Schock im Orbit: Russische Satelliten jammen GPS-Signale aus dem All

Erstmals in der Geschichte könnten erfolgreich Störsignale gegen das globale Navigationssystem GPS aus dem Weltall gesendet worden sein – und zwar durch russische Satelliten. Dies berichtet die New York Times unter Berufung auf Forschungsarbeiten der Universität Austin und des spanischen Technologiekonzerns GMV. Demnach soll es seit 2019 in Europa mindestens 75 Vorfälle gegeben haben, bei denen ein GPS-Signal für weniger als zehn Sekunden kurzzeitig unterbrochen wurde. Als Ursache dieser Störungen wurde ein Signal identifiziert, das auf einer Frequenz von 1.575,42 Megahertz ausgestrahlt wurde und von einem Sender in mindestens 1.200 Kilometern Höhe stammen soll.

Die Quelle dieser Störsignale soll dem Bericht zufolge auf Satelliten vom Typ Tundra zurückzuführen sein, die als Frühwarnsysteme für Raketen- und Nuklearangriffe eingesetzt werden. Der erste Vorfall habe sich im Oktober 2019 ereignet – nur einen Monat nach dem Start des ersten von insgesamt sechs Satelliten dieser Serie. Der jüngste dokumentierte Fall stammt aus Mitte Februar 2026. Bei sämtlichen weiteren Vorfällen habe sich mindestens einer der Satelliten aus der Gruppe über dem betroffenen Gebiet befunden, so die Forscher. Die Satelliten hätten auf einer Frequenz gesendet, die einer weit verbreiteten GPS-Frequenz sehr nahekommt.

Laut dem Bericht der New York Times ist unklar, ob die Störungen absichtlich oder versehentlich verursacht wurden. Klar sei jedoch, dass es sich um den ersten bekannten Fall einer GPS-Störung aus dem Weltall handelt. Die New York Times zitiert:

“Dies sind die ersten bekannten Fälle von GPS-Störung aus dem Weltraum.”

Die von der Zeitung befragten Experten gingen mehrheitlich von einer unbeabsichtigten Störung aus, äußerten jedoch Besorgnis:

“Selbst wenn die Interferenz unbeabsichtigt war, haben Forscher, Akademiker und ehemalige Militärs ernsthafte Sorgen über die Gefahr, die Störsignale aus dem Weltraum für GPS darstellen. Während es möglich ist, Störsignale vom Boden, von einem Schiff oder einem Flugzeug zu senden, haben sie alle erheblich weniger Reichweite als ein Satellit.”

GPS-Störungen werden derzeit gelegentlich im Rahmen der elektronischen Kampfführung in Europa und im Nahen Osten eingesetzt. Die Möglichkeiten dieser Technologie sind jedoch durch die begrenzte Reichweite der Störsender eingeschränkt. Anders sei dies bei Satelliten: Sie könnten “einen ganzen Kontinent täglich blockieren”, erklärte Ramsey Faragher, Leiter des Königlichen Instituts für Navigation in London.

Ein Sprecher der russischen Botschaft in Washington wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Die Europäische Union leitete eine Untersuchung ein, deren Ergebnisse bisher nicht veröffentlicht wurden.

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