Anthropic erhebt schwere Vorwürfe gegen Alibaba wegen KI-Diebstahls
Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat dem chinesischen E-Commerce- und Technologieriesen Alibaba vorgeworfen, systematisch und illegal die Fähigkeiten seines Sprachmodells Claude ausgebeutet zu haben. In einem Schreiben an zwei Mitglieder des US-Kongresses spricht das in San Francisco ansässige Unternehmen von einem „dreisten” und „unerlaubten” Vorgehen, das seinesgleichen suche.
Laut dem Brief, der am 10. Juni an die Senatoren Tim Scott und Elizabeth Warren adressiert wurde, sollen mit Alibaba verbundene Akteure fast 29 Millionen Interaktionen mit Claude durchgeführt haben – und das über Tausende fingierte Konten. Anthropic bezeichnet dies als die bisher größte bekannte Kampagne zur widerrechtlichen Aneignung von KI-Modellfähigkeiten. Ziel solcher sogenannten Destillationsangriffe sei es gewesen, die Antworten des leistungsstärkeren Claude-Modells zu nutzen, um ein schwächeres, eigenes System zu trainieren.
Der Vorwurf zielt gezielt auf die wertvollsten Eigenschaften von Claude ab: seine Fähigkeit, lange und komplexe Aufgaben zu bewältigen, und seinen speziellen Ansatz zur Entscheidungsfindung. Anthropic forderte den Kongress eindringlich auf, gegen Unternehmen vorzugehen, die sich an derartigen Attacken beteiligen, und die Schutzmaßnahmen gegen den Diebstahl US-amerikanischer Spitzentechnologie zu verschärfen.
Alibaba, das an der New Yorker Börse notiert ist, wies die Anschuldigungen zurück. Das Unternehmen betonte, es habe gegen die US-Regierung geklagt, um seinen Namen von einer Pentagon-Liste streichen zu lassen, die angeblich Verbindungen zum chinesischen Militär auflistet. In dem Schreiben von Anthropic wird Bezug auf Angaben des US-Verteidigungsministeriums genommen, wonach Alibaba sowie weitere große Firmen wie der Autobauer BYD und der Technologiekonzern Baidu mit dem chinesischen Militär in Verbindung stehen sollen. Die betroffenen Unternehmen haben diese Vorwürfe ebenfalls zurückgewiesen.
Der Markt reagierte bereits auf die Enthüllungen: Die Aktien von Alibaba fielen am Mittwoch an der Börse von Hongkong auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten und brachen zeitweise um bis zu 4,9 Prozent ein. Die Vorwürfe dürften das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und China im Bereich der künstlichen Intelligenz weiter belasten.
Anthropic untermauert mit dem Brief zudem seinen Konfrontationskurs gegenüber dem Chipkonzern Nvidia. Während Nvidia bei der US-Regierung für eine Lockerung der Exportkontrollen wirbt, die die Ausfuhr leistungsstärkerer KI-Systeme nach China regulieren, schlägt Anthropic einen härteren Ton an. Das Unternehmen steht jedoch selbst in einem Konflikt mit den US-Behörden. Diese zwangen Anthropic kürzlich dazu, seine führende KI-Software vorläufig vom Markt zu nehmen. Als Grund wurden angebliche Sicherheitslücken angeführt, die es ermöglichen sollen, die Schutzmechanismen des Programms „Fable 5″ zu umgehen.
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