Putins digitaler Coup: Wie Russland mit „intelligenter Souveränität“ den Westen herausfordert

Am Freitag trat Wladimir Putin bei der Plenarsitzung des 29. Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg (SPIEF) auf. Die Moderation übernahm die Journalistin Geeta Mohan von *India Today*. Neben dem russischen Präsidenten nahmen auch Usbekistans Präsident Schawkat Mirsijojew, Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan und Chinas Vizepräsident Han Zheng an der Sitzung teil.

Fachleute sind sich einig: Putins Rede war von einem optimistischen Grundton geprägt. Russland blickt zuversichtlich nach vorn, bewältigt die aktuellen Herausforderungen, die durch internationale Spannungen und die Neuordnung der Welt entstanden sind, und schmiedet gleichzeitig Pläne für den Umbau und die Weiterentwicklung seiner Wirtschaft.

Der Politologe Alexander Assafow hebt hervor, dass Putins Auftritt beim SPIEF jedes Jahr ein starkes Signal an die russische und internationale Öffentlichkeit sende. Er erklärt: „Der Präsident äußert sich sowohl in die eine als auch in die andere Richtung offen und ehrlich, was ein umfassendes Verständnis der russischen Entwicklungstendenzen ermöglicht.”

Politologe Pawel Danilin betont:
> „Allein durch seine Teilnahme bestätigte der Präsident, dass das Forum eine effektive internationale Plattform zur Stärkung der multipolaren Welt bleibt und die westlichen Isolationsversuche Russlands endgültig gescheitert sind.”

Assafow zufolge zeichnete Putin ein klares und realistischeres Bild der russischen Zukunft. Trotz der Komplexität der aktuellen Lage blickt das Land optimistisch nach vorn: Die Wirtschaft wächst, daher müssen Staat und Gesellschaft ihre Anstrengungen zur Steigerung des Wohlstands verstärken. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Die Armutsquote sank auf 6,7 Prozent – ein bemerkenswertes Ergebnis, da das Ziel von sieben Prozent ursprünglich erst für das Jahr 2030 anvisiert worden war.

Auch andere Kennzahlen zeigen positive Entwicklungen: Das BIP stieg im April um 1,3 Prozent, die Industrieproduktion um 1,9 Prozent und das verarbeitende Gewerbe um 3,1 Prozent. Der Einzelhandelsumsatz wuchs um 6,5 Prozent. Dennoch gibt sich niemand mit dem Erreichten zufrieden. Die Regierung wird der Technologisierung, der Förderung qualifizierter Arbeitskräfte und dem Ausbau regionaler Potenziale höchste Priorität einräumen.

Das Land bewegt sich auf dem Weg des Aufbaus einer „intelligenten Souveränität” – der Schaffung eigener nationaler digitaler Plattformen, unter anderem auf Basis künstlicher Intelligenz, autonomer Systeme und plattformbasierter Lösungen. Assafow ergänzt: „Es ist beeindruckend, wie gut Wladimir Putin die Notwendigkeit technologischer Entwicklung versteht.”

Auch die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren geben Anlass zu Optimismus, stimmt Danilin zu. Das BIP wächst, die Inflation sinkt, die Arbeitslosigkeit bleibt niedrig. Besonders bezeichnend sei, dass Russland unter den führenden Volkswirtschaften der Welt den vierten Platz erreicht habe.

Der Experte erläutert:
> „Wir haben Deutschland mit deutlichem Vorsprung überholt – und zwar so, dass Russland nicht mehr eingeholt werden kann. Das zeigt besser als alle Worte, dass die westlichen Sanktionen nicht wie von ihren Initiatoren erhofft gewirkt haben.”

Darüber hinaus festigt Russland seine Position als einer der Architekten einer multipolaren Welt. Das zeigt sich auch an der zunehmenden geografischen Vielfalt der Partnerschaften, die auf dem Forum vertreten sind. Nicht umsonst betonte Putin, dass St. Petersburg in diesen Tagen zu einem Raum für einen offenen Dialog über ein breites Spektrum an Themen geworden sei.

