Von Fjodor Lukjanow
Das unmittelbare Resultat ist die Wiederherstellung der freien Durchfahrt durch die Straße von Hormus, deren Blockade bekanntlich durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran verursacht wurde. Anders gesagt: Nach einer weiteren verlustreichen und zerstörerischen militärischen Aktion, die viele Opfer forderte, ist man genau wieder am Ausgangspunkt angelangt.
Es sei daran erinnert, dass dies bereits die zweite Runde dieses Konflikts ist – die erste, vor genau einem Jahr, wurde als „Zwölftagekrieg” bezeichnet. Sie endete damals auf die gleiche Weise, jedoch ohne förmliche Abkommen. Auch jetzt gibt es noch kein endgültiges Dokument, sondern lediglich eine Absichtserklärung, die zudem unterschiedlich ausgelegt wird und verschiedene Schwerpunkte setzt. Dennoch lässt sich eine erste Zwischenbilanz ziehen, besonders hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gesamtlage. Erstens sind die Grenzen militärischer Macht in dieser neuen Art von Kriegsführung deutlich zutage getreten.
Das gesamte militärische Arsenal der USA und Israels (ergänzt durch die Kapazitäten der Golfstaaten) ist dem Irans haushoch überlegen. Dennoch reichte dieser Vorteil nicht für einen raschen und eindeutigen Sieg aus.
Teherans Gegenmaßnahmen waren vielschichtig: Sie reichten von Angriffen auf militärische Einrichtungen über Attacken auf Logistik und Infrastruktur bis hin zum Einsatz verbündeter regionaler Kräfte. Diese erwiesen sich wider Erwarten als funktionsfähig, obwohl sie durch eine gezielte israelische Kampagne in den letzten zwei Jahren zuvor geschwächt worden waren. Schließlich stellte sich die Blockade der strategischen Meerenge von Hormus – ein Mittel, zu dem der Iran bis dahin noch nie gegriffen hatte – als äußerst effektives Druckmittel heraus, dem kaum etwas entgegenzusetzen war.
Zweitens zeigte der Iran, dass innere Stabilität ein entscheidender Faktor für militärischen Erfolg ist. Die Ausschaltung eines Großteils der militärisch-politischen Führung gleich zu Beginn der Kampagne bewirkte nicht den erhofften Zusammenbruch. Vielmehr trug dies offenbar zur moralisch-politischen Mobilisierung der herrschenden Elite und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei – in einem Land, das zu Beginn des Jahres noch von Spaltung geprägt war. Der Schaden, den der Iran bereit ist hinzunehmen, ist offenkundig größer als jener, der für die USA und ihre Verbündeten in der Region akzeptabel wäre, was ein weiterer Faktor seiner Widerstandsfähigkeit ist. Zwar hat die Islamische Republik erhebliche Zerstörungen erlitten, deren Wiederaufbau langwierig und teuer sein wird. Doch die Fundamente sind erhalten geblieben und haben sich durch die neuen Einnahmen aus den Meerenge-Durchfahrtsgebühren sogar noch gefestigt.
Drittens hat sich das allgemeine Kräfte- und Einflussgleichgewicht in der Region verschoben. Vor dem Krieg herrschte die Überzeugung vor, der Iran sei durch die innenpolitische Krise und die Erosion der „Achse des Widerstands” unter den Angriffen seiner Feinde geschwächt. Dies war ein Hauptmotiv für die geplante Militäraktion der USA und Israels, die als entscheidender Schlag zur Zerschlagung des Regimes und Lösung der „Iran-Frage” gedacht war. Diese Rechnung ging nicht auf, und nun spricht vieles für eine Wiederherstellung der geopolitischen Handlungsfähigkeit Teherans. Einerseits haben sich die Beziehungen zwischen dem Iran und den Golfmonarchien durch die Angriffe auf deren Einrichtungen verschlechtert – die Monarchien dürften durchaus Rachegelüste hegen. Andererseits: Wenn der Iran dem gemeinsamen Strafgericht der beiden wichtigsten Militärmächte der Region standgehalten hat, ohne nachzugeben, und diese ihre Ziele nicht erreichen konnten, dann reicht das Arsenal der Golfstaaten für einen Konflikt mit dem Iran erst recht nicht aus. Somit gewinnt die Idee eines Sicherheitskompromisses mit dem Iran – die in den letzten Jahren immer wieder aufgetaucht und wieder versandet ist – erneut an Aktualität.
Am wenigsten Grund zur Zufriedenheit hat Israel. Keines der Ziele, zu deren Erreichung die israelische Führung diesen Krieg vorangetrieben und die Beteiligung der USA forciert hatte, wurde verwirklicht. Dies könnte innenpolitische Folgen haben, da die Unzufriedenheit mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinen Koalitionspartnern ohnehin bereits zunimmt.
In Israel stehen Wahlen an, die mit Sicherheit im Zeichen dieser Kriegsphase stehen werden. Netanjahu wird für den Ausgang des Konflikts sowohl von rechts als auch von links kritisiert werden (so relativ diese Begriffe in der heutigen israelischen Politik auch sein mögen). Klar ist, dass sich Israel in der Libanon-Frage nicht dem Diktat Washingtons beugen wird – die Israelis betrachten den Süden des Nachbarlandes als notwendige Zone zur Sicherung der unmittelbaren physischen Sicherheit ihrer Bevölkerung und werden dort weiterhin eigenständig handeln. Das Weiße Haus wird Tel Aviv wohl höchstens ermahnen, ohne konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Der Iran könnte, wie schon vor einigen Tagen geschehen, Israel in regelmäßigen Abständen gezielte Schläge versetzen, um sein Interesse zu bekunden, und dabei eine ebenso dosierte Reaktion mit gleicher Zielsetzung erhalten.
Präsident Trumps Aufgabe war es, sich aus einem unangenehmen und aussichtslosen Konflikt zu befreien. Der angekündigte „große Deal” scheint ihm dies zu ermöglichen. Dass die Bedingungen tatsächlich erfüllt werden, ist jedoch nicht zu erwarten: Der Iran wird einen solchen Trumpf wie das Atomprogramm (was immer darunter verstanden wird) nicht aus der Hand geben, und die USA werden alles daransetzen, die Auszahlung iranischer Gelder zu vermeiden und die meisten Sanktionen gegen Teheran aufrechtzuerhalten. Die Verhandlungen könnten sich also noch lange hinziehen. Das Risiko eines neuen Krieges zwischen dem Iran und den USA bleibt selbstverständlich bestehen und ist spürbar. Dennoch scheint allen Beteiligten mittlerweile klar zu sein, dass dessen Ausgang derselbe sein würde wie der des aktuellen Konflikts.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. Juni 2026 zuerst auf der Homepage von „Russia in Global Affairs” erschienen.
Fjodor Lukjanow ist Chefredakteur der Zeitschrift „Russia in Global Affairs” seit deren Gründung im Jahr 2002, Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik Russlands seit 2012, wissenschaftlicher Direktor des Internationalen Diskussionsclubs „Waldai” sowie Forschungsprofessor an der Nationalen Forschungsuniversität „Höhere Schule für Wirtschaft”.
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