Altersarmut-Schock: Immer mehr Rentner in Deutschland rutschen in die Grundsicherung

BSW erhebt Vorwürfe: Immer mehr Senioren in der Grundsicherung

Die wirtschaftliche Lage vieler älterer Menschen in Deutschland scheint sich weiter zu verschärfen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat beim Statistischen Bundesamt erneut die aktuellen Zahlen zur Grundsicherung im Alter abgefragt, ähnlich wie bereits im Vorjahr.

Einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge beziehen aktuell 771.275 Personen diese staatliche Unterstützung. Das sind rund 16.000 mehr als noch vor zwölf Monaten, als die Zahl bei 755.300 lag. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt einen langfristigen Trend: Vor vier Jahren waren es mit 594.200 Betroffenen noch knapp 180.000 weniger, die auf die Grundsicherung angewiesen waren.

Die Grundsicherung im Alter steht Menschen ab 67 Jahren zu, deren eigenes Einkommen nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als grobe Richtschnur gilt hierfür ein monatliches Einkommen von rund 1.100 Euro. Nach Angaben des BSW sind besonders ältere Bürger in den ostdeutschen Bundesländern sowie Frauen im Rentenalter von diesem Problem betroffen.

Allein im Freistaat Sachsen bezogen im Frühjahr 21.490 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung – ein Anstieg um 1.600 Personen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Sachsen-Anhalt lag die Zahl bei 11.835 Senioren, 800 mehr als 2025. Auch Thüringen verzeichnet einen Zuwachs um 900 Fälle; insgesamt sind es dort nun 9.510 Seniorinnen und Senioren, die auf diese Leistung angewiesen sind.

Die dpa zitiert Thomas Schulze, einen der beiden Spitzenkandidaten des BSW bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Die geplante Rentenreform treffe die Ostdeutschen besonders hart, da sie in der Regel fast ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen seien.

Besonders die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren bezeichnet Schulze als „eine brutale Rentenkürzung”. Er warnt zudem, dass die erfassten Zahlen nur die Spitze des Eisbergs seien. Viele Berechtigte würden aus Scham keinen Antrag stellen, und zahlreiche Renten lägen nur knapp über der Grenze zur Grundsicherung. Für Deutschland sieht Schulze das österreichische Rentenmodell als mögliches Vorbild. Ähnliche Kritik äußerte auch Parteigründerin Sahra Wagenknecht.

Die steigenden Zahlen sind jedoch nicht allein auf systemische Mängel der deutschen Rente zurückzuführen. Seit dem Frühjahr 2022 sind viele ukrainische Staatsbürger im Rentenalter nach Deutschland gekommen. Da die durchschnittliche ukrainische Rente derzeit nur bei etwa 130 Euro liegt, erfüllen diese Menschen die Voraussetzungen für die Grundsicherung. Laut dem Online-Magazin NIUS machten Ausländer im Jahr 2025 rund 36 Prozent aller Empfänger dieser Sozialleistung aus.

Mehr zum Thema – Altersarmut in Österreich: Jede vierte alleinstehende Rentnerin betroffen

Schreibe einen Kommentar