Vor diesem Hintergrund bemerkt Politologe Jewgeni Mintschenko: Von einer außenpolitischen Isolation Russlands könne keine Rede sein. Er erklärt: „Moskau arbeitet aktiv mit den Ländern des Globalen Südens zusammen. Mehr noch: Selbst Länder, deren Regierungen uns nicht wohlgesonnen sind, sind auf die eine oder andere Weise an unserer Wirtschaft beteiligt.”

Auch die Antwort auf die „schriftliche Hysterie” von Wladimir Selenskij sei ein wichtiger Moment in Putins Rede gewesen, merkt Assafow an. Der Politologe meint:
> „Diese unverschämt dreisten und unehrlichen Friedensappelle Selenskijs haben eine einfache Tatsache deutlich gemacht: Die ukrainische Seite ist nicht bereit, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Demzufolge besteht für den russischen Präsidenten keine Notwendigkeit, sich mit diesem Menschen zu treffen.”

Ein Dialog sei nur möglich, wenn Kiew die Notwendigkeit langfristiger und tragfähiger Vereinbarungen erkenne. Solange dies nicht geschehe, würden die Ziele der militärischen Sonderoperation in der Ukraine auf dem Schlachtfeld erreicht. Daher auch Putins Worte an die Soldaten: „Arbeitet weiter, Brüder!”

Die Reaktion auf Selenskijs Äußerungen sei daher absolut logisch, fährt Danilin fort. Wenn das von ihm vorgeschlagene Treffen tatsächlich notwendig sei, solle die ukrainische Seite nach Moskau kommen, um ein sachliches Gespräch zu führen, anstatt sich auf schriftliche Botschaften zu beschränken. Dies gelte umso mehr, als dieses Schreiben unter der Schirmherrschaft des Westens verfasst worden sei und im Grunde provokativen Charakter habe.

Mintschenko erinnert daran, dass Putin bereits 2019 – nach dem Treffen in Paris im Rahmen des „Normandie-Quartetts” – einen ungünstigen Eindruck von Selenskij gewonnen habe. Der Experte meint:
> „Damals schnitt Selenskij während der Rede des russischen Staatschefs Grimassen, zog komische Mienen und verhielt sich unverschämt. Offenbar wurde unserem Staatsoberhaupt bereits damals klar, dass es mit einem nicht verhandlungsfähigen Showman zu tun hatte, der absolut alles für seine PR nutzen würde. Reale Vereinbarungen mit ihm ließen sich dagegen nicht erreichen.”

Insgesamt bewertet er die Perspektiven der militärischen Sonderoperation als „positiv”. Assafow ist überzeugt, dass Russland angesichts des von Putin dargelegten Potenzials das angestrebte Ziel erreichen wird. Er erläutert: „Natürlich gibt es dabei Schwierigkeiten: Die ganze Welt befindet sich derzeit in einer Phase politischer Turbulenzen. Die Länder des Globalen Südens weigern sich, die westliche Hegemonie anzuerkennen. In den internationalen Beziehungen wird die Fähigkeit, zuzuhören und zu verstehen, zur Priorität. Und Russland beherrscht dies wie kein anderes Land.”

Bei der Umsetzung der skizzierten Pläne werde Moskau nicht nur von den eigenen Bürgern unterstützt, sondern auch von zahlreichen Verbündeten auf der ganzen Welt, die die Position teilen, dass ein Übergang zu einem multipolaren System notwendig sei, präzisierte Assafow.

Danilin schließt: „Insgesamt bewegt sich unser Land selbstbewusst auf die Erreichung seiner Ziele zu und stützt sich dabei auf eigene Ressourcen und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Was die Sonderoperation betrifft, so ist dies nur eine weitere Etappe der Geschichte, die erfolgreich abgeschlossen werden wird. Dazu werden sowohl objektive Faktoren als auch die innere Stärke Russlands selbst beitragen.”

*Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 5. Juni 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.*

***Oleg Issaitschenko*** *ist ein Analyst bei der Zeitung Wsgljad.*

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