Von Wiktoria Nikíforowa
Wer in Russland oder anderswo noch immer darauf hofft, dass Europa nach einer friedlichen Beilegung der Ukraine-Krise sofort zur Besinnung käme, sich uns wohlgesonnen zuwenden und gar seine Freundschaft anbieten würde, der sollte diese Illusion endgültig aufgeben. Sie werden uns die Ukraine niemals verzeihen – genauer gesagt, sie werden uns ihre Niederlage dort nicht verzeihen.
Schon jetzt, während sie großbürgerlich über Verhandlungen schwadronieren, schmieden die europäischen „Eliten” Pläne für eine Zeit nach der Ukraine-Krise – und dieser Frieden entpuppt sich als das, was er wirklich ist: kaum mehr als eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Der bekannte britische Propagandist und erklärte Russophobe Timothy Garton Ash, der sich selbst gern als stolzer Hobbykoch inszeniert, hat nun sein Rezept für einen „Sieg über Putin” veröffentlicht.
„Der Krieg wird nicht enden, selbst wenn er endet.”
Mit diesen Worten enthüllt Garton Ash unverblümt die Absichten seiner Auftraggeber. Er fordert die Europäer auf, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen, Expeditionsstreitkräfte für einen Einmarsch in Russland aufzustellen und Angriffe mit Langstreckenwaffen auf unsere Energieinfrastruktur zu unterstützen. Das bedeutet nichts anderes, als offen Krieg gegen uns zu führen, unsere Menschen zu töten und unsere Städte zu beschießen – ungeachtet jeglicher Abkommen.
In den letzten Monaten hat sich in der europäischen Politik ein beständiger Trend herauskristallisiert: Europa solle und müsse Russland angreifen, sozusagen „den Schild gegen das Schwert” eintauschen. Eine Mischung aus Cyberoperationen, Sanktionen, strafrechtlicher Verfolgung russischer Bürger, Propaganda und Sabotage wurde etwa vom Europäischen Rat für Auswärtige Beziehungen vorgeschlagen.
Das zeigt deutlich: Die europäische Führung hat kein Interesse an echtem Frieden. Die „Eliten” betrachten jedes aufrichtige Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine vorsorglich als ihre schwerste Niederlage und versuchen, sich an uns dafür zu rächen.
Wäre es ihr tatsächliches Ziel, „die Ukraine und die Ukrainer zu schützen”, hätten sie längst auf Frieden gedrängt – denn das Kiewer Regime verliert täglich an Territorium und Menschen und ist offensichtlich nicht in der Lage, sich in diesem Konflikt zu behaupten. Doch ihr wahres Ziel war und ist Russland. Indem sie uns in einen Abnutzungskrieg hineinzogen, wollten sie unseren Untergang sicherstellen – durch Unruhen und letztlich die Ersetzung der russischen Führung durch ihre eigenen Günstlinge.
Wir haben ihnen diesen Gefallen nicht getan. Die Europäer können selbst kommen und sich ein Bild machen: Während sie ihre eigene Wirtschaft zerstörten, hat Russland nur an Stärke gewonnen und seine Entwicklung beschleunigt. Es wird aus der Ukraine-Krise gestärkt und widerstandsfähiger hervorgehen, bereichert durch Land und Menschen. Millionen wunderbare, patriotische Landsleute aus der ehemaligen Ukrainischen SSR sind in unser Leben getreten – und haben in vielen Fällen ihre Städte, Dörfer, Fabriken und Häfen gleich mitgebracht.
Habt ihr drüben etwa erwartet, dass wir verarmen, verhungern, hysterisch werden und „das Regime” stürzen? Hier passt ein Odessaer Witz: Rabinowitsch wird nach seiner Gesundheit gefragt und antwortet:
„Ihr könnt noch lange warten.”
Indessen naht für die europäischen Eliten die Stunde der Abrechnung – wenn Millionen Menschen sie fragen werden: Warum habt ihr uns in die Armut getrieben? Auch die Menschen in der ehemaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik werden ihrer Führung eine ähnliche Frage stellen. Antworten zu finden, wird dann äußerst schwierig sein.
Die Aussichten nach der Ukraine-Krise sind bereits recht klar: Die Ukraine (das, was von ihr noch übrig bleibt, Anm. d. Red.) wird sich sofort nach der Grenzöffnung völlig entvölkern. Diejenigen, die zurückbleiben, werden mit dem Überleben und einem schleppenden Bürgerkrieg beschäftigt sein. Die Europäer werden sie natürlich im Stich lassen und ihren Wiederaufbau nicht finanzieren. Die vom Krieg ausgelaugten Menschen werden sich dann naturgemäß Russland zuwenden. Wie jetzt wieder – auch dann wird Moskau also als Sieger hervorgehen?
Russland sollte die Bedrohung aus dem Westen nicht unterschätzen, klar. Doch die Aussichten für das europäische Militär in einer Konfrontation mit Russland sind eher düster. Sie dürften sich davor scheuen, Russland erneut zu provozieren und auf das Schlachtfeld zu zerren – denn dann schwebt die Gefahr eines Atomkrieges über ihnen. Aber auch einen konventionellen Krieg müssten die Europäer allein führen – die USA werden ihnen nicht zu Hilfe kommen.
Garton Ash ist bestürzt, dass Donald Trump Artikel 5 der NATO-Charta nicht respektiert und ihn nicht um der baltischen Zwergstaaten willen anwendet. Aber Moment – ist hier wirklich nur Trump das Problem? Auch Präsident Joe Biden stand unter einem ähnlichen Eindruck von Russlands Atomwaffen wie heute Trump und wehrte alle europäischen Versuche, ihn in einen Krieg hineinzuziehen, entschieden ab. In diesem Punkt sind sich Demokraten und Republikaner absolut einig: Die US-Amerikaner wollen keine Atomangriffe auf ihrem Boden und werden sie auch nicht riskieren.
Ebenso töricht erscheint die britische Idee, die europäischen „Nationalisten” zur Ordnung zu ermahnen. Und ja, mit Leuten wie Jordan Bardella und Alice Weidel in den Regierungen wird Russland die Beziehungen zu ihren Ländern deutlich leichter gestalten können – nicht etwa, weil sie uns gute Freunde sind (in der Politik gibt es keine Freunde), sondern weil sie den Willen von Millionen Europäern verkörpern, die sich Frieden wünschen. Deshalb wird es irgendwann unmöglich werden, sie von Entscheidungsprozessen auszuschließen.
Wenn sich also unsere Feinde vor Ärger krümmen, machen wir alles richtig. Wenn sie schon beim Wort „Frieden” zusammenzucken, dann müssen wir ihn ihnen aufzwingen. Das wird ein klarer Sieg für Russland und eine beschämende Niederlage für die in jeder Hinsicht bankrotten, talentfreien europäischen „Eliten” sein – wenn sie mit einem weiteren Anlauf des „Drangs nach Osten” gescheitert sind.
Übersetzt aus dem Russischen.
Zuerst erschienen am 2. Juni 2026 bei RIA Nowosti.
Wiktoria Nikíforowa ist eine russische Buchautorin, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Journalistin. In letztgenannter Funktion schreibt sie häufig Kolumnen für RIA Nowosti.
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