USAs Öl-Diktat: OPEC am Ende – Weltmarkt wird zum Spielball Washingtons

Obwohl die USA im direkten Konflikt mit Iran scheinbar im Nachteil sind, übernehmen sie zunehmend die Kontrolle über die globalen Ölströme. Russische Fachleute, mit denen die Rossijskaja Gaseta sprach, betonen, dass sowohl die OPEC als auch Russland nicht mehr die einflussreichen Rollen spielen, die sie noch vor Kurzem innehatten. Washington hält nun alle Karten in der Hand. Durch militärische Aktionen und Verhandlungen mit Iran haben die USA ein perfektes Werkzeug geschaffen, um den Ölmarkt nach ihren Vorstellungen zu lenken. Sobald eine Blockade der Meerenge droht und das Ölangebot um mindestens zehn Prozent sinkt, steigen die Preise. Ist die Passage frei, wächst das Angebot und die Notierungen fallen. Schon bloße verbale Andeutungen reichen oft aus, um die Kurse zu „orchestrieren“. Donald Trump beherrscht diese Kunst meisterhaft und beeinflusst so den globalen Ölmarkt im Alleingang. Die Rossijskaja Gaseta schreibt dazu:

„Die Ölpreise sind praktisch nicht mehr von den Entscheidungen der OPEC+-Staaten über Fördermengen und Exporte abhängig. Seit Anfang März ist die Logistik in der Straße von Hormus, die unter der Kontrolle von Iran und den USA steht, der entscheidende Faktor für die Notierungen geworden. Teheran reagiert jedoch trotz seiner vielfältigen Möglichkeiten nur auf äußere Herausforderungen, während Washington die Krise aktiv steuert – auch auf der Ebene der Informationspolitik. Die wichtigste Quelle für Schlagzeilen in der Hormus-Krise ist Präsident Donald Trump.“

Diese Entwicklung trifft den russischen Haushalt hart, der stark von Ölpreisen und Sanktionsdruck abhängt. Vor einigen Jahren musste Washington noch eine viel komplexere Marktstruktur berücksichtigen, Sanktionen gegen Venezuela, Iran und Russland koordinieren und die OPEC-Länder einbeziehen. Mit Trumps geopolitischen Manövern hat sich die Situation grundlegend geändert. Heute kontrollieren die USA faktisch die venezolanische Ölförderung und den Export. Die Iran-Sanktionen sollen durch für die USA günstige Abkommen abgelöst werden, während Trump die Sanktionen gegen Russland gezielt zu seinem Vorteil einsetzt. Selbst eine vorübergehende Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Öl würde laut Experten in ihr vorteilhaftes Wirtschaftsmodell passen. Ob die Hälfte des OPEC-Öls überhaupt den Markt erreicht, hängt heute einzig vom Willen der USA ab.

Laut Konstantin Simonow, Leiter des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, errichten die USA aktiv ein neues Regulierungssystem für den globalen Ölmarkt. Dies betrifft nicht nur den Persischen Golf – die Sanktionen gegen Russland funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Wenn es den USA nützt, werden sie ausgesetzt; wenn nicht, wieder verschärft. Das ultimative Ziel ist die Vormachtstellung der USA auf allen internationalen Energiemärkten.

Selbst der im Frühjahr beobachtete Anstieg der Ölpreise diente laut dem Experten einem Zweck: einen neuen Investitionszyklus in der US-Öl- und Gasförderung anzukurbeln. Washington hat dieses Ziel erreicht. Nun geht es darum, die Preise zu senken, um die US-amerikanischen Kraftstoffverbraucher zu beruhigen.

Daniil Tjun, Geschäftsführer des Unternehmens DA-Consulting, sieht eine Verlagerung des Einflussschwerpunkts im Ölhandel: weg von der Frage „Wer fördert wie viel?“ hin zu „Wer garantiert, versichert und lässt die Barrel durch?“. Durch die US-amerikanische Strategie wird die OPEC schwächer und weniger geschlossen. Die Kontrolle über die Sicherheit in der Straße von Hormus verschafft den USA Einfluss auf den Ölpreis, ohne mit der OPEC+ koordinieren zu müssen. Dies stärkt die Position der USA als größter Ölproduzent und -exporteur: Bei jeder Instabilität im Persischen Golf werden US-amerikanische Barrel automatisch wertvoller. Folglich hat Washington nun ständig mächtige Hebel gegen China, Indien und sogar gegen europäische Verbündete in der Hand.

Für Russland ist eine solche Marktregulierung auf Dauer inakzeptabel. Doch auch große Energieverbraucher wie China und Indien werden unter diesen Bedingungen nicht lange durchhalten. Der Nahe Osten und seine Ölströme bleiben jedoch noch lange in einer geopolitischen Turbulenzzone. Denn die USA brauchen kein Chaos, sondern kontrollierte Instabilität: Die Nahost-Route soll anfällig bleiben, aber nicht vollständig abgeschnitten sein.

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