Seit dem 10. Juni sorgt eine Warnung des lokalen Gesundheitsamts in der Universitätsstadt Würzburg für erhebliche Einschränkungen im Alltag. Grund dafür ist der Nachweis von Enterokokken in einer Wasserprobe des örtlichen Versorgers Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV). Seither müssen die Bewohner Würzburgs und der Nachbargemeinde Gerbrunn ihr Leitungswasser abkochen – selbst zum Zähneputzen darf es nur abgekocht verwendet werden.
Enterokokken sind Bakterien, die natürlicherweise im Darm von Menschen und Tieren vorkommen. In Trinkwasser, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, haben sie daher nichts zu suchen. Die Trinkwasserverordnung legt für solche Keime einen Grenzwert von null KBE (koloniebildende Einheiten) fest. In Würzburg wurde jedoch eine Belastung von drei KBE gemessen, was umgehende Maßnahmen erforderlich machte.
Vorsorge statt akuter Gefahr
Bislang ist kein Krankheitsfall bekannt, der eindeutig auf die verunreinigte Trinkwasserversorgung zurückzuführen wäre. Die Anordnung des Gesundheitsamts ist daher rein präventiv. Enterokokken gelten als „opportunistische Krankheitserreger”: Sie werden vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich oder wenn sie in die Blutbahn gelangen – etwa bei offenen Wunden. Dann können sie Blutvergiftungen, Harnwegsinfektionen oder Bauchfellentzündungen auslösen.
Einige Enterokokken-Stämme sind bereits gegen gängige Antibiotika resistent. Besonders betroffen sind daher Krankenhauspatienten, vor allem jene mit medizinischen Kathetern. Das Universitätsklinikum Würzburg gibt auf seiner Webseite jedoch Entwarnung: Dank hoher Sicherheitsstandards wie Legionellen- und Sterilfilter sei die Versorgung der Patienten weiterhin gewährleistet. Zudem führe das Klinikum eigene Wasseruntersuchungen auf dem Campus durch. Auch das Klinikum Würzburg Mitte äußerte sich beruhigend.
Kampf gegen die Keime läuft
Das Gesundheitsamt Würzburg hat bislang keine Entwarnung gegeben. Der Wasserversorger arbeite laut Behörde unter Hochdruck daran, die Ursache der Verunreinigung zu finden. Neue Wasserproben seien bereits genommen, die Ergebnisse stünden jedoch noch aus.
Bis dahin müssen die Würzburger ihr Trinkwasser weiter abkochen oder auf Flaschenwasser aus dem Handel zurückgreifen. Die Maßnahme betrifft nicht nur Haushalte, sondern auch Restaurants im fränkischen Touristenzentrum. In Supermärkten und Getränkemärkten steigt unterdessen der Absatz von Wasserflaschen. Wie die Mainpost berichtet, waren einzelne Billigmarken in Würzburg bereits ausverkauft. Eine Alternative bieten die öffentlichen Trinkwasserbrunnen nicht – auch sie sind an das betroffene Leitungsnetz angeschlossen und wurden bereits am Donnerstagvormittag abgeklebt.
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