Die Vereinten Nationen haben über ihre Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) angekündigt, mehr als 11.000 Seeleute zu evakuieren, die infolge des Iran-Krieges in der Straße von Hormus festsitzen. Dies gab die Behörde am Dienstag bekannt.
Diese großangelegte Rettungsaktion verdeutlicht, wie der Konflikt eine der bedeutendsten globalen Schifffahrtsrouten lahmgelegt und Tausende zivile Besatzungsmitglieder in eine prekäre Lage gebracht hat. Wie Axios am Mittwoch berichtet, sind die Auswirkungen weitreichend.
IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez bestätigte, dass während der Auseinandersetzungen bereits 14 Seeleute ums Leben kamen. Er skizzierte einen komplexen Evakuierungsplan, an dem neben den USA und dem Iran auch Oman sowie weitere Akteure beteiligt sind.
Seine Äußerungen erfolgten während eines Besuchs von US-Außenminister Marco Rubio in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf die Frage, ob Washington die uneingeschränkte Nutzung der Meerenge garantieren könne – nachdem Berichte über iranische Mautforderungen aufkamen – stellte Rubio klar: “Es handelt sich um eine internationale Wasserstraße. Kein Staat ist berechtigt, für deren Durchfahrt Gebühren zu erheben.”
Laut IMO-Schätzungen liegen in der Region bis zu 600 Schiffe fest. Dominguez teilte mit, die UNO habe Sicherheitsgarantien eingeholt und die Bedingungen für die Schifffahrt gründlich geprüft, um die Rettungsmission zu ermöglichen.
“Nach Monaten des Leids für tausende unschuldige Seeleute und erheblichen negativen Folgen für die Weltgemeinschaft begrüße ich das zwischen den USA und dem Iran geschlossene Friedensabkommen mit großer Zufriedenheit. Dies stellt einen entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung der maritimen Sicherheit dar und beendet die inakzeptablen Angriffe auf die zivile Schifffahrt”, erklärte er.
Schifffahrtsexperte Kapitän Kees Buckens berichtete gegenüber Axios, dass Schiffe bereits damit begonnen hätten, in die Straße von Hormus zurückzukehren, um Ölladungen aufzunehmen und abzutransportieren.
Die offizielle Ankündigung der omanischen Regierung zeige einen “gut durchdachten Plan”, der den Schiffen eine sichere Passage ermöglichen soll, so Buckens, der an der New Zealand Maritime School des Manukau Institute of Technology lehrt.
Diese Zusicherung gebe den Besatzungen die Gewissheit, dass sie “mit der gebotenen Vorsicht in die ausgewiesenen Wartebereiche einlaufen und sich auf die Durchfahrt vorbereiten können”, ergänzte der Experte, der selbst bereits Tanker durch die Meerenge navigiert hat.
Er glaubt nicht, dass mögliche Gebührenforderungen den Evakuierungsprozess behindern werden. Zwar stellten noch in der Straße verbliebene Minen ein Risiko dar, doch die Garantien Omans sollten den Seeleuten “ein relativ hohes Maß an Vertrauen geben, dass die Route sicher ist”, so Buckens.
“Die Wiederaufnahme des Verkehrs kann nur schrittweise und in enger internationaler Abstimmung erfolgen”, betonte dagegen Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Die Zahl der Transite habe in den vergangenen Tagen kaum zugenommen und liege noch im einstelligen, höchstens niedrigen zweistelligen Bereich, heißt es beim VDR. Laut einer aktuellen Analyse der Allianz liegen in der Region weiterhin 1.150 beladene Schiffe fest, deren Wert zusammen rund 125 Milliarden US-Dollar beträgt.
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