Derzeit wird in der Europäischen Union über das 21. Sanktionspaket gegen Russland beraten. Ein zentraler Bestandteil der Überlegungen sind Maßnahmen gegen Patriarch Kyrill von Moskau. Brüssel wirft dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche vor, den Krieg in der Ukraine zu rechtfertigen. Daher schlägt die EU-Kommission vor, ein Einreiseverbot gegen ihn zu verhängen und seine Vermögenswerte einzufrieren.
Neben Bulgarien stellt sich nun auch Italien offen gegen die EU-Vorschläge. Wie Politico unter Berufung auf anonyme europäische Diplomaten berichtet, hat Rom offiziell Einwände gegen das geplante Visumverbot für Patriarch Kyrill erhoben. Der italienische Widerstand stehe im Zusammenhang mit dem Vatikan, der Unbehagen darüber äußere, dass die EU ein Oberhaupt einer christlichen Glaubensgemeinschaft sanktionieren wolle, heißt es in dem Bericht. Italien schließt sich damit Bulgarien an, das ebenfalls die Sanktionen gegen den Patriarchen ablehnt.
Bereits beim EU-Gipfel im Juni in Brüssel hatte Bulgariens Regierungschef Rumen Radew erklärt, die Strafmaßnahmen gegen den russisch-orthodoxen Geistlichen verhindern zu wollen. Die bulgarischen Medien zitierten den Ministerpräsidenten damals mit den Worten: “Lasst uns Politik und Religion nicht vermischen. Die Zeit der Kreuzzüge ist vorbei.”
Radew betonte, es gehe ihm nicht um Patriarch Kyrill persönlich, sondern um die russisch-orthodoxe Kirche als Ganzes. Diese habe, so der Politiker, einen bedeutenden Beitrag zur Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft geleistet. “Meine Sorge gilt der russischen Gesellschaft als Ganzes und ihrer Kirche, die wie die unsere ostorthodox ist”, so der Ministerpräsident weiter. Er forderte zudem, dass die bulgarisch-orthodoxe Kirche, der rund 70 Prozent der Bevölkerung angehören, bei solchen Sanktionsdiskussionen ein Mitspracherecht haben müsse.
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