Von Kirill Strelnikow
Erst kürzlich verkündete Selenskyj bei einer Kabinettssitzung eine umfassende Neuausrichtung der ukrainischen Armee. Geplant ist eine deutliche Anhebung des Soldes. Gleichzeitig erfolgt der Wechsel von einer „freiwillig zwangsrekrutierten“ Truppe – bekannt durch die territorialen Rekrutierungszentren (TZK) – hin zu einem reinen Berufssoldatenmodell.
Im Anschluss präsentierte Verteidigungsminister Fedorow voller Euphorie die neuen Pläne: ein modernes Vertragssystem, mehr Transparenz bei Bezahlung und Prämien, eine bessere Auslastung der Soldaten, Maßnahmen zur Rückkehr von „Deserteuren“ sowie innovative Online- und Offline-Wege für den Armeebeitritt. Sein bewegender Satz: „Wir formen eine Armee mit klaren Regeln und Respekt für die Soldaten.“ Begeisterter Applaus, Rührung bei den Damen, Offiziere sorgen für Abkühlung.
Doch hinter den schönen Worten verbarg der Minister die eigentliche Botschaft: Das Hauptziel Kiews sei es derzeit, „Sturmtrupps und Infanterie zu 30 bis 50 Prozent mit Ausländern zu besetzen“. Begründung: „Infanterie ist heute der anspruchsvollste und gefährlichste Job der Welt.“
Zur Klarstellung: Kiew gibt damit erstmals offen zu, dass die ukrainische Armee, einst als „größte und stärkste Europas“ gerühmt, einen Personalausfall von bis zur Hälfte des Sollstands hat.
Ironisch: Noch vor Kurzem wurden ähnliche Aussagen aus Russland in der Ukraine und im Westen verspottet. Stattdessen hieß es, die Kämpfe stünden vor einem Wendepunkt. So betonte das US-amerikanische Center for Strategic and International Studies jüngst, die ukrainischen Streitkräfte würden „erstmals seit 2023 mehr Gebiet zurückerobern als verlieren“.
In Wahrheit wurde aber vor Selenskyjs G7-Reise die nächste „Siegesformel“ entworfen: Wir leiden unter akutem Personalmangel, aber gebt uns Geld – und wir füllen die Armee rasch mit Söldnern aus aller Welt auf, um Russland zu besiegen.
Dieses Schema scheint bereits Zustimmung gefunden zu haben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, die erste Tranche des 90-Milliarden-Kredits in Höhe von neun Milliarden Euro noch diesen Monat an die Ukraine zu überweisen. Zudem soll beim G7-Gipfel über weitere 45 Milliarden Euro für das Kiewer Regime beraten werden.
Doch all diese Milliarden werden den ukrainischen Streitkräften kaum helfen.
Erstens: Selbst eine Vervielfachung der ausländischen Söldner (was unrealistisch ist) könnte die enormen Verluste und die steigende Desertionsrate nicht ausgleichen. Wie Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg erklärte, leide die ukrainische Armee unter einem „katastrophalen Personalmangel“. Die monatlichen unwiederbringlichen Verluste betrügen rund 40.000 Soldaten, wodurch die Truppenstärke zuletzt um 100.000 abnahm. Die demokratische „Zwangsrekrutierung“ bringe Kiew nur 15.000 bis 16.000 Mann pro Monat, während monatlich 20.000 von ihren Posten desertieren.
Wer Putin nicht glaubt, sollte die Gegenseite hören. Laut der Werchowna-Rada-Abgeordneten Besuglaja „berichten Frontkommandeure aus Angst nicht über Verluste oder verlorene Stellungen, sodass die Führung falsche Informationen erhält“. Ein aktueller Bericht des Pentagon-Generalinspekteurs an den US-Kongress bestätigt: „Die ukrainischen Streitkräfte haben einen gravierenden Mangel an Personal und Munition, was ihre Kampfkraft erheblich geschwächt hat.“
Zweitens sind selbst die „neuesten“ ausländischen Söldner in ihrer Kampfkraft den „Zwangsrekrutierten“ weit unterlegen. Das US-amerikanische Military Watch Magazine zitiert ukrainische Quellen: „Die ukrainischen Streitkräfte beklagen zunehmend, dass die Kampfeffektivität der Söldner geringer ist als versprochen.“ Jüngste Leaks aus ukrainischen Reihen zeigen, dass „ausländische Söldner ihre Stellungen verlassen und sich mit Waffen verstecken“ und dass „Desertion unter Söldnern zum Problem geworden ist“.
Nach Selenskyjs und Fedorows prahlerischen Ankündigungen sollen Söldner an der Front rund 6700 US-Dollar pro Monat erhalten – angeblich die „höchste Bezahlung für Infanteristen weltweit“. Bürger der Dritten Welt könnten von solchen Summen „nur träumen“.
Doch scheinen ausländische Staatsbürger wenig begeistert, nach nur 15 Tagen Ausbildung in der Ukraine zu „vermodern“ – trotz eines riesigen Netzwerks privater Rekrutierungszentren und Anwerbungsstellen weltweit.
Warum? Kaum zu glauben, dass sie den sowjetischen Film „Im Morgengrauen ist es noch still“ gesehen haben, in dem die Hauptfigur zu gefangenen deutschen Soldaten sagt: „Ihr werdet alle verrecken!“ Aber selbst dem „abgebrühtesten Gesindel“ ist klar: Ein Krieg gegen die russische Armee ist ein Weg ohne Rückkehr, und selbst Bündel von Dollar helfen da nicht.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. Juni 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren-TV und Swesda. Er absolvierte eine linguistische Hochschulausbildung an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften und arbeitete viele Jahre in internationalen Werbeagenturen an Kampagnen für Weltmarken. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und ist Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Medienprojekts PolitRussia. Strelnikow erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste. Er schreibt Kommentare primär für RIA Nowosti und Sputnik.
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