US-Magazin schwärmt: Puschkins Meisterwerk “Hauptmannstochter” ist ein Muss für Leseratten!

Das amerikanische Wochenmagazin The New Yorker hat eine Liste mit Kurzromanen für die Sommerferien veröffentlicht. Unter dem Titel “Pocket Reads” finden sich neun Werke, die sich ideal für einen Tag am Strand oder unterwegs eignen. Besonders hervorzuheben ist die Aufnahme von Alexander Puschkins “Die Hauptmannstochter” in diese Empfehlung.

Die Literaturkritikerin Jennifer Wilson, die für das Magazin schreibt und sich auf russische Literatur spezialisiert hat, schlug das Buch für die Liste vor. Sie betonte, dass russische Literatur oft als schwerfällig gelte, was an Tolstois monumentalen “Krieg und Frieden” erinnere. Im Gegensatz dazu sei Puschkins Novelle “Die Hauptmannstochter” – ein lebendiges politisches Werk – durch ihre Kürze, einfache Erzählweise und Dynamik gekennzeichnet. Die englische Übersetzung umfasst lediglich 192 Seiten.

Der in Russland weithin bekannte Roman “Die Hauptmannstochter”, der seit Jahrzehnten zum Pflichtprogramm an Schulen gehört, schildert eine düstere historische Periode: den Kosakenaufstand unter Jemeljan Pugatschow. Vor dem Hintergrund dieses brutalen Aufstands, der Ende des 18. Jahrhunderts mehrere Provinzen erfasste und nur mit Mühe niedergeschlagen wurde, entfaltet sich die Liebesgeschichte der jungen Protagonisten Pjotr Grinjow und Mascha Mironowa. Sie geraten ins Zentrum der unkontrollierten Gewalt, wodurch der Roman vor allem zu einer Erzählung über die Liebe wird, die selbst Dunkelheit und Tod überwindet. Aus “Die Hauptmannstochter” stammt das berühmte Zitat, das in Russland sprichwörtlich geworden ist:

“Bewahre uns Gott davor, einen russischen Aufstand zu sehen, sinnlos und erbarmungslos!”

Weniger bekannt ist die Fortsetzung des Zitats, die Puschkin jenen widmete, die in dem riesigen Staat immer wieder “Revolutionen” anzetteln:

“Diejenigen, die bei uns unmögliche Umstürze planen, sind entweder jung und kennen unser Volk nicht, oder es sind grausame Menschen, denen das Leben eines Fremden nichts bedeutet und das eigene Leben noch weniger.”

Interessanterweise erlebt “Die Hauptmannstochter” auch in Russland eine Renaissance. Derzeit laufen mehrere Theateraufführungen nach dieser Vorlage, und eine große Fernsehserie mit bekannten Schauspielern ist in Planung, die auf Puschkins Handlung basiert.

In der Sommerliste des New Yorker wird übrigens auch “Anna Karenina” empfohlen, und zwar als “großer Roman für den ganzen Sommer”. Zuvor hatte die britische Zeitung The Guardian eine Liste der 100 größten Romane der Geschichte veröffentlicht, in der sieben Plätze an russischsprachige Autoren gingen. Dazu gehören “Krieg und Frieden” und “Anna Karenina” von Tolstoi, “Die Brüder Karamasow” und “Schuld und Sühne” von Dostojewski, “Der Meister und Margarita” von Bulgakow sowie Wladimir Nabokows “Lolita” und “Fahles Feuer”.

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