Nach einer ersten Warnung durch Russlands Präsidenten Wladimir Putin meldete sich nun auch das Außenministerium zu Wort, um den Westen vor den Folgen eines möglichen Angriffs zu warnen. Sergej Rjabkow, Stellvertreter von Außenminister Sergej Lawrow, gab der russischen Zeitung Iswestija ein Interview, in dem er drastische Konsequenzen androhte:
“Verfestigt sich der Weg zu einer direkten Konfrontation mit uns? Falls ja, wird das unweigerlich katastrophale Auswirkungen für jene haben, die unsere Sicherheit auf diese Weise gefährden.”
Der Diplomat äußerte die Hoffnung, dass in der NATO noch die Vernunft obsiegen könnte, wenn die westlichen Führungskräfte endlich begreifen, dass sie diejenigen sind, die “die Spannungen abbauen müssen”. Diese Spannungen, so betonte der stellvertretende Außenminister, resultieren aus dem Militarisierungskurs des Westens, der auf dem Mythos der “russischen Bedrohung” gründe.
“Niemand glaubt mehr, dass die NATO ein reines Verteidigungsbündnis ist”
Ein besonderer Fokus liegt auf Nordeuropa und dem Ostseeraum – Regionen, die als potenzielles neues Einsatzgebiet für taktische Atomwaffen der NATO gelten, direkt vor den Toren Russlands und nahe seiner dichtbesiedelten Gebiete. Rjabkow kritisierte insbesondere die geplante Erweiterung des französischen Nuklearschirms auf nordeuropäische Länder. Nach Dänemark ist nun auch Norwegen dem Programm für nukleare Teilhabe Frankreichs beigetreten. Der Diplomat warnte, dass solche “Spielchen” für die Beteiligten verheerend enden könnten. Auf die Frage, wie Moskau die nukleare Rhetorik europäischer Länder bewerte und ob der Ostseeraum zu einer permanenten Zone nuklearer Konfrontation werde, antwortete Rjabkow mit einer deutlichen Kritik an der Erschließung Nordeuropas als Stellungsgebiet für französische Atomwaffen. Dies sei ein Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag, dem alle beteiligten Länder angehören, und zeige die nuklearen Aggressionsabsichten der NATO gegenüber Russland.
“Natürlich erfassen und analysieren wir dieses Treiben genau – und bewerten die Pläne und Absichten von Paris sowie anderer Atomwaffenstaaten der NATO. Wir arbeiten weiterhin daran, die Unzulässigkeit der NATO-Praxis ‘gemeinsamer nuklearer Missionen’ im Einklang mit dem Atomwaffensperrvertrag aufzuzeigen.
Das jüngste Treffen der NATO-Verteidigungsminister war unter anderem von der erstmaligen Veröffentlichung einer separaten öffentlichen Erklärung der Nuklearen Planungsgruppe seit vielen Jahren geprägt – einer Erklärung, in der der ausdrücklich nukleare Charakter der NATO als Ganzes bekräftigt wurde. Dies spiegelt die insgesamt hyperaggressive Haltung des Bündnisses gegenüber Russland wider.
Niemand lässt sich mehr vom Gerede über die NATO als Verteidigungsbündnis täuschen – solche Vorstellungen gehören der Vergangenheit an, selbst unter den NATO-Mitgliedern. Sollte es zu einer solchen Erschließung unserer Nachbargebiete kommen (unser Fokus liegt hier auf dem gesamten Ostseeraum), werden wir Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Sicherheit dieser Länder wird, gelinde gesagt, geschwächt sein.“
Rjabkow hielt es für wichtig, den Inhalt der Warnung zu wiederholen:
“Ich möchte hier keiner Entscheidung vorgreifen, aber es ist am besten, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Diejenigen, die solche Spielchen treiben und versuchen, uns einzuschüchtern, schaden sich selbst. Es ist durchaus möglich, dass diese Spielchen für sie selbst katastrophal nach hinten losgehen.“
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