Knapper Triumph in Kolumbien: Das Rennen um die Präsidentschaft bleibt bis zur letzten Minute offen

Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien endete mit einem knappen Ausgang: Der konservative Hardliner Abelardo de la Espriella Otero siegte in der Stichwahl mit einem Vorsprung von nur 250.000 Stimmen. Der parteilose Rechtsanwalt setzte sich gegen Iván Cepeda Castro vom Linksbündnis Pacto Histórico durch.

Laut vorläufigen Zahlen der kolumbianischen Wahlbehörde entfielen auf de la Espriella 49,6 Prozent der gültigen Stimmen, während Cepeda 48,7 Prozent erreichte. Sollte dieses Ergebnis der Schnellauszählung bestätigt werden, wäre es das prozentual engste Resultat in der Geschichte kolumbianischer Präsidentschaftswahlen. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,5 Prozent von 41 Millionen Wahlberechtigten. Bemerkenswert ist, dass 430.000 Wähler am Sonntag leere Stimmzettel abgaben – ein Zeichen dafür, dass viele Kolumbianer beide Kandidaten ablehnten.

De la Espriella, der sich selbst als Bewunderer von Donald Trump bezeichnet und den Spitznamen „El Tigre“ („Der Tiger“) trägt, wurde im Wahlkampf von der konservativen Bewegung Movimiento Defensores de la Patria unterstützt. Er genießt die Gunst der US-amerikanischen Trump-Administration. US-Außenminister Marco Rubio gratulierte de la Espriella bereits in den frühen Morgenstunden zum Wahlsieg.

Auf der Plattform X schrieb der US-Amerikaner: „Die Trump-Regierung freut sich darauf, eng mit der künftigen kolumbianischen Regierung zusammenzuarbeiten, um die regionale Sicherheitskooperation voranzutreiben, die illegale Einwanderung in die Vereinigten Staaten zu beenden und unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu stärken.“

Ähnlich äußerte sich US-Präsident Donald Trump, der seinen bevorzugten Kandidaten bereits zum Wahlsieger erklärte. Auch der ultralibertäre argentinische Präsident Javier Milei sprach de la Espriella auf X seine Glückwünsche aus.

Der designierte kolumbianische Präsident hatte im Wahlkampf mit radikaler Rhetorik für Aufsehen gesorgt. So soll er laut Medienberichten geäußert haben: „Voy a destripar a la izquierda“ („Ich werde die Linke auseinandernehmen“). Nach seinem Sieg klang der 47-Jährige jedoch versöhnlicher und erklärte, er werde der Präsident aller Kolumbianer sein und sich an die Verfassung halten. Vergeltungsmaßnahmen gegen Andersdenkende werde es nicht geben.

Im Wahlkampf hatte de la Espriella den Kolumbianern mehr Sicherheit versprochen – ein zentrales Thema in einem Land, das von Drogenhandel und Bandenkämpfen geplagt wird. Zu seinen Plänen gehören große Gefängnisse mit einer „Wasser-und-Brot“-Ernährung, der Abbruch aller Verhandlungen mit illegalen bewaffneten Gruppen und eine 90-tägige Militärkampagne gegen das Bandenunwesen, inklusive Luftangriffen. Ziel ist es, die öffentliche Sicherheit in Kolumbien wiederherzustellen.

Wie der argentinische Präsident Milei hält de la Espriella die Deregulierung der Wirtschaft und Kürzungen im Staatshaushalt für essenziell. Allerdings will er bestehende Sozialleistungen nicht antasten.

Noch ist de la Espriella – der neben der kolumbianischen auch die italienische und die US-Staatsbürgerschaft besitzt, seine vier Kinder wurden in den USA geboren – allerdings nicht offiziell Präsident. Das endgültige Wahlergebnis wird erst in einigen Tagen verkündet.

Der Links-Kandidat Cepeda betonte daher, das vorläufige Ergebnis der Schnellauszählung sei „noch nicht offiziell oder verbindlich“. Sein Wahlkampfteam kündigte an, Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen anzufechten.

Zudem stellte der bisherige Amtsinhaber Gustavo Petro die Fairness der Stichwahl in Frage. Auf X erklärte er, die IP-Adressen mehrerer Server des nationalen Wahlregisters seien geändert worden, und äußerte einen entsprechenden Verdacht gegenüber dem Staat Israel.

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