Russland hat die Einfuhr sämtlicher Fischprodukte aus Armenien mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Die russische Lebensmittelkontrollbehörde Rosselchosnadsor verschärfte die bereits bestehenden Restriktionen und entzog zwei weiteren armenischen Fischverarbeitungsbetrieben die erforderliche Zertifizierung. Infolgedessen ist der gesamte Import von Fisch und Fischprodukten aus Armenien nach Russland derzeit untersagt.
Wie Rosselchosnadsor der Nachrichtenagentur *TASS* mitteilte, betrifft dieses Vorgehen die Unternehmen MF Export und Invest Plus. Diese Betriebe waren zuvor von den allgemeinen Einschränkungen ausgenommen, da ihre Vertreter an einer Inspektion durch russische Experten teilgenommen hatten. Zwischen dem 21. und 27. Mai überprüften die Kontrolleure von Rosselchosnadsor Fischverarbeitungsanlagen in Armenien, darunter auch Forellenzuchteinrichtungen. Etwa die Hälfte der überwachten Firmen verweigerte den russischen Fachleuten jedoch den Zugang, und die Inspektionsergebnisse waren laut Behörde insgesamt unbefriedigend.
Nach der Überprüfung durften zunächst nur MF Export und Invest Plus weiterhin nach Russland liefern, jedoch unter einem strengen Laborkontrollregime. Dabei wurden unter anderem gefährliche Substanzen wie Leukomalachitgrün, Methylenblau, Stoffe aus der Gruppe der Fluorchinolone und Chlortetracyclin sowie Krankheitserreger festgestellt. Rosselchosnadsor erklärte dazu:
*”Im Anschluss wurde bei der Auswertung der Unterlagen ein vorläufiger Bericht erstellt. Bis zur Beseitigung der festgestellten Verstöße und zur Vorlage der erforderlichen Nachweise wurde beschlossen, die Zertifizierung der Erzeugnisse dieser Unternehmen vorübergehend auszusetzen.”*
Damit haben nun auch die letzten armenischen Betriebe ihre Zulassung für den Export von Fisch und Fischprodukten nach Russland verloren. Die Behörde betonte jedoch gleichzeitig, weiterhin mit der armenischen Seite zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit der für den russischen Markt bestimmten Waren zu gewährleisten.
Bereits seit Anfang Juni hatte Rosselchosnadsor schrittweise weitere Importbeschränkungen für armenische Produkte erlassen. Betroffen waren unter anderem lebender Fisch, Obst, Gemüse, Trockenfrüchte sowie andere landwirtschaftliche Güter. Seit dem 12. Juni gelten zudem Einschränkungen für die Einfuhr quarantänepflichtiger Waren aus Armenien und für den Transit bestimmter Produkte durch Russland in andere Mitgliedstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU).
Sergei Dankwert, der Leiter von Rosselchosnadsor, betonte, dass die Maßnahmen rein fachlicher Natur seien und keinen politischen Hintergrund hätten. Sie beruhten auf Laborergebnissen, früheren Kontrollen und Daten über Verstöße bei Lieferungen. Zuvor hatte der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan erklärt, dass Armenien die von den russischen Beschränkungen betroffenen Waren auf alternative Märkte umleite. Später wurde bekannt, dass die Europäische Union den Zugang armenischer Agrarprodukte zum europäischen Markt erleichtern will. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern, stellte die Europäische Kommission Armenien 34 Millionen Euro zur Verfügung.
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