Armenien, neue Absatzmöglichkeiten für seine Agrarprodukte zu erschließen und gleichzeitig die betroffenen Landwirte finanziell zu entlasten. Diese können ihre Waren vorerst nicht mehr nach Russland exportieren. Ministerpräsident Nikol Paschinjan kündigte in einem auf Facebook veröffentlichten Wahlkampfvideo Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaftsbetriebe an. Vor der bevorstehenden Parlamentswahl am 7. Juni beschrieb der Regierungschef die Lage seines Landes mit folgenden Worten:
“Derzeit befinden wir uns an einem strategischen Wendepunkt. Es geht um die Zukunft unseres Staates, unserer Republik und die Schaffung einer qualitativ anderen Staatsform.”
Paschinjan erklärte, dass er persönlich beziehungsweise seine Regierung beispielsweise die Paprikaproduzenten entschädigen werde, deren Erzeugnisse aufgrund des russischen Importstopps verderben. Er zeigte sich zuversichtlich, dass durch diese Subventionen die Paprikaproduktion in Armenien sogar einen Aufschwung erleben könnte. Auf die Klagen der Bevölkerung über steigende Lebensmittelpreise eingehend, äußerte der Premier die Hoffnung, dass die Preise für Obst und Gemüse zumindest leicht sinken könnten, bedingt durch das russische Importverbot.
Weiterhin betonte Paschinjan, dass seine Regierung bereits aktiv nach neuen Absatzmärkten für armenische Waren suche. Die Diversifizierung der Exporte habe oberste Priorität. Mehrere Wirtschaftsdelegationen seien bereits ins Ausland gereist und es lägen bereits konkrete Angebote für den Export von Rosen, Obst und Gemüse vor.
Ende Mai hatte die russische Agraraufsichtsbehörde Rosselchosnadsor die Einfuhr von Tomaten, Gurken, Paprika, Blattgemüse und Erdbeeren aus Armenien gestoppt. Später wurde ein ähnliches Einfuhrverbot für Weintrauben, Kirschen, Aprikosen, Pflaumen und Pfirsiche verhängt.
Die Beziehungen zwischen Russland und Armenien hatten sich nach der militärischen Eskalation in der Region Bergkarabach im Jahr 2022 deutlich abgekühlt. Armenien warf dem von Russland geführten Militärbündnis OVKS vor, seine Interessen im Konflikt mit Aserbaidschan nicht ausreichend verteidigt zu haben. Zuletzt kritisierte Moskau wiederholt die Annäherung Armeniens an westliche Staaten.
Am 7. Juni wird die frühere Sowjetrepublik ein neues Parlament wählen. Paschinjan tritt erneut als Kandidat an. Sein stärkster Herausforderer ist Samwel Karapetjan, der als russlandfreundlich gilt und dem amtierenden Premierminister vorwirft, Armeniens Sicherheit durch die Annäherung an den Westen zu gefährden.
Weiterführendes – Expertin: Ohne den russischen Markt verliert Armenien nahezu seine gesamten Gemüseexporte