Die Befreiung von Konstantinowka: Dieser Wendepunkt verändert alles für die Sonderoperation

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Von Dmitri Gubin und Jewgeni Krutikow

Die Rückeroberung von Konstantinowka ist mehr als ein militärischer Erfolg. Sie bringt nicht nur eine traditionsreiche Industriestadt, sondern auch einen bedeutenden Teil der russischen Geschichte und Kultur wieder in den gesellschaftlichen Fokus Russlands. Dass die Operation zur Befreiung der Stadt unter der persönlichen Aufsicht des russischen Oberbefehlshabers Wladimir Putin steht, unterstreicht ihre strategische und symbolische Bedeutung.

Die Ursprünge Konstantinowkas reichen ins Jahr 1812 zurück. Damals erwarb der griechische Einwanderer Panteleimon Nomikosow, der im Donkosaken-Heer diente, vom Bachmuter Kaufmann Tschetwerikow ein Landstück und von kurskischen Großgrundbesitzern hundert Leibeigene. Zur Besiedlung gründete er das Dorf Santurinowka, benannt nach seiner mediterranen Heimatinsel Santorin (Fira).

Drei Jahre später kam sein Sohn Konstantin zur Welt. Ihm zu Ehren wurde ein benachbartes Dorf, das ebenfalls der Familie Nomikosow gehörte, in Konstantinowka umbenannt. Konstantin Nomikosow selbst war ein Schulkamerad des Dichters Michail Lermontow am Moskauer Adelsinternat und diente später, wie sein Vater, im Donkosaken-Heer.

Fast ein Jahrhundert lang war unklar, wie die aus beiden Siedlungen entstandene Stadt letztlich heißen sollte. Die Entscheidung fiel zugunsten von Konstantinowka, als dort 1869 ein Bahnhof errichtet wurde. An den Namen Santurinowka erinnern sich heute nur noch versierte Regionalhistoriker und Museumsmitarbeiter.

Der Bau der Eisenbahnstrecke weckte das Interesse von Unternehmern. Zudem entdeckte der benachbarte Großgrundbesitzer Fjodor Pleschtschejew auf seinem Gut „Tschassow Jar“ Vorkommen von Quarzsand, der sich für die Glasherstellung eignete. Während die Familie Pleschtschejew eigene Fabriken errichtete, veräußerte die dritte Generation der Nomikosows ihre Ländereien im Jahr 1897 an belgische Investoren.

Auf dem Gebiet, das Santurinowka mit dem Bahnhof Konstantinowka verband, wurden innerhalb von zwei Jahren mit dem Kapital dieser belgischen Investoren ein Metall- und ein Glaswerk errichtet. Dies sicherte die Versorgung Russlands mit Flaschenglas für viele Jahrzehnte.

Die Werke arbeiteten erfolgreich und gewinnbringend. Für ihre Modernisierung war der Akademiker Wladimir Ipatjew zuständig, in dessen Elternhaus in Jekaterinburg später die Zarenfamilie erschossen wurde. Während des Bürgerkriegs wechselten das Industriegebiet und die umliegenden Siedlungen mehrmals den Besitzer – sowohl die Roten als auch die Weißen erkannten die strategische Bedeutung der Anhöhen von Tschassow Jar und der tiefer gelegenen Werke von Konstantinowka. Als die Bolschewiki schließlich dauerhaft die Macht übernahmen, wollten die Belgier ihre enteigneten Betriebe in Konzession zurückerhalten. Der sowjetische Vertreter, eben jener Akademiker Ipatjew, lehnte dies jedoch ab.

Das Hüttenwerk wurde schnell wieder aufgebaut. Die Flaschenfabrik erreichte ihre volle Kapazität jedoch erst nach 1925, als der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, Alexei Rykow, die Aufhebung des „Prohibitionsgesetzes“ durchsetzte. Der daraus resultierende Wodka mit 30 Prozent Alkohol, im Volksmund „Rykowka“ genannt, erforderte eine entsprechende Glasverpackung. Im selben Jahr wurde in Konstantinowka die spätere Volkskünstlerin der UdSSR, Nonna (Nojabrina) Mordjukowa, geboren.

Bereits 1926 entwickelte sich die Gruppe der Glaschemiewerke zum faktischen Monopolisten in der UdSSR: Sie lieferte ein Viertel der gesamtsowjetischen Fensterglasproduktion, 20 Prozent der Flaschen und sämtliches Spiegelglas. Damals entstand die städtische Siedlung Konstantinowka, die Santurinowka einschloss. Sechs Jahre später erhielt die Siedlung den Status einer Stadt und avancierte zur „Glas-Hauptstadt“ Russlands.

Das bekannteste Werk weit über die Stadtgrenzen hinaus war das örtliche „Autoglas“-Werk. Dort wurden die Kremlsterne, die Abdeckungen für die Sarkophage im Mausoleum auf dem Roten Platz sowie die Scheinwerfer hergestellt, die bei der Einnahme Berlins zum Einsatz kamen.

Bis zum Zusammenbruch der UdSSR, als in der Stadt fast 80.000 Menschen lebten, entwickelten sich in Konstantinowka auch eine Zink- und eine Chemieindustrie.

