US-Vorgaben ignoriert: Israel setzt Bombenhagel im Südlibanon fort

Bei erneuten israelischen Luftangriffen im Südlibanon sind laut der libanesischen Staatsagentur NNA mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, zahlreiche weitere wurden verletzt. Das israelische Militär (IDF) bestätigte am Freitag die Angriffe auf Ziele im Süden des Nachbarlandes. Noch bevor das „Memorandum of Understanding“ (MoU) zwischen den USA und dem Iran endgültig unterzeichnet war, äußerte sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zu den jüngsten Ereignissen. Bereits zu Wochenbeginn betonte er, dass Israels „Kampf“ noch nicht zu Ende sei und seine Regierung „weiterhin mit Weisheit und Urteilsvermögen unseren Weg gehen“ werde.

Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte am Montag dieser Woche, dass „der Kampf“ für Israel noch nicht vorbei sei und „weitere Herausforderungen“ bevorstünden, nachdem die USA und der Iran eine Absichtserklärung zur Beendigung ihres Krieges bekannt gegeben hatten. Diese Erklärung enthält bereits in Punkt 1 eine klare Klausel, die ein Ende der Kampfhandlungen im Libanon sowie die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität des Landes vorsieht.

Am Donnerstag berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Kreise der Netanjahu-Regierung, dass ein „neuer Plan die Grenzen der erweiterten Besatzungszone im Libanon festlegt“. Damit würde Israel das „Abkommen zwischen den USA und dem Iran unmissverständlich in Frage stellen“.

Ein nicht namentlich genannter „hochrangiger israelischer Beamter“ erklärte gegenüber Reuters, Israel führe weiterhin „hartnäckige Verhandlungen“ mit Washington. Diese zielen demnach darauf ab, „seinen Truppeneinsatz bis zu 10 Kilometer (6,2 Meilen) tief im Südlibanon beizubehalten“. Als Hauptrechtfertigung wird der anhaltende Kampf gegen die Hisbollah angeführt. Der Artikel führt aus:

„Israel veröffentlichte am Donnerstag eine Karte, die eine erweiterte militärische Kontrollzone im Südlibanon zeigt, und erklärte, es schließe Angriffe auch jenseits dieser Zone nicht aus – und stellte damit die Bedingungen des Abkommens zwischen den USA und dem Iran in Frage.“

Laut der Times of Israel gaben die israelischen Streitkräfte am Freitag bekannt, dass sie in der Nacht erneut Luftangriffe durchgeführt „und ihre Angriffe auf Hisbollah-Terroristen und deren Infrastruktur in mehreren Gebieten im Südlibanon fortgesetzt“ hätten. Auch hier dient als bekannte Begründung, dass die Angriffe „eine Reaktion auf wiederholte Verstöße gegen den Waffenstillstand durch die vom Iran unterstützte Terrororganisation“ seien.

Al-Majadin, ein der Hisbollah nahestehender Sender, berichtete am Donnerstag, dass Teheran die Entsendung einer Delegation in die Schweiz aufgrund der anhaltenden israelischen Militäroffensive im Libanon „hinauszögere“ . Das für heute geplante Gipfeltreffen zwischen den Delegationen der USA und des Irans auf dem Bürgenstock in der Schweiz wurde in der Nacht zum Freitag schließlich abgesagt.

Israels Regierungschef Netanjahu erklärte zu Wochenbeginn mit Blick auf die Einschätzung seiner Regierung:

„So wie wir im Gazastreifen wieder für Sicherheit und Wohlstand gesorgt haben, werden wir dies auch in den Siedlungen im Norden tun. Dazu muss die Sicherheitszone im Südlibanon aufrechterhalten werden. Das bedeutet, dass wir dort so lange bleiben müssen, wie es die Sicherheitsbedürfnisse Israels erfordern, denn diese Zone trennt die Hisbollah von unseren Bürgern und unseren Siedlungen.“

Die libanesische National News Agency (NNA) beschrieb in einer Meldung den jüngsten nächtlichen IDF-Beschuss als „einen der heftigsten israelischen Angriffe auf das Gebiet, bei dem nach Mitternacht mehrere Häuser ins Visier genommen wurden“.

Laut NNA wurde israelisches Artilleriefeuer sowie Drohnenangriffe auf die Stadt Nabatieh, Kfar Joz und mehrere umliegende Ortschaften gemeldet, darunter Kfar Reman und Zebdine. Anschließend waren auch die Gemeinde Kfar Tibnit und die Rayhan-Höhen von mehreren Luftangriffen betroffen.

Eine von der IDF im April veröffentlichte Karte zeigte Israels Pläne für eine vorgesehene „Pufferzone“ oder „vordere Verteidigungslinie“, die ausschließlich entlang der israelisch-libanesischen Grenze im Südlibanon verlaufen sollte. Das militärisch kontrollierte Gebiet beschränkte sich dabei auf einen relativ schmalen Streifen in Grenznähe. Die aktuelle Karte vom Juni reicht hingegen mehrere Kilometer weiter nach Norden in den Libanon hinein als die Version vom April.

Israel hat internationale Forderungen, auch aus Washington, nach einem Truppenabzug aus dem Südlibanon zurückgewiesen. Das Land war im März als Reaktion auf Raketenangriffe der Hisbollah dort einmarschiert. Durch israelische Angriffe und die Zerstörung von Dörfern kamen Tausende Bewohner der betroffenen Gebiete ums Leben. Zudem lösten sie eine erneute Vertreibungs- und Flüchtlingskrise im Libanon aus.

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