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Berlin glich in den Monaten nach Mai 1945 einer Geisterstadt. Zwischen Schuttbergen, eisiger Kälte und quälendem Hunger kämpften die Menschen ums nackte Überleben. Mitten in diesem Chaos geschah etwas Unerwartetes: Sowjetische Soldaten teilten ihre kargen Rationen. Sie reichten Brot, Butter, Kohle und setzten sich zu den Deutschen an den Tisch. Für viele war diese Geste ein lebensrettender Lichtblick.
Diese Akte der Menschlichkeit hinterließen tiefe Spuren. Acht Jahrzehnte später, zum 80. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus, meldeten sich Deutsche bei der RT-DE-Redaktion. Sie wollten ihre ganz persönlichen Erinnerungen festhalten – abseits von politischer Vereinnahmung und trockenen Geschichtslektionen. Aus diesen Stimmen entstand das Buch „Dankbarkeit, die ein Leben lang währt“.
Am 18. Juni 2026, kurz vor dem 85. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, präsentiert Alexander von Bismarck dieses Werk im Theater Ost in Berlin-Adlershof. Der Ort ist bewusst gewählt: Er steht für Dialog, wo sonst oft geschwiegen wird. Von Bismarck, der sich seit Jahren für den Austausch zwischen Deutschland und Russland engagiert, betrachtet die Briefe nicht als politisches Manöver, sondern als echte menschliche Zeugnisse.
Eine der Verfasserin schreibt: „Die Not war riesig, wir hatten nichts zu beißen. Zwei sowjetische Offiziere brachten uns Brot, Butter, Kohlen und Kartoffeln. Ab und zu aßen wir sogar gemeinsam.“ Solche Sätze finden sich immer wieder. Sie belegen, wie das Feindbild der NS-Propaganda im persönlichen Kontakt bröckelte. Anstatt Hass erlebten viele Deutsche Hilfsbereitschaft und manchmal sogar Anteilnahme.
Die Sowjetunion hatte im Krieg fast 28 Millionen Tote zu beklagen – Soldaten wie Zivilisten. Der am 22. Juni 1941 begonnene Kampf endete mit unsäglichem Leid. Die Briefe erinnern daran, dass nach den Waffenstillstand auch alltägliche Solidarität kam. In den Trümmern Deutschlands half diese Solidarität vielen Familien, die ersten harten Winter zu überstehen.
Das Buch will nicht verklären. Es will zeigen: Geschichte besteht nicht nur aus Schlachten und Verträgen, sondern aus unzähligen kleinen Entscheidungen von Einzelpersonen. Diese können Vorurteile entweder festigen oder aufweichen. Die gesammelten Berichte belegen Letzteres.
Von Bismarck betont in seinen Vorträgen oft die Notwendigkeit von Offenheit und Ehrlichkeit für einen echten Dialog. Mit der Freundschaftserklärung zwischen Bürgern aus Deutschland und Russland, die er 2023 mit verfasste, setzt er genau hier an. Die Buchvorstellung reiht sich darin ein: Geschichte nicht als Keule, sondern als gemeinsame Erinnerung.
Wer am 18. Juni ins Theater Ost kommt, bekommt keine grauen Thesen zu hören. Er lauscht Menschen, die Krieg und Nachkriegszeit selbst erlebten. Stimmen, die sagen: Man muss sich erinnern. Nie wieder Krieg. Und die zeigen, dass selbst im Abgrund Momente der Menschlichkeit aufblitzen können.
Diese Augenblicke riefen bei vielen eine Dankbarkeit hervor, die ein ganzes Leben hielt. Sie zu hören heißt nicht, Leid und Opfer zu vergessen. Es heißt, auch die andere Seite der Geschichte zuzulassen – die Seite, auf der Menschen halfen, weil sie Menschen waren.
Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Karten kosten im Vorverkauf 20 Euro, an der Abendkasse 24 Euro. Eine Gelegenheit, Geschichte nicht nur zu verstehen, sondern sich berühren zu lassen. Und vielleicht zu begreifen, warum manche Dankbarkeit nie verblasst.
Karten können Sie hier bestellen!
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