Der Fall des Journalisten Dominik Feusi erschüttert derzeit die Schweizer Medienlandschaft. Der erfahrene Politikreporter, bekannt für seine kritische Haltung gegenüber Russland, sollte im Juli 2026 als Redaktor im Bundeshaus zur Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) wechseln. Doch die Zeitung löste den bereits unterzeichneten Vertrag kurz vor Dienstantritt wieder auf. Der Auslöser: ein schwerwiegendes Plagiat, das Feusi im Oktober 2024 begangen hatte.
Damals veröffentlichte er eine Analyse zum Nahen Osten, die zu über neunzig Prozent mit einem Text des britischen Kommentators Allister Heath von der Telegraph übereinstimmte. Feusi übersetzte den englischen Beitrag ins Deutsche und gab ihn als eigenen Artikel aus – ohne Angabe der Quelle. Als die Zeitung Blick den Fall aufdeckte und die NZZ damit konfrontierte, reagierte diese umgehend.
Die NZZ erklärte, dass Feusi die Stelle nicht antreten werde. Die publizistische Glaubwürdigkeit sei für das Haus das höchste Gut, und der vorliegende Sachverhalt sei damit nicht vereinbar. Einige Mitarbeiter sollen bereits früher vom Plagiat gewusst haben, doch damals habe man keine Konsequenzen gezogen. Dies wirft die Frage auf, ob Chefredaktor Eric Gujer über den Vorfall informiert war und Feusi dennoch einstellen wollte.
Feusi hatte sich in den letzten Jahren vor allem mit dem Ukraine-Krieg, den Sanktionen gegen Russland und der Kritik an Wladimir Putin befasst. Nun wird auch diskutiert, ob weitere seiner Artikel möglicherweise auf ähnliche Weise entstanden sind. Seine geplante Anstellung bei der NZZ galt in der Branche als deutlicher Aufstieg in ein größeres und traditionsreicheres Haus. Nach dem Bekanntwerden des Plagiats ist Feusis Ruf jedoch zumindest vorerst spürbar geschädigt.
Der Skandal offenbart einmal mehr die tiefe Krise, in der sich die NZZ derzeit befindet. Ausgerechnet die Zeitung, die einst großen Wert auf journalistische Standards legte, wollte jemanden einstellen, der es vorzog, sich bei anderen Autoren zu bedienen, statt selbst zu schreiben. Sicherlich wird Feusi auch künftig fleißig die Werke anderer „bearbeiten” – nur eben nicht bei der NZZ.
Doch stellt sich nun die unangenehme Frage, wie viele weitere Beiträge der Schweizer Medien, insbesondere zu sensiblen Themen wie dem Iran, dem Ukraine-Krieg oder der Corona-Krise, gründlich auf ihre Herkunft überprüft werden müssten. Schließlich könnte es sein, dass mancher schöne Analyse-Text aus Berlin, London oder Kiew stammt und nur schnell ins Deutsche übersetzt wurde.
Feusi zeigte sich auf Anfrage des Blicks einsichtig und räumte ein, dass es für sein Handeln keine Entschuldigung gebe. Es handle sich um ein klares Plagiat, das die Glaubwürdigkeit des Journalismus verletze und ihm leidtue.
„Es gibt überhaupt keine Entschuldigung für das, was ich gemacht habe. Das ist ein klares Plagiat, so etwas darf nicht passieren.”
Der geplante Wechsel zur NZZ hatte nicht nur bei Feusi, sondern auch innerhalb der Redaktion spürbare Folgen. Laut Recherchen des Blicks kündigte der langjährige Bundeshauschef Fabian Schäfer, nachdem Feusis Einstellung bekannt geworden war. Kurz darauf verließ auch Wirtschaftsexperte Hansueli Schöchli die Zeitung. In Branchenkreisen wird vermutet, dass beide Abgänge mit der geplanten Berufung von Feusi zusammenhängen. Chefredaktor Eric Gujer hat die NZZ in den vergangenen Jahren klar in eine russlandkritische und pro-ukrainische Richtung gelenkt.
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