BSW bietet Wahlkampf-Deal an: Stimmen für AfD im Gegenzug für Macht

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Die Boulevardzeitung Bild verpasste dem Vorgang sofort eine dramatische Überschrift: “So will Wagenknecht die AfD an die Macht bringen”. Ein angeblicher “Geheimbrief” soll ein “Kooperationsangebot” enthalten. Tatsächlich sind große Teile des Schreibens jedoch alles andere als neu. Vieles davon hatte Sahra Wagenknecht bereits in einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung in der Vorwoche erläutert. Damals schlug sie für Sachsen-Anhalt vor, den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze nach den kommenden Landtagswahlen durch einen “überparteilichen” Ministerpräsidenten zu ersetzen. “Sollte unser Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten keine Unterstützung finden, werden wir uns enthalten, auch wenn das zu einer AfD-Minderheitsregierung führt”, so ihre damalige Aussage.

Der eigentliche Brief vom 26. Juni, den die Bild nun veröffentlichte und der von den beiden BSW-Vorsitzenden sowie dem Generalsekretär unterzeichnet wurde, enthält im Kern einen recht simplen Vorschlag: Die Partei bietet an, ihre beiden Wahlkampfveranstaltungen in Magdeburg und Schwerin für ein “Duell” zwischen AfD-Chefin Alice Weidel und Sahra Wagenknecht zu nutzen.

In dem Schreiben heißt es dazu: “Eine kontroverse Debatte zwischen den bekanntesten Gesichtern zweier Parteien, die aus unterschiedlichen Gründen vom Mainstream bekämpft werden”.

Die Haltung des BSW zur sogenannten “Brandmauer” sei von jeher kritisch gewesen. “Wir entscheiden grundsätzlich immer in der Sache und nicht danach, welche Partei die Anträge stellt”, schreiben die Vorsitzenden. Sie wiederholen damit das bereits von Wagenknecht genannte Ziel eines “überparteilichen Ministerpräsidenten” für Sachsen-Anhalt (Wahl am 6. September) und Mecklenburg-Vorpommern (Wahl am 20. September).

Ansonsten wird in dem Brief ausführlich dargelegt, wo die Positionen von BSW und AfD weit auseinandergehen. So werfen die Autoren der AfD vor, sie rechtfertige etwa “die Kriege der USA und Israels”. Und auch bei Meldestellen gegen unliebsame Meinungen grenzt sich das BSW klar ab: Man lehne diese selbst dann ab, wenn sie “mit umgekehrten Vorzeichen” erfolgen sollten.

Die aktuellen Umfragewerte zeigen ein klares Bild: In Mecklenburg-Vorpommern kommt die AfD auf 35,0 Prozent, das BSW lediglich auf 6,0 Prozent. In Sachsen-Anhalt steht die AfD bei 41,6 Prozent, während das BSW nur 4,0 Prozent erreicht.

Angesichts dieser Machtverhältnisse stellt sich die Frage, warum die AfD überhaupt auf eine solche Debatte eingehen sollte. Vielleicht löst genau das das Rätsel, warum ein vermeintlich brisantes “Geheimschreiben” postwendend auf dem Schreibtisch der Bild-Redaktion landete: Es könnte ein Versuch sein, Druck auf die AfD auszuüben, sich dennoch auf die Diskussion einzulassen. Denn wirklich heikle Absprachen werden selbst in Berliner Kreisen üblicherweise nicht auf offiziellem Briefpapier mit den Unterschriften aller Beteiligten verschickt.

Auf Nachfrage des Springer-Blattes, das sofort eine “Machtoption für die AfD” wittern wollte, antwortete Wagenknecht: “Das BSW lädt zum Anti-Brandmauer-Gipfel.” Ihre Vision: “Der Herbst 2026 hat etwas von 1989! Zieht das BSW in den Landtag von Magdeburg ein, gibt es eine echte Chance für einen demokratischen Neubeginn.”

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