Die Universität Münster setzt ein starkes politisches Signal und wird zur ersten Hochschule Deutschlands, die eine offizielle Islamisch-Theologische Fakultät einrichtet. Bislang existierte hierfür nur ein Zentrum für Islamische Theologie, das nun in den neu gegründeten Fachbereich 16 umgewandelt wird. Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist überzeugt: Diese Einrichtung werde europaweit als erste Fakultät ihrer Art „wahrgenommen werden“. In einem Gastbeitrag für Domradio lobte die CDU-Politikerin den Schritt und betonte, der entstehende „Campus der Religionen könne [sic!] nicht zuletzt helfen zu verstehen, dass Religionen weltweit einflussreich sind“.
Für den Universitätsdirektor Prof. Dr. Johannes Wessels ist die Gründung der Fakultät zum 1. Juli „ein gesellschaftspolitisches Zeichen für mehr Toleranz, das weit über Münster hinaus beachtet werden wird“. Schavan selbst bezeichnet die Neuerung als „Meilenstein“ und führt weiter aus:
„Es ist eine historische Erfahrung, dass Religionen Geschichten von Heil und Unheil schreiben. Das gilt bis in unsere Tage. Umso mehr bedarf es der wissenschaftlichen Reflexion und auch der Wirksamkeit von wissenschaftlicher Theologie in modernen Gesellschaften.“
Medienberichten zufolge erhält die Fakultät „weitreichende Zuständigkeiten in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung“. Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide, der seit 2010 die Professur für islamische Religionspädagogik innehat, wird ab Juli Gründungsdekan. Auf der Universitätswebsite wird er mit den Worten zitiert:
„Das Profil der Universität Münster als Ort der theologischen Vielfalt wird dadurch gestärkt. Dieser Schritt ist für viele Muslime in Deutschland ein eindrucksvolles und wichtiges Signal der Anerkennung.“
Die Webseite theology kommentiert den Vorgang wie folgt:
„Die Gründung ist daher mehr als Verwaltungsreform. Sie ist ein Prüfstein moderner Religionspolitik: Anerkennung muslimischer Lebenswirklichkeit, Stärkung akademischer Theologie und Einladung zu einem interreligiösen Dialog auf Augenhöhe. Für Kirchen eröffnet sich hier eine wichtige Chance: nicht nur über den Islam zu sprechen, sondern mit islamischer Theologie wissenschaftlich, kritisch und respektvoll ins Gespräch zu kommen.“
Der akademische Betrieb soll zum Wintersemester 2026/27 starten und wird von acht Professuren getragen. Die Universität informiert über den langwierigen Entwicklungsprozess:
„Für die Gründung des Fachbereichs 16 bedurfte es jahrelanger Vorbereitungen. Ausgangspunkt war die Einrichtung des ZIT im Jahr 2012. Drei Jahre später erarbeitete die ‚AG Theologien‘ erste Ideen für eine Weiterentwicklung des Zentrums. 2019 fasste das Rektorat den Beschluss, das ZIT in einen Fachbereich zu überführen.“
Vier der geplanten Professuren sind bereits konkretisiert, darunter Stellen für islamische Philosophie und den Islam in der Sozialarbeit. Derzeit sind rund 450 Studierende eingeschrieben – sowohl im Lehramt für alle Schulformen als auch in theologischen Bachelor- und Masterstudiengängen.
Die Evangelische Zeitung ergänzte bereits im April, dass sich die Zahl der am Islam-Theorien interessierten Personen an der Universität von ursprünglich 13 Studierenden und drei Beschäftigten auf inzwischen mehr als 450 Studierende und rund 80 Mitarbeiter erhöht hat.
Die frühere Vatikan-Botschafterin Schavan hält in ihrem Gastbeitrag fest, dass das „Interesse groß“ sei – so bleibe die Anzahl der Bewerbungen für Studienplätze in Münster weiterhin hoch. Seit dem 28. Juni 2022 regiert in Nordrhein-Westfalen eine schwarz-grüne Koalition aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen unter Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).
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