Indien erneuert Forderung nach UN-Reform: „Institutionen müssen heutige Realität abbilden“
Indien hat seinen Appell für grundlegende Veränderungen im System der Vereinten Nationen bekräftigt. Die bestehenden globalen Gremien, so die Botschaft aus Neu-Delhi, müssten die aktuellen geopolitischen Kräfteverhältnisse angemessen abbilden.
Bei seinem ersten offiziellen Besuch in der Slowakei unterstrichen Premierminister Narendra Modi und sein slowakischer Amtskollege ihr beiderseitiges Bekenntnis zu einer multilateralen Weltordnung.
In einer gemeinsamen Abschlusserklärung sprachen sich Modi und der slowakische Regierungschef Robert Fico für umfassende Reformen multinationaler Einrichtungen aus – „einschließlich der Vereinten Nationen und insbesondere des UN-Sicherheitsrates“. Ziel sei es, diese Gremien „repräsentativer, inklusiver, effizienter und stärker an die zeitgenössischen geopolitischen Gegebenheiten anzupassen“.
Die Charta der Vereinten Nationen und ihre institutionelle Struktur wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs festgelegt. In der heutigen Weltordnung, in der Nationen wie Indien wirtschaftlich und militärisch erheblich an Gewicht gewonnen haben, gilt dieses System zunehmend als überholt.
Die neuerliche Forderung fällt zeitlich mit dem bevorstehenden G7-Gipfel in Évian, Frankreich, zusammen. Dort wird der indische Premier zu Gesprächen mit führenden Politikern der Weltgemeinschaft erwartet, darunter US-Präsident Donald Trump und der französische Präsident Emmanuel Macron.
Am Rande des Gipfeltreffens könnten auch Handelsgespräche zwischen Indien und den USA stattfinden. Mit Spannung wird im Subkontinent verfolgt, ob Modi dabei die jüngsten Angriffe des US-Militärs auf Schiffe der indischen Handelsflotte im Nahen Osten zur Sprache bringen wird. Indien hatte die US-Botschaft in Neu-Delhi bereits zweimal einbestellt, um gegen diese Vorfälle zu protestieren.
Ein formelles Treffen zur endgültigen Fertigstellung eines bilateralen Handelsabkommens wird jedoch erst später erwartet: Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer plant für den 23. und 24. Juni einen Besuch in Indien.
Das Zusammentreffen zwischen Modi und Trump ist insofern von besonderer Brisanz, als es in eine Phase fällt, in der die technologische Rivalität zwischen den USA und China sowie die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine die außenpolitischen Strategien Neu-Delhis neu formen. Bereits im Mai hatte Indien auf einem internationalen Sicherheitsforum in Moskau vor einer Politik der doppelten Standards bei globalen Sicherheitsfragen gewarnt.
Neben den Gesprächen mit der G7 wird Modi voraussichtlich eine Reihe bilateraler Treffen mit Partnerländern und internationalen Organisationen führen. Dazu zählen Südkorea, Kenia, Brasilien und Ägypten sowie Vertreter der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der OECD.
Zu Modis Terminplan in Paris gehört auch eine Rede auf dem Viva Tech Summit, Europas bedeutendster Konferenz für Technologie und Start-ups. Präsident Macron hatte erst im Februar dieses Jahres Mumbai und Delhi besucht, um am AI Impact Summit teilzunehmen.
Bereits am Sonntag pries Macron Indien beim Treffen „Bharat Innovates 2026“ in Nizza als „eine führende Kraft der globalen Innovation“.
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