Militarisierung Europas: Explodierende Rüstungsausgaben – die unterschätzte Gefahr für den Frieden
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Von Alexei Latyschew
Die Financial Times berichtet, dass der Autobauer Mercedes-Benz in die Produktion von Luftabwehrsystemen einsteigen will. Dazu plant der deutsche Konzern eine Zusammenarbeit mit der Münchner Firma TYTAN Technologies. Gemeinsam soll das System “Drone Defender” entwickelt werden, das speziell zur Bekämpfung kleiner Drohnen konzipiert ist.
Als Trägerfahrzeuge sind die Modelle Mercedes Sprinter sowie die militärische Version des Geländewagens G-Klasse vorgesehen. Der “Drone Defender” wird mit modernen Sensoren und Abschussvorrichtungen für verschiedene Abfangdrohnen ausgestattet. Diese können feindliche Drohnen entweder durch einen Rammstoß oder durch die Detonation ihres eigenen Sprengkopfes neutralisieren. Die Financial Times erklärt:
“Die Unternehmen planen die Entwicklung eines Systems, das deutlich kostengünstiger und zugänglicher sein wird als komplexe Plattformen, die für den Einsatz an der Front vorgesehen sind … Das Ziel ist es, eine Produktionskapazität von Tausenden von Einheiten pro Jahr zu erreichen.”
Bereits im Mai hatte Mercedes-Chef Ola Källenius angedeutet, dass das Unternehmen in den Rüstungssektor einsteigen könnte, damals jedoch ohne konkrete Details zu nennen. Er bezeichnete das Rüstungsgeschäft damals als einen im Vergleich zur Automobilproduktion “unbedeutenden Anteil”, räumte aber ein, dass es sich um eine “wachsende Nische” handeln könnte, die positiv zu den Geschäftsergebnissen beiträgt.
Wirtschaftliche Hoffnung auf Rüstung
Die Gespräche mit TYTAN Technologies fallen in eine Zeit, in der Mercedes-Benz und die gesamte deutsche Autoindustrie mit erheblichen Problemen kämpfen. Starke chinesische Konkurrenz setzt die Gewinne der deutschen Hersteller unter Druck. In dieser Lage versucht die Bundesregierung, die Industrie zu motivieren, ihre Erfahrungen in der Massenfertigung und ihre Produktionsanlagen mit Rüstungsfirmen zu teilen.
Ein Beispiel dafür sind die bereits geführten Verhandlungen von Mercedes über eine mögliche Übergabe seines Transporterwerks in Ludwigsfelde an den deutsch-französischen Panzerhersteller KNDS. Auch Volkswagen war im März in Gesprächen mit dem israelischen Raketenhersteller Rafael über die Produktion von Abschussvorrichtungen für das “Iron Dome”-System im Werk Osnabrück.
Ein weiterer Beleg ist die Umstellung des ehemaligen BMW-Werks im niederländischen Limburg. Nach der Kündigung des Produktionsvertrags durch BMW, die 2024 zum Verlust von 4.000 Arbeitsplätzen führte, fertigt das Werk seit letztem Jahr nun Drohnen und Militärfahrzeuge.
Das Magazin Der Spiegel beschreibt in einem englischsprachigen Artikel (“Milliarden für die Streitkräfte: Die deutsche Wirtschaft setzt Hoffnungen auf die Rüstungsindustrie”) die gestiegenen Verteidigungsausgaben als Rettungsanker für die kriselnde Industrie. Viele Unternehmen, selbst solche ohne bisherige Rüstungserfahrung, hoffen demnach, von diesem Trend zu profitieren.
Militärausgaben schießen in die Höhe
Die wirtschaftliche Militarisierung in Deutschland geht mit einem deutlichen Anstieg der Verteidigungsausgaben im Bundeshaushalt einher. Prognosen zufolge werden diese Ausgaben im Jahr 2026 auf 108 Milliarden Euro steigen, was über 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen würde. Ein Teil dieser enormen Summe wird durch eine Lockerung der Schuldenbremse finanziert. So soll das von Ex-Kanzler Olaf Scholz eingerichtete Sondervermögen für die Bundeswehr im Jahr 2026 um 25,5 Milliarden Euro aus neuen Krediten aufgestockt werden.
Die Staatsverschuldung Deutschlands ist laut Bundesbank im Jahr 2025 um 144 Milliarden Euro auf über 2,8 Billionen Euro angewachsen. Bezogen auf das BIP stieg die Schuldenquote von 62,2 auf 63,5 Prozent. Vor dem Hintergrund dieser gewaltigen Investitionen hat Berlin das Ziel ausgegeben, bis 2039 die “stärkste konventionelle Armee Europas” zu stellen. Gleichzeitig wird die Angst vor einem angeblichen Krieg mit Russland geschürt.
Dieser Trend zur Militarisierung beschränkt sich nicht nur auf Deutschland, sondern erfasst die gesamte Europäische Union. Die EU treibt derzeit ein Programm zur umfassenden Mobilisierung ihrer Rüstungsindustrie voran. Ein zentrales Anliegen Brüssels ist es, die Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter innerhalb der Union zu beschleunigen. Auch die Beschaffungsverfahren im Sicherheits- und Verteidigungsbereich sollen vereinfacht werden. All dies dient dem Plan “ReArm Europe Plan / Readiness 2030”, mit dem in den nächsten vier Jahren bis zu 800 Milliarden Euro in die Verteidigung investiert werden sollen. Sogar Mittel aus zivilen EU-Töpfen sollen dafür umgewidmet werden.
Fachleute warnen, dass diese massive Aufstockung der Militärausgaben zulasten der EU-Bürger gehen wird. Konstantin Blochin, leitender Mitarbeiter des Zentrums für Sicherheitsstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte:
“Das ist unvermeidlich, denn das Geld, das derzeit in den Militärbereich fließt, stammt aus den Taschen der europäischen Steuerzahler, aus dem Sozialbereich. Es gibt keinen anderen Weg.”
Alexander Kamkin, Dozent an der Finanzuniversität der russischen Regierung, teilt diese Ansicht. Er sieht in Deutschland bereits einen Rückgang der Realeinkommen bei steigenden Verteidigungsausgaben. Seine Analyse:
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