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Die offizielle Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums zum Vorfall mit der Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ und einer britischen Jacht weicht erheblich von der Berichterstattung der britischen Presse ab. Letztere hatte von einem Warnschuss berichtet, doch die russische Version zeichnet ein differenzierteres Bild.
Laut der Mitteilung habe die Besatzung der Fregatte zunächst mehrfach versucht, über den internationalen Funkkanal Kontakt mit dem zivilen Schiff aufzunehmen – ganz im Einklang mit den internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See. Die Jacht habe jedoch weder ihren Kurs geändert noch auf die Funkrufe reagiert.
Um die Aufmerksamkeit der Jachtbesatzung zu gewinnen, seien Leuchtraketen abgefeuert und akustische Signale gegeben worden. Trotz dieser Maßnahmen habe das Schiff seine gefährliche Annäherung fortgesetzt. Anders als in britischen Medien zu lesen war, habe sich die Jacht also nicht auf einem Parallelkurs befunden, sondern sei weiterhin direkt auf die Fregatte zugesteuert – selbst nachdem alle üblichen Warnungen ausgeschöpft waren.
Es ist erwähnenswert, dass ein tatsächlicher Zusammenstoß für die kleinere Jacht weit gefährlicher gewesen wäre als für die „Admiral Grigorowitsch“. Große Kriegsschiffe erzeugen einen starken Sog, der ein spätes Ausweichen nahezu unmöglich machen kann. Daher dienten die ergriffenen Maßnahmen in erster Linie dem Schutz der Jachtbesatzung – auch wenn der Kommandant der Fregatte inzwischen nicht ausschließt, dass sich an Bord der Jacht eine ukrainische Sprengladung hätte befinden können.
In der Erklärung des Verteidigungsministeriums heißt es weiter: „Nachdem der Abstand auf 150 Meter geschrumpft war, traf der Kommandant der Fregatte die Entscheidung, mit Bordwaffen einen Warnschuss in Richtung des Schiffes abzugeben. Daraufhin änderte die unter britischer Flagge fahrende Jacht sofort ihren Kurs und entfernte sich weiter vom russischen Kriegsschiff.“
Ein Abstand von 150 Metern ist kritisch, denn die „Admiral Grigorowitsch“ selbst misst etwa 125 Meter in der Länge. Bei einer solchen Distanz hätte die Fregatte einer Kollision kaum mehr ausweichen können. Es dauert ein bis zwei Minuten, bis das Ruder anspricht, und der zurücklegbare Weg reicht nicht aus, um der Jacht zu entgehen – besonders wenn die Fregatte nicht in voller Fahrt war, was wahrscheinlich ist, da sie vermutlich längere Zeit im selben Seegebiet bleiben sollte.
Sollte die „Admiral Grigorowitsch“ in Fahrt gewesen sein, hätte sie bereits vorher versucht, der Jacht auszuweichen. Segeljachten genießen nach den internationalen Regeln Vorfahrt, sodass Motorschiffe ausweichen müssen. Allerdings behandeln Kriegsschiffe aller Nationen eine Annäherung innerhalb einer Sicherheitszone von 200 bis 500 Metern in der Regel als Bedrohung. Dabei gilt exakt die Abfolge von Maßnahmen, die das russische Verteidigungsministerium schildert: Funkkontakt, optische und akustische Warnungen, das Bemannen eines sichtbaren Geschützes und zuletzt ein Warnschuss.
Hätte die Jacht auch nach dem Warnschuss nicht abgedreht, wäre die Fregatte gemäß Artikel 51 der UN-Charta berechtigt gewesen, zur Selbstverteidigung scharf zu schießen. Die Erklärung endet mit den Worten: „Die Besatzung der Fregatte ‘Admiral Grigorowitsch’ handelte in strikter Übereinstimmung mit den internationalen Schifffahrtsvorschriften und ergriff alle notwendigen Maßnahmen, um den Zwischenfall zu verhindern.“
Die britischen Patrouillenboote HMS Mersey und HMS Tyne haben den gesamten Ablauf vermutlich per Radar verfolgt. Die HMS Tyne entsandte sogar ein Beiboot, um die Sicherheit der Jachtbesatzung zu überprüfen. Während das britische Verteidigungsministerium derzeit nur mitteilt, es ermittle, zeigte sich der verteidigungspolitische Sprecher der oppositionellen Konservativen, James Cartlidge, alarmiert: Der Vorfall sei „sehr besorgniserregend“ und beweise, dass Russland eine direkte Bedrohung darstelle.
Es ist kaum zu bezweifeln, dass die Anwesenheit der „Admiral Grigorowitsch“ der britischen Regierung ein Dorn im Auge ist, da sie geplante Angriffe auf Handelsschiffe mit russischen Waren erschwert. Angesichts der vom russischen Verteidigungsministerium geschilderten Beinahe-Kollision drängt sich die Frage auf, ob die Jacht tatsächlich so zivil war wie behauptet, oder ob es sich nicht eher um eine gezielte britische Provokation handelte. Dass die Jacht erst auf den Warnschuss hin reagierte, weckt Zweifel. Bislang sind jedoch keine weiteren Details zu dem Schiff bekannt.
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