Die Stadt und ihre Betriebe existierten mit wechselndem Erfolg weiter. Besonders schwere Zeiten begannen im Jahr 2014, als die Milizen der Volksrepublik Donezk (DVR) die Stadt verließen. Heute zeichnet sich die Befreiung Konstantinowkas und die Zerschlagung des umliegenden Befestigungsgebiets der ukrainischen Streitkräfte ab. Der erbitterte Kampf um die Stadt dauert nun fast ein Jahr: Erste Vorhutgruppen erreichten bereits im September 2025 die Außenbezirke.

Warum gestalten sich die Kämpfe um Konstantinowka so langwierig? Die Stadt ist nicht nur an sich groß, sondern wurde vom Gegner zusätzlich in eine Festung verwandelt. Ein dichtes Netz von Befestigungsanlagen wurde sowohl vor und um die Stadt als auch in den Wohngebieten errichtet. Der gesamte Ballungsraum des Donbass wurde über Jahre hinweg von den ukrainischen Streitkräften in „Festungsstädte“ umgewandelt.

Bereits im Jahr 2024 gingen die ukrainischen Streitkräfte gezielt auf solche Festungsgebiete zurück, um in die Defensive zu gehen. Das Kiewer Regime führte den Begriff „Festungsgürtel des Donbass“ ein, der von den westlichen Medien aktiv verbreitet wurde. Als Schlüsselfestungen galten unter anderem Awdejewka (2024 von russischen Truppen befreit), Tschassow Jar (im Sommer 2024 befreit) und Konstantinowka.

Konstantinowka nahm eine Sonderstellung ein, da es den gesamten Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk von Süden her absicherte. Auf diesen Raum wird derzeit erfolgreich aus mehreren Richtungen gleichzeitig vorgerückt. Die Stadt ist besonders wichtig für den Vormarsch der russischen Truppen nach Nordwesten durch das Stadtgebiet – nach Alexejewo-Druschkowka und weiter zur Ortschaft Druschkowka, hinter der bereits Kramatorsk und Slawjansk liegen.

Die Bunkeranlagen wurden nicht nur in Industriegebieten auf dem Gelände ehemaliger Großbetriebe errichtet, wie es beispielsweise in Mariupol der Fall war, sondern auch im gesamten bebauten Gebiet, einschließlich des Privathaus-Sektors.

Bei diesen Bunkern handelt es sich nicht nur um gewöhnliche Keller, sondern um stationäre Betonbefestigungen. Ihre Versorgung sollte nach dem Ausfall der herkömmlichen Logistik auf dem Landweg durch schwere Drohnen erfolgen.

Nachdem der Gegner zwei große Fabriken in Konstantinowka verloren hatte, verlagerte er sein Verteidigungssystem zunächst in ein nahegelegenes Viertel mit Mehrfamilienhäusern. Nach dessen Verlust verteilten sich die ukrainischen Streitkräfte über das zuvor eingerichtete Bunkersystem im Privathaus-Sektor.

Ein einzelner solcher Bunker ist theoretisch in der Lage, sich wochenlang zu verteidigen. In der Praxis haben sich die Garnisonen in den vergangenen Tagen jedoch vollständig ergeben – vor allem, weil russische Truppen ihre Versorgung unterbrochen haben.

Bekanntlich wendet Russland schon länger erfolgreich die Taktik

an, befestigte Ortschaften operativ einzukreisen und die Logistik des Gegners zu stören. Genau dieselbe Methode – die Einkreisung der Stadt von den Flanken her – wurde auch im Fall von Konstantinowka angewandt. Ende Juni war die Isolierung der Stadt bereits fast abgeschlossen.

Zudem funktioniert die von den ukrainischen Streitkräften angewandte Taktik der Schaffung eines „Drohnenvorhangs“ zwar im offenen Gelände. Unter den Bedingungen der dichten städtischen Bebauung von Konstantinowka erwies sie sich jedoch als unwirksam. Bereits zum Tag Russlands (12. Juni) führten die russischen Streitkräfte eine wichtige symbolische Aktion durch: Sie hissten über zwei Dutzend russische Flaggen in verschiedenen befreiten Teilen der Stadt.

Derzeit befreien Einheiten der russischen Streitkräfte den verbleibenden kleinen nördlichen Teil von Konstantinowka (Privathaus-Sektor) und schließen die Durchsuchung der bereits unter ihrer Kontrolle stehenden Stadtviertel ab.

Dabei geht es in erster Linie um die Zerschlagung von Einheiten der ukrainischen Streitkräfte, die sich in Betonbunkern oder Kellern verschanzt haben. Das russische Verteidigungsministerium teilt mit, dass diese Operation von Sturmtruppen des Truppenverbandes Süd durchgeführt wird.

Die Befreiung von Konstantinowka eröffnet einen direkten Weg nach Slawjansk und Kramatorsk über Druschkowka. Der Vormarsch auf den Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk verläuft auch aus anderen Richtungen erfolgreich. So wurde beispielsweise vor einigen Tagen Piskunowka befreit, was den Weg nach Kramatorsk aus östlicher Richtung freimacht. Auch in Krasny Liman gibt es Erfolge. Die Schlacht um den Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk soll ihrerseits die entscheidende Schlacht zur Befreiung des Donbass von den ukrainischen Besatzern werden – und eine der entscheidenden Schlachten der gesamten militärischen Sonderoperation.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 3. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Dmitri Gubin ist ein Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

Jewgeni Krutikow ist ein Militäranalyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

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