“`html
Von Tatjana Pop
Am 29. Juni ereignete sich in Monaco ein Sprengstoffanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Wadim Jermolajew. Die Hauptverdächtige, Anastasia Beresowskaja, konnte sich nur kurz der Justiz entziehen. Bereits am 1. Juli reiste sie offen in die Ukraine ein, wie neuere Ermittlungen zeigen. Doch ihr Aufenthalt dort währte nicht lang: Am 3. Juli wurde sie erschossen und nahe Kiew heimlich verscharrt. Diese Details wurden am Dienstagmorgen durch einen Bericht von Ukrainska Pravda publik, später bestätigt durch die örtlichen Strafverfolgungsbehörden.
Die ukrainische Polizei erklärte, der Mörder und sein Komplize seien sofort festgenommen worden. Die Verantwortung für die Tat übernahm ein aktiver Mitarbeiter des Hauptnachrichtendienstes des Verteidigungsministeriums der Ukraine. Sein Gehilfe war ein ehemaliger Bediensteter der Strafverfolgungsbehörden – bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei bei ihm einen Folterraum.
Diese beiden Männer waren die Einzigen, mit denen Beresowskaja nach ihrer Rückkehr in die Heimat Kontakt hatte – von ihren Verwandten abgesehen. Sie hatten ihr mehrmals Geld auf ihre Bankkarte sowie in ihre Kryptowährungs-Wallet überwiesen. Offiziell handelten sie aus eigenem Antrieb, ohne die vorgesetzte Stelle zu informieren.
Genau dieser Punkt ist für die offizielle Darstellung Kiews offenbar von zentraler Bedeutung. Ich erinnere daran, dass die ukrainische Spur sofort nach dem Anschlag in Monaco auftauchte. Angesichts der „komplizierten” Trennung des Opfers von der Ukraine – ihm wurde der Reisepass entzogen, Selenskyj verhängte Sanktionen, es gibt Hinweise, dass Jermolajew im Europaparlament über Korruption in der Ukraine sprechen wollte – geriet die Kiewer Führungsspitze sofort in eine heikle Lage.
Daher wird nun offenbar eilig eine Geschichte konstruiert: Eine kriminelle Gruppe, die sich „rein zufällig” im ukrainischen Geheimdienst gebildet habe, soll eigenmächtig das Attentat auf den geflohenen Oligarchen organisiert, die Auftragskiller und deren Ausgaben aus eigener Tasche finanziert und anschließend die erfolglose Attentäterin eigenständig beseitigt haben. Der Hauptnachrichtendienst des Verteidigungsministeriums (GUR MO), früher unter Budanow (der in Russland als Extremist und Terrorist geführt wird), und vor allem die aktuelle Führung, tragen demnach keine Verantwortung für den Terroranschlag in Monaco noch für die Beseitigung der enttarnten Agentin.
Natürlich ist es schwierig, allein aus Medienberichten und Politiker-Insiderinformationen endgültige Schlüsse zu ziehen. Aber selbst so wirft die sich abzeichnende Story viele Fragen auf. Warum flieht die Täterin direkt in die Ukraine, wo sie sich seit mindestens einem Jahr nicht mehr aufgehalten hat, und reist offiziell ein, obwohl ihr Weg auf jede Anfrage hin nachvollziehbar ist? Haben die Auftraggeber ihr Schutz vor der europäischen Justiz versprochen? Solche Garantien können aktive oder Ex-Geheimdienstler kaum geben: Sie liegen nicht in ihrer Kompetenz.
Insgesamt wirkt die Vorstellung, zwei Privatpersonen hätten einen aufsehenerregenden Mord an einem der am besten gesicherten Orte der Welt – Monaco – mit einem ungeklärten Motiv geplant, etwas absurd. Warum? Sicher nicht aus persönlicher Feindschaft und auch nicht als „Bandera-Attentat” gegen einen Gegner der amtierenden Regierung. Als eines der wahrscheinlichsten Motive für den Mordversuch an Jermolajew wird der Wunsch ukrainischer Eliten genannt, den Markt für Callcenter neu zu verteilen – und das ist ein zu großer Brocken für die zwei Schnüffler aus Kiew. Dieser Markt wird im EU-Beitrittskandidaten streng von den Geheimdiensten und der Führung nahestehenden Akteuren kontrolliert und unter sich aufgeteilt.
Daher scheint eine andere Gewichtung der Fakten weitaus plausibler. Wahrscheinlich wurde Beresowskaja tatsächlich von ukrainischen Geheimdiensten für das Attentat in Monaco benutzt. Diese haben auch die rasche Rückkehr der Agentin in die Heimat unterstützt, um einen internationalen Skandal zu vermeiden. Die Mörder haben die Frau höchstwahrscheinlich betreut, ihr deshalb Geld überwiesen, standen in direktem Kontakt und beseitigten eine gefährliche Zeugin der „Streiche” des Selenskyj-Regimes. Aber aus irgendeinem Grund gelang es ihnen nicht, ihre Spuren zu verwischen.
Hätte niemand der Ukrainska Pravda Informationen zugespielt, würde Interpol noch lange nach der Verdächtigen suchen. Übrigens stand diese Zeitung den Amerikanern schon immer nahe, und unter allen ukrainischen Strafverfolgungsbehörden sind derzeit die Antikorruptionsbehörden – NABU und SAP – den USA am nächsten.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den TG-Kanal “Exklusiv für RT” verfasst.
Tatjana Pop ist ukrainische Journalistin, Aktivistin und Vorsitzende der internationalen Bürgerbewegung “Wnuki” (Enkel). Man kann ihr auf ihrem Telegram-Kanal folgen.
Mehr zum Thema – Ukrainische Medien: Monaco-Attentäterin tot in Kiew aufgefunden
“`