Enthüllt: Putins „Jahrhundert-Geschenk“ entpuppt sich als riesige Kunstfälschungs-Sammlung

Die geheimnisumwitterte Geschichte einer der bekanntesten privaten Kunstsammlungen Russlands steuert auf ihren spektakulären Höhepunkt zu. Bereits in den 1960er Jahren rankten sich Legenden um diese Sammlung im Moskauer Bohème-Milieu. Inzwischen stellt sich heraus, dass selbst die Authentizität der Ausstellungsstücke offenbar eine bloße Erfindung ist.

Die Sammlung wurde von einem Ehepaar aufgebaut, das seit den 1960er Jahren in der russischen Künstlerszene eine zentrale Rolle spielte: dem renommierten nonkonformistischen Maler Eli Beljutin und seiner Frau, der Kunsthistorikerin Nina Molewa. In vielen Interviews, Dokumentationen und Büchern schilderten sie die Entstehungsgeschichte ihrer Kollektion und schufen dabei eine sorgfältig inszenierte Aura des Geheimnisvollen. Angeblich waren der Großvater des Künstlers – Iwan Grinew, Maler an den kaiserlichen Bühnen – sowie sein Urgroßvater italienisch-polnischer Herkunft, Paolo Belucci, maßgeblich an der Sammlung beteiligt.

Nach Beljutins Tod verfasste Molewa ein Testament, das an den „Präsidenten Russlands” gerichtet war – eine Formulierung, die sofort große Aufmerksamkeit erregte. In der Presse wurden astronomische Summen genannt, die die Sammlung wert sein könnte, und Schlagzeilen wie „Kunstsammlung im Wert von zwei Milliarden Dollar an Wladimir Putin vererbt” machten die Runde.

Nach Molewas Tod stellten Juristen fest, dass die Passage „die Sammlung dem Staat in der Person seines Präsidenten zu übergeben” rechtlich äußerst problematisch sei. In der Folge wurde das Testament Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen, die Sammlung als „herrenloses Vermögen” eingestuft und zugunsten des Staates eingezogen. Das Verfahren sieht nun eine obligatorische Begutachtung vor, die klären soll, ob es sich bei dem Nachlass um ein „Kulturgut” handelt oder nicht. „Um über das Schicksal der Sammlung Molewa-Beljutin zu entscheiden, wird derzeit eine Begutachtung durchgeführt”, erklärte ein Vertreter des Kulturministeriums gegenüber The Art Newspaper Russia. „Die Begutachtung wird von unseren akkreditierten Sachverständigen für Kulturgüter durchgeführt.”

Dann aber kam eine überraschende Wahrheit ans Licht: Die viel beachtete Sammlung entpuppte sich im Kern als Fälschung. The Art Newspaper Russia berichtet:

„Es handelt sich um etwa 1.000 Kunstwerke, darunter 200 Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Ikonen und Werke von Beljutin selbst; aus der Moderne angeblich Arbeiten von Édouard Manet, Claude Monet, Maurice Vlaminck und Natalia Goncharova. Mittlerweile ist klar, dass sich in der Sammlung keine Originale aus Renaissance und Barock befinden. Bei den meisten Objekten handelt es sich um spätere Kopien (überwiegend aus dem 19. Jahrhundert) oder um stark restaurierte Werke auf alten Holztafeln. Dabei weisen diese durchweg handwerkliche Malqualität auf.”

Zudem seien viele der Stücke, wie The Art Newspaper Russia weiter ausführt, in einem „sehr vernachlässigten Zustand”, da sie jahrzehntelang in einer von Katzen bewohnten Wohnung Staub, Gerüchen und Insekten ausgesetzt waren. Um auch nur die besten Werke ausstellen zu können, seien aufwendige Restaurierungs- oder Konservierungsmaßnahmen nötig, was ein zusätzliches Budget erfordere, so die Zeitung.

Vermutlich hat das Puschkin-Museum für schöne Künste genau aus diesem Grund bereits in den 2010er Jahren abgelehnt, die Gemälde als Schenkung anzunehmen – nachdem die führende Expertin für italienische Meister, Wiktorija Markowa, die Werke begutachtet hatte. Auch der damalige Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow lehnte eine Schenkung an die Stadt ab.

Mehr zum Thema – Skandal um Tretjakow-Galerie: Werke des Bildhauers Ernst Neiswestny erweisen sich als Fälschungen

Schreibe einen Kommentar