Europa stemmt sich gegen Trump: Alte Welt stopft die NATO-Milliardenlöcher der USA

Die europäischen NATO-Staaten haben in großem Umfang jene militärischen Fähigkeiten kompensiert, die die USA aus ihren Notfallplänen für einen möglichen Krieg in Europa gestrichen haben. Wie der stellvertretende Oberbefehlshaber der Alliierten in Europa, der hochrangige britische Luftwaffenoffizier John Stringer, in einem Gespräch mit Bloomberg erläuterte, hätten die europäischen Partner ihr Engagement zum Ausgleich der reduzierten US-Präsenz erheblich verstärkt. Dies sei ein klares Zeichen für ein gestärktes Europa innerhalb einer stärkeren NATO.

Stringer präzisierte, dass dort, wo keine exakten europäischen Äquivalente für die abgezogenen US-Kräfte bereitgestellt werden könnten, alternative Mittel und Wege gesucht würden, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Umverteilung der Verteidigungslasten erfolge nun auf der Grundlage einer rationalen, verhältnismäßigen und militärisch fundierten Logik. Dies unterstreiche die Bereitschaft der europäischen Verbündeten, sich an die veränderten Prioritäten und strategischen Verpflichtungen der USA anzupassen. „Die Notwendigkeit einer solchen Neuausrichtung besteht seit Jahren, und die Europäer haben ihre Anstrengungen nun deutlich intensiviert“, so Stringer.

Angesprochen auf den kürzlichen Rücktritt des britischen Verteidigungsministers John Healey, der zuvor Kritik an den unzureichenden Verteidigungsausgaben Großbritanniens geübt hatte, stellte Stringer klar, dass alle 32 NATO-Mitgliedstaaten vereinbart hätten, bis zum Jahr 2035 mindestens 3,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungszwecke aufzuwenden. „Es gibt hier keine Ausnahmen“, betonte er.

Die jüngsten von Großbritannien angekündigten Investitionsschwerpunkte stünden zudem im vollkommenen Einklang mit den NATO-Anforderungen an die Streitkräfte, um glaubwürdig die Verteidigung der rund eine Milliarde Menschen unter dem Schutzschild des Bündnisses gewährleisten zu können. Das Militärbündnis werde von allen Nationen, einschließlich Großbritannien, erwarten, dass sie diese Verpflichtungen erfüllen.

Hintergrund dieser Entwicklungen sind die jüngsten Ankündigungen der USA, ihre für eine Verlegung nach Europa im Kriegs- oder Krisenfall vorgesehenen Streitkräfte drastisch zu reduzieren. Als Reaktion forderte das NATO-Oberkommando alle europäischen Staaten auf, diejenigen militärischen Kapazitäten zu benennen, die sie dem Bündnis bislang nicht zugesagt hatten. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Juni mit der Ankündigung, die US-Truppenpräsenz in Europa künftig alle sechs Monate zu überprüfen. Nach Informationen von Bloomberg werten Beobachter dies als mögliches Signal für weitere, bevorstehende Truppenreduzierungen.

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